20.01.2018, Café & Bar Weinmüller, Siegsdorf

HOMELESS KINGS & SILENT REVENGE

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 24.01.2018

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Kennt ihr das, wenn sich ein Abend so komplett verselbständigt, weil einfach alles passt und die Stimmung so richtig überkocht? Und überhaupt, darf man als Musikkritiker eigentlich auch einmal gnadenlos subjektiv werden und eine Lobeshymne auf eine noch weitestgehend unbekannte Band verfassen? Man darf! Man schert sich einfach nichts, weil man es schlichtweg kann! Und weil sich Spontanaktionen, wie die kurzfristige Entscheidung mal eben über die Grenze nach Siegsdorf in Bayern zu fahren, um ein paar Freunde wiederzusehen, manchmal als die besten Entscheidungen herausstellen, die man nur treffen kann.
 


SILENT REVENGE
 

Dabei war zum Auftakt noch nicht ersichtlich, dass der Abend in der Cafe-Bar Weinmüller derart ausarten würde, dass sich selbst ein kleiner Stormbringer-Schreiberling, entgegen aller üblicher Verhaltensweisen, mitten ins Mosh-Getümmel werfen sollte. Einen nicht unerheblichen Anteil an den Vorkommnissen hatten SILENT REVENGE, die das Publikum als Anheizer auf Betriebstemperatur brachten. War das, was man von den bisher vorhandenen Demos der dreiköpfigen Deutschpunk-Band aus dem Chiemgau (inzwischen mit zweitem Gitarristen zu einem Vierer angewachsen) hören könnte noch nicht viel versprechend, kristallisierte sich der geradlinige, knackige Punk live als deutlich hörbarer heraus. Einwandfrei gezockt, mit starkem Live-Sound (mehr als respektabel für eine so kleine Location mit Wohnzimmercharakter!) machten SILENT REVENGE ordentlich Laune. Klar, der Gesang war streckenweise schon ein wenig schief, aber das gehört für den räudigen Punk-Sound auch dazu und dass der Schlagzeuger auch noch gleichzeitig Leadsänger ist, nötigt in so einem schweißtreibenden Genre Respekt ab. Dass die vier alles richtig machten, konnte man an den euphorischen Reaktionen des Publikums sehen, das bereits ordentlich das Tanzbein schwang und lauten Applaus spendete.
 


 

An den Fenstern der Bar begann es indes schon zu beschlagen, als die HOMELESS KINGS die Bühne enterten. Wohl aus diesem Grund wurde das Set auch geteilt, um Musiker und Besuchern mit einer viertelstündigen Pause zwischendurch ein wenig frische Luft zu gönnen. Der bayrisch-salzburgische Vierer warf an diesem Abend alles in den Ring, was vorhanden war – das komplette Debüt „Broken Queen“ wurde in voller Länge in das erkleckliche Häufchen Besucher gepfeffert, dazu gab es noch zwei brandneue Titel und auch die Cover-Keule wurde in Form von TWISTED SISTERs Kulthymne „We're Not Gonna Take It“ und THE RAMONES Partykracher „Blitzkrieg Bop“ geschwungen. Gut, die Whiskey-Voice von Sänger Dominik hörte man schon einmal in besserer Form, aber aufgrund der derzeit grassierenden Grippewelle war der etwas schiefe Gesang entschuldigt und auch ein etwas vergeigtes Solo von Gitarrist Andi fiel niemandem negativ auf. Das wars aber auch schon mit den negativen Aspekten, abgesehen davon präsentierten sich die HOMELESS KINGS nämlich so stark wie nie – und die Zuschauer dankten es damit, dass sie komplett steil gingen.
 


 

Stellt euch also vor: Eine kleine Bar, mit einer noch kleineren, durch ein Geländer abgetrennten Bühne auf der sich die Musiker, umringt von Equipment, quasi nicht bewegen können und vor selbiger und dem Publikum gerade genügend Platz, dass man noch von links nach rechts gehen kann. Und die Zuseher, eine geschätzte Hundertschaft an Leuten, die gerade die härteste Party des noch jungen Jahres feiern. Textfest war zwar nicht jeder, doch das machten die textsicheren Leute, die in maximaler Lautstärke mitgrölten, locker wett. Schlag auf Schlag prasselten die schmissig-flotten Ohrwürmer auf die Zuseher ein und durch das Zusammenspiel schaukelten sich Musiker und Publikum gegenseitig zu Höchstleistungen hoch. Speziell im zweiten Teil der Show ging es so richtig ab, selbst der Chef des Hauses stürzte sich höchstpersönlich in den Moshpit. Zu den prädestinierten Mitsingstücken „Fly“ und dem Abschlusstitel „How Should We Have Known“ fielen dann die letzten Schranken, die HOMELESS KINGS gaben noch einmal alles, Sänger Dominik setzte zum Stagedive an und wurde von der abdrehenden Meute auf Händen durch die Bar getragen und selbst der kleine Schreiberling parkte die Kamera unterm Drumkit von Schlagzeuger und Stormbringer-Jänner-Model Erich und tauchte kopfüber ins Getümmel. Im Verlaufe der Schlussszenerie wurde die Band vom grölenden Publikum dazu genötigt, den Refrain von „How Should We Have Known“ noch gefühlte zehn Minuten lang in Dauerschleife durchzunudeln, bis auch der letzte verschwitzt und mit blutig geschriener Kehle aufgab.
 


 

Das wars. Mehr geht nicht. Genau SO soll ein Konzert sein, vielleicht nicht immer technisch perfekt, aber mit einer Stimmung die seinesgleichen sucht! An dieser Stelle ein großes Kompliment an die HOMELESS KINGS und ihren Support SILENT REVENGE, die es geschafft haben, dem Berichterstatter nicht nur ein breites Grinsen bis über beide Ohren ins Gesicht zu tackern, sondern ihn auch so eskalieren ließen wie schon seit Jahren nicht mehr.

Und das, liebe Leser, ist der Grund, warum wir euch immer wieder predigen, doch auch den kleinen Bands eine Chance zu geben – denn die Chance, dass sich genau auf solchen kleinen Events die Stimmung verselbständigt und in einem Abriss mündet, mit dem es keine riesige Halle aufnehmen kann, ist sehr hoch. Und dann geht es euch auf einmal genauso wie dem keinen Schreiberling und ihr steht irgendwo in einem Mini-Club mit breitem Grinsen und denkt euch einfach nur „WTF ist da gerade abgegangen?!“


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