13.11.2017, Gasometer, Wien

MASTODON & RED FANG & RUSSIAN CIRCLES

Text: Eva Thalhammer | Fotos: Kalti
Veröffentlicht am 16.11.2017

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Das einzige, das weniger gut Besucht ist als Konzerte am Sonntag, sind Konzerte am Montag. Aber nicht heute. Denn mit RUSSIAN CIRCLES, RED FANG und MASTODON wurde ein Ausnahme-Paket der progressiven Art geschnürt. Und um dem Ganzen noch eins drauf zu setzen, haben sich die urzeitlichen Rüsseltiere Scott Kelly (NEUROSIS) für ihre Live-Session mitgebracht. Auf die gemeinsame Set-List bin ich ganz besonders gespannt.

Die Door Policy im Gasometer sorgt leider dafür, dass pünktlich zu Konzertbeginn noch eine Traube von Menschen vorm Eingang in der Novembernacht ausharren muss. Ich schaffe es erst in die Konzerthalle, als RUSSIAN CIRCLES bereits ihren letzten Song fetzen. Die Energie ist gut, die Band motiviert. Gern hätte ich mehr davon gesehen.


RUSSIAN CIRCLES

Mit RED FANG geht es dann eher mittelmäßig weiter. Wer die Musik-Videos der Portlander Stoner-Fraktion kennt weiß, dass hier normalerweise Witz auf Wucht prallt. Live hingegen ist vom selbstreferentiellen Augenzwinkern eines “Prehistoric Dog” wenig zu spüren. Die Buben sind höchst professionell und wenden sich abgesehen von ein paar Dankeschöns kaum ans Publikum. Ordentlich viel Hall sorgt leider auch für einen verwaschenen Sound und das ist bei RED FANG ein bisschen ungemütlich. Schade eigentlich, denn mit Party-Hits wie “Wires”, “Blood Like Cream” oder “Cut It Short” wird eine kurzweilige Rundreise durch die weirde Bandgeschichte geboten.


RED FANG

MASTODON gehören momentan wohl zu den gehyptesten Bands des Genres. Die umtriebigen Buben haben nicht nur ihre eigenen Biermarken, sondern haben sich auch bereits mehrfach als Game Of Thrones-White Walkers ausgezeichnet (inklusive Beitrag zum GoT-Soundtrack). Außerdem ist das neue Album “Emperor Of Sand” rockiger und somit massentauglicher denn je. Mit Rückgriffen auf den gesamten Backkatalog legen MASTODON im Live-Set aber ihre komplette Entwicklungsgeschichte offen, die von Sludge über Stoner hin zum Progressive eine ordentliche Palette an Heavyness und Abwechslungsreichtum bietet.

 

Auch wenn der Sound - das leidige Thema - nicht der beste ist, MASTODON bieten ja auch was fürs Auge. Die bärtigen Musiker legen sich ordentlich ins Zeug und haben gefühlt alle zwei Minuten eine neues Instrument in der Hand. Und - oh wow! - auch diese LED-Elemente machen echt was her! Auf sieben Säulen laufen verschiedenste Variationen der psychedelischen Album-Artworks in Dauerschleife. Mal in leuchtendem Rot, giftigem Grün oder nervösem Blau blickt man Drachen, Schlangen und phantasmagorischen Fabelwesen in die Augen. Wirkt simpel und doch genial!

 


MASTODON

Aber zurück zur Musik. Mit Kraftpaketen wie “Sultans Curse”, “Ember City” oder “Oblivion” stellen die vier ihr technisches Können mit voller Hingabe unter Beweis. Beim rockigen “Show Yourself” oder dem abgespaceten “Steambreather” hingegen darfs schon mal ein bisschen ausgelassener zugehen. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich mittlerweile an die Soundgegebenheiten gewöhnt hab, aber als Scott Kelly die Bühne zum Encore betritt, klingen auch MASTODON auf einmal besser. Der NEUROSIS-Fronter und langjähriger Bandkumpane grölt sich gemeinsam mit Troy Sanders durch fast alle bisherigen MASTODON-Alben (mit Ausnahme des Debüts), dass es eine Freude ist. Absolutes Highlight ist aber die Abschluss-Nummer “Diamond In The Witch House” die auf “Once More ‘Round The Sun” ohnehin schon begeisterte. In diesem Duett ein wahres Prachtstück!

 

Setlist MASTODON (Ohne Gewähr):
The Last Baron
Sultan's Curse
Divinations
Ancient Kingdom
Colony of Birchmen
Ember City
Megalodon
Andromeda
Oblivion
Show Yourself
Precious Stones
Roots Remain
Mother Puncher
Steambreather

Encore:
Scorpion Breath (with Scott Kelly)
Crystal Skull (with Scott Kelly)
Crack the Skye (with Scott Kelly)
Aqua Dementia (with Scott Kelly)
Spectrelight (with Scott Kelly)
Diamond in the Witch House (with Scott Kelly)


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