08.12.2017, Arena, Wien

SÓLSTAFIR & MYRKUR & ÁRSTÍÐIR

Veröffentlicht am 25.01.2018

Während sich in unseren Breitengraden die kalte Jahreszeit erst hinterhältig anschleicht, kennt das ferne Island von September bis Mai gar nichts Anderes. 

Den Auftakt machen das Britische Post-Rock Duo NORDIC GIANTS. Mit ihrer kraftvollen Performance und den spannenden Visuals locken sie die ersten Gäste schon zu Beginn des Abends aus der Reserve. Zwischen Tim-Burton inspirierten Stop-Motion, Anime und Arthouse begleiten wirre Kurzfilme das Instrumental-Geschwurbel, in dem Schlagzeug und Synths dominieren. Das Publikum steht schon auf den Zehenspitzen um ja keine Sekunde des Geschehens auf der Leinwand zu verpassen. Kurzweilig und mit Kunstanspruch.

 

ÁRSTÍÐIR

Ganz ehrlich? Die Isländer ÁRSTÍÐIR wären auf einem Indie-Konzert besser aufgehoben. Der ruhige Rock ist ein bisschen zu relaxed und auch als der SOLSTAFIR-Neo-Schlagzeuger zur Unterstützung antritt, will das Quartett nicht so recht rocken. Will es auch gar nicht. Außer, ja außer beim letzten Song. Da darf man mit der großen Zehe schon ein bisschen den Takt mittreten - dann wars das aber auch schon.

 

MYRKUR

Mit Amalie Brunn alias MYRKUR betritt eine andächtige, integre Figur die Bühne. Ihr Blick gleitet stets über die Köpfe des Publikums hinweg, die Stimme geht noch darüber hinaus. Auch die Dänin MYRKUR hat eine Verbindung zu Island, ihr Pseudonym kommt von der eisigen Insel und heißt so viel wie “Dunkelheit”, und das hört man auch. Naturverbunden und mystisch geht es weiter in den Abend. Der Stil oszilliert zwischen Klassik, Folk und Black Metal, was teilweise ein bisschen viel auf einmal ist. Hat man sich gerade erst an die lieblichen, sanft gehauchten Noten gewöhnt, grölt auch schon wieder die Dunkelheit aus der Kehle der blonden Multi-Instrumentalistin. Bei MYRKUR scheiden sich die Geister. Ohne Frage hat die Komponistin, klassisch Ausgebildete Musikerin und Multiinstrumentalistin ordentlich was drauf. Ich für meinen Teil bin mit dem Dargebotenen etwas überfordert und will mich für den Stilmix nicht so recht erwärmen.

 

SÓLSTAFIR

Als SOLSTAFIR die Bühne betreten wird es ganz ruhig. Beim eigentlich ganz rockigen “Silfur Refur” rührt sich im Publikum genau gar nichts. Klar, der isländische Post-Rock ist jetzt nicht zum dancen gemacht, aber ein bisschen lebhafter hätte ich mir die ganze Sache schon vorgestellt. Aber spätestens bei “Otta” oder “Köld” lockert sich die Stimmung dann doch und die Masse wiegt sich genüsslich im Takt. Masse ist in dem Fall richtig, denn die Arena ist voll bis obenhin.

“Fjara” ist für mich dann der Track, bei dem das Kopfkino gar nicht mehr aufhört. Ohne Schuhe wate ich durchs eisige Wasser an schwarzen Stränden, während die Mitternachtssonne die Umgebung erhellt. Kitschige Realitätsflucht? Nein, wer bei diesen Klängen auf dem Boden bleibt ist selber Schuld.


Wie’s zuvor bei SÓLSTAFIR & MYRKUR & ÁRSTÍÐIR am 30.11. in Salzburg war, lest ihr hier.


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