08.12.2016, Wiener Stadthalle (Halle D), Wien

FIVE FINGER DEATH PUNCH & IN FLAMES & OF MICE AND MEN

Text: Lora | Fotos: Lora
Veröffentlicht am 13.12.2017

IN FLAMES und FIVE FINGER DEATH PUNCH dachten sich, dass es Zeit für eine Co-Headliner-Tour ist. Eben noch OF MICE & MEN als Support eingepackt und im Nullkommanix waren die großen Hallen ausverkauft. Und eins muss man ihnen lassen: Das war gar keine schlechte Idee...

 

OF MICE & MEN waren für mich persönlich eine Überraschung. Auch wenn sie in den letzten Jahren gut abgeräumt haben, scheint die Herausforderung, Opener für IN FLAMES und FIVE FINGER DEATH PUNCH zu sein, schier zu groß. Aber dass sie auf dieser Tour nicht nur Mäuschen spielen, sondern ihren Mann stehen, bewiesen sie definitiv!

Letztes Jahr verlor die Band ihren Fronter Austin, seitdem springt Bassist Aaron ein. Aber irgendwie fehlte bei dieser Konstellation etwas die Dynamik, die ganze Band wirkte etwas distanziert. Das lag aber auch an ihrer kurzen Spielzeit, die abgesehen von Vollgas geben wenig Raum für alles andere gab. Obwohl sie von Anfang an richtig durchstarteten, wirkte die Performance etwas zögerlich. Aber genau so, wie Pizza ja auch gut wird, wenn man sie direkt in den kalten Ofen schmeißt, ohne vorzuheizen, brachten OF MICE & MEN das Eis zwischen sich und dem Publikum langsam zum Schmelzen. So schafften es die Amerikaner, den Anstandsapplaus nach den ersten Songs im Laufe ihrer doch kurzen Spielzeit zum Ende hin noch enorm zu steigern.

 

 

Am Ende war es dann doch irgendwie schade, die fünf schon nach einer halben Stunde wieder gehen zu lassen. Denn mit ihrem ordentlich druckvollen Sound brachten OF MICE & MEN schon mal ordentlich Schwung in die Kiste. Auch wenn sie damit nicht wie manch anderer Opener das Publikum von Anfang an regelrecht ummähten, zeigten sie eine solide Leistung. Mit harten Riffs, satten Beats und tiefen Screams präsentierten sie sich von ihrer besten Seite.

 

IN FLAMES setzten auf den Vorhang vor dem ersten Song, damit man schon erahnen kann, was gleich auf einen zurollen wird. Doch nach dem Intro hing der Vorhang immer noch an der gleichen Stelle und bewegte sich auch während dem ersten Song „Drained“ keinen Millimeter. Der Vorhang blieb tatsächlich bis zum Ende des ersten Songs – also wenn das mal kein Spannungsaufbau ist!

IN FLAMES sind jetzt seit beachtlichen 27 Jahren unterwegs und hätten demensprechend viel Material im Angebot. Aber wie bringt man 27 Jahre Entwicklung und Erfahrung unter, wenn die Zeit begrenzt ist? Obwohl der Schwerpunkt klar auf den aktuelleren Alben lag, ließen es sich die Schweden nicht nehmen mit ein paar Songs „zumindest“ die letzten 20 Jahre abzudecken. Zwischen den Songs wurde auch nicht lange geplaudert, anstatt zwischendurch ein paar Worte mit dem Publikum zu wechseln, pressten IN FLAMES eine fette Setlist in ihre 75 Minuten. Als dann Anders Fridén tatsächlich zu einem kleinen Plausch ansetze, wurde er direkt vom lauten „Plopp“ eines Bechers unterbrochen, der in hohem Bogen angeflogen kam und direkt neben ihm landete. Fridén blieb gelassen und schickte den Becherwerfer direkt zur Bar, um sich ein volles Bier zu holen.

 

 

Die Leistung ist, vermutlich wie eh und je, genau da wo sie soll: IN FLAMES traten hart, melodiös und kraftvoll auf. Die Stimmung stieg von Song zu Song und langsam kam man ordentlich ins Schwitzen. Da bricht es einem fast das Herz, dass aus dem von Anders Fridén gewünschten Circle Pit mit Christbaum in der Mitte nichts wurde. Wenn jemand keinen Fernseher besitzt und deshalb zum Fernsehschauen zu Media Markt gehen muss, war die Bühnengestaltung von IN FLAMES ideal: Um einen riesigen Owl Boy wurden über die komplette Bühne Bildschirme verteilt, die nicht nur für die Lichtshow eingesetzt wurden, sondern immer wieder mit wirren Grafiken die Songs untermalen. Dazu ein bisschen Nebel, herrlich!

 

 

Insgeheim war ich ja dort, um rauszufinden, was ich jetzt von FIVE FINGER DEATH PUNCH halten soll. Die Trennungen, die Streitereien, Ivan Moodys „Ausstiege“ – es wirkt irgendwie nicht mehr so einladend wie zuvor. Aber um nicht lange drum herum zu reden: Es hat nicht einmal zwei Takte gedauert, der Groove war da und die Halle am Tanzen. Die könnten aber auch einfach „Alle meine Entchen“ spielen und die meisten in der Halle würden es feiern. [Anm. d. Lekt.: DAS würde ich zu gerne sehen!] Erst vor ein paar Tagen hat die Band ein Best-Of-Album veröffentlicht, genau das beschreibt auch die Setlist: Gefüllt mit den Gassenhauern und Evergreens kam keines der bisherigen Alben zu kurz. Und das halt auch ziemlich ungebremst. Die Songs ballerten von der Bühne und trafen ebenso energiegeladen, wie die Amerikaner über die Bühne sprangen. Aber zugleich gab sich die Band so unglaublich zutraulich, dass es fast schon skurril wirkte.

In einer kurzen Pause holte Ivan Moody Fans aus den ersten Reihen auf die Bühne, die sich die rote Hand ins Gesicht gemalt hatten. Und während die Mädels dort vorne ihr Glück kaum fassen konnten, wurde das ganze vom Mädel hinter mir mit einem „Geh fi.. di!“ quittiert. Die Mädels auf der Bühne machten Fotos mit Ivan Moody, er lies sie sogar singen. Zwei Songs später wurde direkt die Nächste auf die Bühne gebeten, um im Dialekt zu übersetzen: Er möchte sich für die letzten Monate entschuldigen, im tue leid, was vorgefallen ist, er verspricht, dass so etwas nicht mehr vorkommt. Direkt im Anschluss folgten ein paar ruhigere akustische Nummern. Einerseits wirkte es, als sei das direkt aus dem melodramatischen Drehbuch einer Seifenoper abgekupfert, andererseits war es einfach zu gut, um es eben nicht gut zu finden.

 

 

Während Chris Kael seinen Cthulhu-Dread-Bart schwang und den Mittelfinger zeigte, schickte Ivan Moody per Handzeichen Herzchen durch die Halle. Durch und durch spielten die Amerikaner mit dem Publikum, permanent flogen Plektren, Flaschen und Handtücher von der Bühne. Auch optisch zeigten FIVE FINGER DEATH PUNCH, dass sie dem Headlinertum würdig sind: Von der Decke hing ein riesiger Totenkopf, in gefühlt jeder Ecke der Halle wurde mit Lasern gearbeitet und Jason Hook spielte Gitarren mit Laser auf dem Korpus. Zum Schluss forderte Ivan Moody bei „The Bleeding“ dazu auf, Handys und Feuerzeuge für ein Lichtermeer auszupacken, was in der ausverkauften Stadthalle wirklich nicht schlecht aussah.

Insgesamt überzeugten FIVE FINGER DEATH PUNCH auf ganzer Linie und rissen das Publikum voll und ganz mit. Still stehen zu bleiben oder nicht mitzusingen war quasi unmöglich. So tanzte und grölte sich die Stadthalle in die Nacht, als Teil der „Bad Company“. Streitereien und Probleme hin oder her - alles, was in diesem Moment zählte, war die Tatsache, dass auf dieser Bühne unglaublich talentierte Leute stehen, die genau wissen, wieso sie dort stehen und was sie dort machen können, um ihre Fans zu begeistern. Und sind wir denn nicht alle manchmal ein bisschen moody?

 

 

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