07.12.2017, Kapu Linz, Linz

NIGHT VIPER & MOTHERS OF THE LAND

Veröffentlicht am 12.12.2017

Nach eher schwächelnder Konzertberichterstattung meinerseits im Jahr 2017 - was aber nicht eine schwächelnde Konzertbesuchs-leistung bedeutet – muss ich aufgrund eines Ausnahmekonzerts von NIGHT VIPER und MOTHERS OF THE LAND und auch der längst überfälligen Honorierung der Linzer Konzertlocation KAPU darüber Bericht erstatten. Auf meine Bekundung an die Veranstalter, welch lässige Konzerte hier in diesem Jahr - u.a. RANGER, GOLD, CEVEO, POWERNERD, BOG -  stattfanden, bekam ich nur die ironisch nüchterne Antwort: „Irgendjemand muss es ja machen!“

Die fulminante und meiner Meinung nach eine der besten internationalen Instrumentalbands MOTHERS OF THE LAND, hat im KAPU ihr Debütalbum „Temple Without Walls“ aufgenommen und absolvierte nun endlich ihre Live-Debütshow in ebendiesen Wänden des Linzer Musiktempels. Zum KAPU ist noch zu sagen, dass es auch für nicht so zahlreiches Publikum (ca. 50 Besucher) eine der dienlichsten Bühnen (nicht nur für NIRVANA) bietet, ähnlich der Arena Dreiraum-Bühne, wo ich auch schon eine Vielzahl außergewöhnliche Konzerte erleben durfte.

Schon am LAKE ON FIRE Festival 2017 war die Show von MOTHERS OF THE LAND auf der Seebühne sicher die positiv überraschendste, wenn nicht sogar beste Show des Festivals, welche von meinen Festivalbekanntschaften schon im Vorhinein als solche prophezeit wurde. Denn die Melodien, die die Herrschaften aus Wien mit ihren Songs wie „Smoking Mirror“ oder „Hidden Masters“ rausschossen, sind kaum in Worte zu fassen. Die Gitarrenleads erinnern an THIN LIZZY auf Speed oder IRON MAIDEN aufs Essentiellste reduziert. Wahrlich sind die legendären Bands zwar soundtechnisch Vorbilder, werden aber meiner Meinung nach instrumental sogar übertroffen, da alle Songs der MOTHERS kaum nach Schema „F(ear Of The Dark)“ gestrickt sind.

Wer meinen Worten keinen Glauben schenken mag, der soll das Album auf Youtube antesten, sich aber danach schleunigst die Platte besorgen. Die Gitarrenmelodien von Georg Pluschkowith (auch für die Retrorocker PASTOR verantwortlich) und Jack Jindra harmonieren auf allerbester Weise, was ich letztens nur bei den hochverehrten Gitarrenduo Arve Isdal und Thomas Tofthagen von AUDREY HORNE (hier zum Bericht vom Viper Room-Konzert im Jahr 2015) vernommen habe.

Die unzählig gespielten Live-Konzerte seit Album-Release merkt man dem Quartett an. Der instrumental nicht minder souveräne Johannes Zeininger am Bass ist - neben den immer wieder exaltierten Soloeinlagen der Gitarristen – als Ruhepol auf der Bühne zentral positioniert fast notwendig, da es sonst zur Kernschmelze zwischen den Gitarristen-Reaktoren kommen würde. [Anm. d. Lekt.: Wieviel würde ein Strahlenschutzanzug für unseren Redakteur kosten? Nur zur Sicherheit...] Nicht minder gefährlich ist Jakob Haug am Schlagzeug, der durch seinen Punch jederzeit eine Explosion auslösen könnte. Ein Liveerlebnis sondergleichen, das so rasch es geht wiederholt werden sollte!

Eine Vielzahl der nicht unbedingt zahlreichen, aber äußerst begeisterungsfähigen Besuchern erwartete den zweiten Auftritt des Jahres von NIGHT VIPER im KAPU ungeduldig. Im März noch mit dem selbstbetitelten Album unterwegs, hatten die Schweden nun ihr zweites Album „Exterminator“ im Gepäck. Auch im März konnte die Veranstaltungsreihe unter dem klingenden Namen „Steel City Sorcery“ mit einem guten Bandpackage und der Verpflichtung der Wiener Ausnahme Traditional Heavy Metal Band ROADWOLF punkten. Und so sollte auch im Dezember ein gelungener Konzertabend beginnen.

Ich habe wohl in den letzten Jahren selten einen Musiker wie Gitarristen Tom Sutton so oft und in so vielen verschiedenen Bands live auf der Bühne gesehen. Die wunderbare Reise des wunderbaren Gitarristen, die irgendwann bei den japanischen Doom-Rockern CHURCH OF MISERY begann, konnte ich zwar in der Formation beim MONSTER MAGNET-Konzert im Jahr 2014 nicht mehr erleben, aber dadurch vielleicht die Connection zur japanischen Sängerin Sofie Lee von NIGHT VIPER legen. Bei den hochverehrten HORISONT durfte Tom Sutton auch zwischenzeitlich Akzente setzten (hier zum Bericht von der HORISONT Supportshow von KADAVAR im Jahr 2015), danach bei ORDER OF ISRAFEL und nun eben bei NIGHT VIPER.

Sehr umtriebig der Bursche, der neben der hübschen Schlagzeugerin Joanna und natürlich der zierlichen, aber stimmgewaltigen Sängerin, auch bei NIGHT VIPER optisch am meisten hängenbleibt. Der Australier schaut halt doch anders aus als die beiden schwedischen Bandkollegen an Gitarre und Bass, die in jeder anderen schwedischen Metalband spielen könnten (und es wahrscheinlich auch tun.) Bei all den guten schwedischen Bands wie ENFORCER und Konsorten verliere ich langsam den Überblick.

Welche Spielfreude und welchen Sound NIGHT VIPER bei ihrem Auftritt im KAPU hinlegten, war in der doch kurzen Spielzeit von unter einer Stunde außergewöhnlich. Genau solche Underground-Gigs geben einem die Lust an Live-Konzerten nach über 70 in diesem Jahr besuchten, meist guten, aber oft auch nur durchschnittlichen, Konzerten zurück. Bei einem Eintrittspreis von meist 10€ wird im KAPU „Value for Money“ noch großgeschrieben.


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