11.11.2017, Porsche Arena, Stuttgart, Stuttgart

HELLOWEEN - Pumpkins United World Tour

Text: Marc Folivora, Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 15.11.2017

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„So jung kemma nimma zam!“ So oder so ähnlich mussten die Herren von HELLOWEEN gedacht haben, als sie sich für die Pumpkins United World Tour noch einmal zusammenrauften, um den Fans, die wohlbekannten Klassiker noch einmal um die Ohren zu hauen. Dass diese Masche nur allzu gut funktioniert und von den Fans auch mit Freude angenommen wird, davon zeugten ja bereits die Klassiker-Touren so einiger Kollegen, wie z.B. Udo DIRKSCHNEIDER, der zeitgleich bereits die zweite ACCEPT-Ehrenrunde dreht. Ungleich größer, aber nicht weniger gut besucht (kurz vor ausverkauft war es in Stuttgart in jedem Fall), wie die bis zum Anschlag befüllte Porsche Arena bewies – einige Restkarten waren zum Beginn des Einlasses noch verfügbar.

Deutsche Gründlichkeit bei der Parkplatzeinweisung im NeckarPark machte es möglich, dass selbst spät Ankommende, trotz gleich mehrerer Veranstaltungen rechtzeitig an der Halle einlangten – selbst wenn die Witterungsumstände (grässlichster Nieselregengraupelschnee mit frostig-steifer Brise) den Spurt zur Halle relativ unangenehm machten. Dafür wurde man drinnen von wohlig-warmer Atmosphäre und feinster Musik empfangen – auch wenn die bekanntlich nicht so tolle Akustik im Rund der Porsche Arena den Sound ein wenig zermatschte. Doch dieser kleine Schönheitsfehler störte nur die Wenigsten - oder zumindest nur die Gitarrenfetischfraktion, welche das Saiten-Dreigestirn Weikath-Gerstner-Hansen gerne mit etwas mehr Durschlagskraft erlebt hätte.

Natürlich könnte man an dieser Stelle noch weit ausholen und die abwechslungsreiche Geschichte von HELLOWEEN Revue passieren lassen, über alte und neue Mitglieder schwadronieren, die musikalischen Belange von der sattsam bekannten "Keeper..."-Reihe über Überlängen-Klassiker bis hin zu knackig-kürzeren Stücken der Neuzeit ausschweifend betrachten – oder sich einfach auf das hier und jetzt Gebotene konzentrieren. Ältere Semester werden an diesem Abend wohl feuchte Augen bekommen haben, während die jüngere Generation sich einen Ast abfreute das noch erleben zu dürfen – die „Pumpkins“ mit allen für Teile ihrer Karriere so wichtigen Akteuren gesammelt auf der Bühne! Dafür musste es natürlich auch ein entsprechendes Setting sein, mit bombastischer, von einer riesigen Videowall unterstützten Bühnenshow!
 


 

Dann natürlich gleich mit „Halloween“ und „Dr. Stein“ zu starten, da konnte kaum etwas schief gehen, wie auch ein vom Fleck weg steil gehendes und herzhaft mitgrölendes Publikum bewies. Doch nach dem äußerst enthusiastischen Beginn flachte die Show ein wenig ab, was vor allem den häufigen Zwischeneinspielungen auf der Videowall, mit den beiden Kürbissen Seth & Doc geschuldet war – was zu Beginn noch für Schmunzeln und lautes Gelächter sorgte, nützte sich leider während der Show stark ab und ließ die im Laufe der Songs aufkeimende Stimmung immer wieder absinken. Ein übriges dazu taten die teils extrem in die Länge gezogenen Endsequenzen, die man gerne etwas knackiger und auf den Punkt gesehen hätte. Klar, an der Auswahl der insgesamt 25 Titel (die nicht zur Gänze gespielten Songs der beiden Meyleys mitgezählt) gab es rein gar nichts auszusetzen – mal ehrlich, alles andere würde an Gotteslästerung grenzen!

Dennoch blieb die ganze Show über so ein seltsames Gefühl, dass man sich irgendwie, angesichts des pompösen Auftriebs der da betrieben wurde, mehr erwartet hätte. Doch nicht so sehr von Seiten der Bühne, wo so ziemlich alle verfügbaren Register gezogen wurden, wo augenscheinlich sehr gute Stimmung zwischen den Musikern herrschte und auch viele Faxen und Späßchen untereinander gemacht wurden, sondern vielmehr am Schnittpunkt zwischen dem Geschehen auf und jenem vor der Bühne, das irgendwie seltsam entkoppelt voneinander wirkte. Ob es nur an den vielen Pausen und langgezogenen Fade-Outs lag, dass die Zuseher im Mittelteil so schaumgebremst agierten? Oder war dann doch die eine oder andere gesangliche Unstimmigkeit daran schuld, wenn Michael Kiske, zwar grandios im Zusammenspiel mit Andi Deris, ab und zu arg gequält wirkte und dann wieder solcherart perfekte Parts ablieferte, dass man an der Echtheit der Darbietung zweifeln konnte?

Trotz der Schönheitsfehler entschädigte dann aber das Finale für alles. Im Uptempo-Schlusspart von „How Many Tears“ wachten die etlichen tausend Nasen in der Porsche Arena wieder auf und mit der vierfach-Gnackwatschn „Eagle Fly Free“, „Keeper...“, „Future World“ und der Ewigkeitshymne „I Want Out“, aufgeteilt auf zwei Zugabenblöcke, war die Welt wieder in Ordnung. Schlag auf Schlag prasselten die Griffigen Refrains auf einen ein und frästen sich die Gitarren in die Gehörgänge, sodass man gar nicht anders konnte, als mitzumachen. Die schwachbrüstigen Publikumschöre bei „Rise And Fall“ oder „Sole Survivor“ - vergeben und vergessen. Die kaum vernehmbaren „Zugabe!“-Rufe nach „How Many Tears“ - egal. Im wohl von gefühlt 90% des Publikums sehnlichst erwarteten Zugabenblock gab es HELLOWEEN in Reinkultur, was schlussendlich auch so gebührend honoriert wurde, wie es sollte! Ein versöhnliches Ende eines teils doch durchwachsenen Auftrittes, der den kultigen Kürbisköpfen vielleicht nicht ganz so gerecht wurde, wie er es hätte sein können – aber über den sich das Herz eines jeden Powermetallers trotzdem einfach nur freute, wie ein Schneekönig!

    

 

Setlist: (Ohne Gewähr!)

  • Halloween
  • Dr. Stein
  • I'm Alive
  • If I Could Fly
  • Are You Metal?
  • Rise and Fall
  • Waiting for the Thunder
  • Perfect Gentleman
  • Starlight / Ride the Sky / Judas / Heavy Metal (Is the Law)
  • Forever and One (Neverland)
  • A Tale That Wasn't Right
  • I Can
  • Livin' Ain't No Crime / A Little Time
  • Why?
  • Sole Survivor
  • Power
  • How Many Tears
  • Eagle Fly Free
  • Keeper of the Seven Keys
  • Future World
  • I Want Out

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