11.11.2017, Simm City Festsaal Zentrum Simmering, Wien

DIE APOKALYPTISCHEN REITER & MOTOROWL

Text: Lee
Veröffentlicht am 15.11.2017

Wenn man mich gefragt hätte, welche Vorband ich zu DIE APOKALYPTISCHEN REITER in die Simm City zum Konzert schicken würde, ich hätte wohl nicht an MOTOROWL gedacht.

Klar, Gemeinsamkeiten kann man immer finden (auch wenn diese sich manchmal auf ‚macht Geräusche’ reduzieren…) aber MOTOROWL sind so psychedelisch und versponnen, im Gegensatz zu den doch sehr straighten Reitern. Naja. Booking-Debatten zu führen hat ja immer schon recht wenig gebracht, also lasst uns lieber über MOTOROWL reden, welche den Abend eröffnet haben.

MOTOROWL sind noch kein besonders alter Zusammenschluss von Musikern – das Debutalbum „Om Generator“ hat aber durch die Bank für positives Aufsehen und gute Kritiken gesorgt. Das ist in dieser Zeit, in welcher die Psychedelic/Stoner/... Bands wie die sprichwörtlichen Schwammerl aus dem Boden schießen, gar nicht mal so selbstverständlich.

Der Sound war auch beim Konzert schön dröhnig und etwas wabernd, wie man das bei solchen Bands auch gerne hat – das Publikum war nicht abgeneigt, aber stellenweise spiegelten die Gesichter Überforderung wieder. Oder sagen wir: leichte Skepsis. Ist nicht so einfach, eine Vorband wie MOTOROWL entsprechend zu würdigen, wenn man auf Party mit DIE APOKALYPTISCHEN REITER eingestellt ist. Die Jungs haben auch – ganz in Genremanier – weniger Rumgehüpfe und Show auf der Bühne geboten, sondern den Fokus ganz auf ihre Musik gelegt. Das ist einerseits sehr gut und schätzenswert – andererseits passt das halt weder zu DIE APOKALYPTISCHEN REITER noch zu so manch einem Fan von ebendiesen.

 

Als DIE APOKALYPTISCHEN REITER sich nach MOTOROWL ankündigten  mit verdunkeltem Saal und stimmiger Musik  wurde klar, wer der König auf dem Platz ist (an diesem Abend). Laute „Reiter, Reiter“-Rufe machten schon im Vorfeld eine Stimmung, die sich bis in den letzten Winkel des Saales ausgebreitet hat. Bereits beim ersten Track ging eine Art gleichförmige Bewegung durch den Raum und spätestens bei den Schlachtrufen à la „Dann wetzen wir die Messer!“ zeigte sich das Reiter-Phänomen, wie ich es gerne nenne. Kaum eine Band – egal welches Genre, egal welche Location – schafft es mit derartiger Zuverlässigkeit wie die Reiter, bis zum letzten Mann, bis in die letzte Reihe Bewegung zu bringen. Manch ein Fronter brüllt sich die Seele aus dem Leib und will das faule Volk zum Hüpfen, Klatschen oder was auch immer animieren – und nix passiert. Wenn der Fuchs nur ins Publikum blinzelt, springt der Funke über. Sehr faszinierend anzusehen, immer wieder.

DIE APOKALYPTISCHEN REITER haben eine energiegeladene, geile Show geliefert, die mehr als nur dafür entschädigt hat, dass man sie 2017 auf keinen Festivals spielen sah. Man kann sie lieben, man kann sie hassen, sie können einem herzlich egal sein: ein derartiges Livepotential kann man lange suchen und wird es selten finden. Dankenswerterweise haben sie nicht nur neue, sondern auch eine Menge altbekannte Lieder gespielt, was besonders die Fans der früheren Stunden sehr gefreut hat.

Ein geiler Abend, mehr kann man dazu nicht sagen.


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