24.11.2017-25.11.2017, ((szene)) Wien, Wien

Fuzzfest 2017

Text: Eva Thalhammer | Fotos: Julian Haas
Veröffentlicht am 29.11.2017

Nach dem großartigen Einstand im Vorjahr geht das Fachseminar für angewandte Langsamkeit heuer in die zweite Runde. Am Fuzzfest 2017 tagt die österreichische HochmusikerInnenschaft des Stoner Rock für zwei volle Tage in der ((szene)) Wien. Eine Grundbegeisterung für lokale Bands und eine strikte Anwesenheitspflicht sind die Mindestanforderungen an alle Seminarteilnehmer. Wer zu spät kommt holt sich lieber eine Mitschrift. Prüfungsrelevant ist das komplette Line Up.

MOTHERS OF THE LAND (Photo Credit: Julian Haas)

MOTHERS OF THE LAND eröffnen mit Heavy Rock. Die stimmigen Doppel-Gitarrenläufe hauen mich zurück in die Seventies of Sex, Fuzz and Rock’n Drugs, eine Zeit die ich zwar nie kannte, die aber genau so geklungen haben muss. Wer die Gemächlichkeit jetzt noch nicht inhaliert hat, sollte sich lieber fürs Tutorium eintragen, sonst wird das nix mehr mit dem Schein.

Weil's der Bildung hinten und vorne am Geld fehlt muss man auch heute mit fast schon antiken Lehrmaterialien Vorlieb nehmen. Statt Laser und Projektoren wird für die Lichtshow auf den guten alten Overhead-Projektor zurückgegriffen. Und wer hätte gedacht, dass die Dinger je zu etwas gut sein könnten - die Wirkung ist nämlich fan- pardon... fuzztastisch! Die wabernden Farbtropfen, rotierenden Cut-Outs und zuckenden Fasern unter der Lampe untermalen die Musik mit den großartigsten, analogen Visuals die man sich vorstellen kann. Kudos an dieser Stelle an die höchst originelle Studienassistenz!

ULTIMA RADIO (Photo Credit: Julian Haas)

Gerade haben ULTIMA RADIO ihr Debüt “A Thousands Shapes” veröffentlicht, schon sind sie damit auf der Bühne. Mit “Enemy Tounge” und “Sheela” folgt auf ruhig kraftvoll und vor allem tanzbar. Live sind die Grazer immer ein Erlebnis. Der anspruchsvolle Konserven-Sound lässt sich eins-zu-eins schwer wiedergeben und so entstehen im Moment die schönsten Variationen der einzelnen Nummern. Und zu sehen wie sich Sänger Zdravko Konrad ins Zeug legt, macht nochmals mehr Spaß. Leuchtmarker raus - die Band muss man sich merken.

TRIPTONUS (Photo Credit: Julian Haas)

Pausen sind knapp bemessen, es gibt viel Stoff zum Durcharbeiten. Während einige noch musikalische Methodik und akustische Pflichtlektüre diskutieren, eröffnet sich mit TRIPTONUS bereits das nächste Themenfeld. Das Wiener Sextett erforscht die perkussive Ebene des Genres und experimentiert mit einzigartigen Songstrukturen und Instrumenten. Food for thought! THE FLYING EYES wiederum steuern mit ihrer Psychedelik eine Außenperspektive bei. Die US-Amerikaner wird es so außerdem nie wieder in Wien zu sehen geben - gehen sie nach dieser Tour doch getrennte Wege. Umso wichtiger, mit dem neuen Album “Burning The Season” nochmals ordentlich auf den Putz zu hauen.

MOTHER'S CAKE (Photo Credit: Julian Haas)

Der erste Seminartag endet mit einem Schlussplädoyer einer Band, die man wohl nicht mehr vorstellen muss: MOTHER’S CAKE. Die Halle ist längst ausverkauft, doch von Gedränge ist auch beim Headliner keine Spur. Sogar in den vorderen Reihen lässt sich der Tiroler Funk in vollen Zügen genießen - und zwar ohne ständiges Bierausschütten. Die Stimmung ist gut, die Band laut. Ließen auf “Love The Filth” noch WOLFMOTHER et.al. grüßen, hat sich das Trio auf dem aktuellen “No Rhyme, No Reason” hörbar einen eigenen Sound erspielt. Bei “The Killer” wird getanzt was das Zeug hält und als Zugabe gibts Bass und Fuzz’n Blues vom Feinsten. Als die letzten Takte verhallen ist die Zeit lange überzogen, aber was tut man nicht alles für die Wissenschaft. Hausaufgaben für die nächste Einheit beinhalten aktives Zurücklehnen und kompromissloses Entspannen. Freiwillige Mehrleistungen sind dabei höchst willkommen.

Photo Credit: Julian Haas


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