20.01.2018, ((szene)) Wien, Wien

BATUSHKA & SCHAMMASCH & TREPANERINGSRITUALEN

Text: Lee | Fotos: Björn Franck
Veröffentlicht am 23.01.2018

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Schon mal die Bezeichnung „Noise Artist“ gehört? Falls nicht, dann habt ihr mit TREPANERINGSRITUALEN die gelebte Beschreibung dieses Terminus auf der Bühne gesehen. Wenn man die Plattencover ansieht, ahnt man schon, dass hier nicht nur auf der Musik der Fokus liegt, sondern man ein Gesamtwerk betrachtet, welches aus seinen Einzelteilen bestehend Sinn ergibt – und nur dann. Den Reaktionen im Publikum zufolge konnten manche absolut nichts anfangen mit der sehr Industrial-lastigen Performance – sowohl vom Sound als auch von der Ästhetik – dennoch hat sich der Saal bis zum Ende der Show mehr und mehr gefüllt, was als gutes Zeichen gewertet werden kann.

Es hatte sich ein Gefühl aufgebaut wie in einer Oper, zwischen den Akten wird nicht geklatscht, weil jeder (sei er noch so unempfänglich für das Gebotene) versteht, dass hier ein Stimmungsbogen entsteht, der nicht unterbrochen werden darf. So war es auch in der ((szene)), ohne Zwischenansagen, ohne Tamtam rundherum hat der Solokünstler Thomas Ekelund seine faszinierende, verstörende Musik präsentiert. Zu Beginn noch mit einem Jutesack über dem Kopf, in den minimalistisch gehaltenen Lichteinstellungen und den metallisch-klirrenden Klängen, welche von seinem Gesang akzentuiert wurden, manifestierte sich das Erlebnis dieser Performance. Das Ende kam etwas zu jäh, zu abrupt, der Nachhall wird wohl noch eine Weile zu spüren sein, wie wenn man träumt und die Realität danach wie eine bloße Chimäre scheint, während man noch gefangen ist in den Erinnerungen an die Nacht und im eigenen Kopf.

SCHAMMASCH haben schon viel offensiver und leichter verständlich agiert – schön das Publikum ausräuchern und volles Programm mit den Nebelmaschinen. Weniger subtiler, schleichender Horror wie bei TREPANERINGSRITUALEN zuvor, aber nicht weniger effektiv. Die Schweizer sind bekannt für ihre Show und das mit gutem Recht. Sie kreieren eine dumpfe und zugleich spannungsgeladene Atmosphäre (das passende englische Wort wäre „vibrant“) und zeigen, dass sie ihren Sound spätestens seit „Triangle“ immer wieder verbessert haben. Die „neuen“ SCHAMMASCH zeichnen sich aus durch den tragenden, teils monotonen Gesang, musikalisch sind sie von Anfang an bemerkenswert gewesen. Wenn man sich „Sic Lvceat Lvx“ anhört und direkt im Anschluss beispielsweise ‚Metanoia’ vom „Triangle“ Triple-Album könnte man fast meinen, es wären zwei gänzlich unterschiedliche Bands. Natürlich lassen sich Parallelen finden, aber generell würde ich diese Wandlung als katastrophale Metamorphose bezeichnen (Achtung: katastrophal ist in diesem Fall nicht negativ, Lord Google hilft). Die Live-Show sollte man, wenn nicht schon besucht, auf alle Fälle auf die "Dinge-die-ich-sehen-muss-Liste" setzen – Gänsehaut versprochen!

BATUSHKA sind geheimnisvoll, es spinnen sich unzählige Geschichten um die Band und es ist eine ganz klare Sache, entweder man liebt oder man hasst sie. Die einen meinen, es ist nur Show und wenig dahinter, die anderen feiern BATUSHKA und schätzen jedes Detail. Fakt ist, mit „Litourgiya“ haben sie ein Album hingeklotzt das eine Menge positiver Reaktionen hervorgerufen hat. Dieses Album nun live on stage zu erleben ist schon irgendwie besonders – besonders ist auch die Aufmachung der Band, das Prozedere der Performance. Schon in der Umbaupause beginnt sich die Bühne mit Kerzenständern, Totenschädeln und Räucherwerk zu füllen. BATUSHKA feiern mit ihrem Publikum eine etwas dunklere Art der Messe – inklusive Beräucherung und sakral anmutendem Gesang. Die gesichtslosen Bandmember bewegen sich wenig, Herumgehüpfe stört die Feierlichkeit. Dass das Publikum gar nicht mehr so feierlich am Abschädeln war, stört nicht – im Gegenteil, jeder erlebt die Musik irgendwie anders: die einen schrauben sich den Schädel ab, die anderen stehen da mit geschlossenen Augen und lassen die Musik einfach so wirken. Schön zu beobachten wie unterschiedlich berührt und doch gleichermaßen bewegt die Menge war.


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