06.02.2018, Zenith, München

STEEL PANTHER & FOZZY

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 10.02.2018

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Einmal muss man sie ja gesehen haben. Das gilt für viele Bands, aber für STEEL PANTHER ganz besonders. Die einen hassen sie ob ihres überzogen klischeehaften Gehabes, die anderen lieben sie genau für diesen beständigen Niveaulimbo abgöttisch. Nachdem das letzte Album „Lower The Bar“  (der Name ist Programm!) nicht so wirklich zünden wollte, beschloss man dem Ganzen zumindest Live noch eine Chance zu geben. Dass gar nicht so wenige Leute ähnlich dachten und ob der noch vorhandenen Qualität unschlüssig waren, das zeigte sich bereits an den Besucherzahlen: Kaum 2.000 Besucher trieb es in das für deutlich mehr Besucher ausgelegte Zenith in München – die Show einige Tage später in Stuttgart musste sogar in eine kleinere Halle (von der Porsche Arena ins LKA Longhorn) verlegt werden.



FOZZY - Haltungsnote 1A
 

Dank frostigen Temperaturen und langer Einlassschlange draußen und ebenfalls nicht gerade herzerwärmendem Thermometerstand im Innenraum wollte die Stimmung anfangs nicht so recht in Schwung kommen, als Christopher Keith Irvine und seine FOZZY über die Bühne fegten. Christopher wer? Kennt man den? Aber klar doch, liebe Kinder des Millenniums, unter „Chris Jericho“ habt ihr bestimmt schon einmal von ihm gehört, nicht wahr? Und selbst wer mit Wrestling nur wenig am Hut hat, wird sich an den blondgelockten Kraftprotz noch rudimentär erinnern können. Nun, die Falten sind zwischenzeitlich zwar etwas mehr geworden und die Statur um die Leibesmitte etwas breiter, doch die dicken Muskelpakete beweisen, dass der Herr noch immer ziemlich fit ist und sich so mancher in punkto Körperbeherrschung noch eine Scheibe von ihm abschneiden könnte. Wie ein Derwisch fegte Jericho über die Bühne, mit sichtlichem Spaß an der Sache, während seine Mitmusiker einen Posingexzess par excellence ablieferten.

In Sachen Performance macht dem Wrestler so schnell keiner etwas vor, auch wenn die Show am heutigen Tag dank der noch immer reichlich frostigen Atmosphäre nicht so wirklich auf fruchtbaren Boden fallen wollte. Zwar waren immer wieder „Fozzy, Fozzy!“-Sprechchöre zu hören, doch mitgehen wollten die Zuseher zu den schmissigen Hardrock-Hymnen nicht so recht. Dabei zogen FOZZY wirklich alle Register und sollten sich im weiteren Verlaufe des Abends als deutlich unterhaltsamer als der eigentliche Headliner herausstellen. Ok, die Coverversion von ABBA's „SOS“ war dann doch fast schon einen Tick zu kitschig, und auch über das mit LED-Streifen besetzte, blinkende Jackett müssen wir noch einmal reden – doch eigentlich... scheiß drauf. Chris Jericho und FOZZY sind durch und durch Vollprofis was Entertainment angeht, die dürfen das! Bezugnehmend darauf, was Jericho in seiner Wrestlingkarriere schon an modischen Unfällen spazieren führte, nimmt sich so ein Blinkejackett auch nicht viel mehr ungewöhnlich aus, und den Rockstar nimmt man dem Herrn mit der breiten Brust und dem sympathischen Grinsen sowieso ab – mit oder ohne Geblinke.

Setlist: (ohne Gewähr!)

  • Judas
  • Drinkin With Jesus
  • Sin And Bones
  • Painless
  • SOS (ABBA Cover)
  • Spider In My Mouth
  • Bad Tattoo
  • Sandpaper

 


Dicke Eier: STEEL PANTHER


In den vorderen Reihen wurden die teils natürlichen, teils Silikongefüllten Vorbauten diverser Damen unterschiedlicher Größen und Formen zurechtgerückt und das ein oder andere hysterische Kreischen war zu hören – keine Frage, es konnte sich nur um den Auftakt zu STEEL PANTHER handeln. Entsprechend euphorisch auch die anfänglichen Reaktionen, als die quietschbunte Truppe auf die Bühne gestürmt kam und mit „Eyes Of A Panther“ loslegte. Frisuren und Posing saßen punktgenau, die Performance fehlerfrei, überdreht und over the top bis in galaktische Ausmaße – es war zu erahnen, warum es STEEL PANTHER mit ihrer unverhohlenen, bis zur Groteske verzerrten sexistischen Glamrock-Parodie zu solcher Popularität geschafft hatten. Im Verein mit schmissigen Hymnen ergibt sich so ein Paket des wunderbar grenzdebilen Humors weit jenseits der Gürtellinie, welches selbst nach ein paar dutzend Bier noch zweifelsfrei zu verstehen und abzufeiern ist [...seit wann trinkst du Bier im Dutzend? Anm.d.Korr.].

Doch die Stärken von STEEL PANTHER stellten sich an diesem Abend auch gleichzeitig als die größten Schwächen heraus: Denn selbst der beste Gag ist, inflationär verwendet, früher oder später (Achtung, der kommt jetzt flach:) ausgelutscht. Mehrmalige Wiederholung, um den Gag schlussendlich doch noch durchzubringen, hilft dem Ganzen dann auch nicht mehr weiter und führt das ganze Konzept schlussendlich ad absurdum: Anstatt aufzuregen, zu polarisieren, fängt das über die Fortdauer der Show reichlich zahnlos agierende Stahlkätzchen an, zu langweilen. Ein Schwanz hier, ein Schwanz dort, mal klein, mal groß, mal hart, mal schlaff, philosophisches Muschilecken und Ausschweifungen über Blowjobs – zwei oder drei Party-Songs mehr und eine Viertelstunde Gelaber weniger hätten der Show sicher gutgetan. Klar, die Gogo-Tänzchen williger Besucherinnen zu „Asian Hooker“ und die unvermeidliche Fleischbeschau zu „17 Girls In A Row“ gehören irgendwie dazu, aber fast vollständig auf die Reize der Besucherinnen reduziert, lockt das höchstens noch den dauer-untervögelten, notgeilen Staplerfahrer (kann durch beliebige andere Berufsbezeichnung ersetzt werden) von nebenan hinterm Ofen hervor.

Ja, wir hier beim Stormbringer sind auch keine Kinder von Traurigkeit, wie die oft bis zum Erbrechen ausgewalzten sexuellen Anspielungen, sowie Geschichten von Redaktionsdominas, Petplay, Gruppensexorgien und diverser Pfuigaxi-Abhandlungen zu einschlägigen Porngrind-Veröffentlichungen beweisen - dagegen fühlen sich STEEL PANTHER an, wie wenn man in der Schule die barbusige Schönheit auf Seite Sieben einer kleinformatigen österreichischen Tageszeitung ausgeschnitten hat, um sich damit heimlich auf der Schultoilette einen runterzuholen. Irgendwie ist die ganze Chose in Zeiten sexueller Enttabuisierung (Hausfrauenporno in Grauschattierungen lässt grüßen) in seiner beinahe unschuldig naiven Stupidität fast schon wieder niedlich.

Aber jetzt mal ehrlich Mädels: In Zeiten einer #metoo-Bewegung, für die schon eine dumme Anspielung oder ein schiefer Blick für ein mittelschweres lebenserschwerendes Trauma verantwortlich ist, ist das, was ihr da auf der Bühne in bierseliger Laune so abzieht schon auch ein bisserl schizophren, oder? Da wird zum Beispiel das Gemälde „Hylas und die Nymphen“ von John William Waterhouse, entstanden 1896, in der Manchester Art Gallery abgehängt, um Diskussionen darüber auszulösen, wie zeitgemäß das passiv-dekorative Frauenbild heute noch ist, es werden Ausstellungen mit ästhetischen Werken alter und neuerer Künstler verschoben oder zensiert, um der neu entdeckten political correctness hinsichtlich der fragwürdig-freizügigen Darstellung weiblicher Körper nachzukommen – gleichzeitig darf man nun dutzende, teils gerade mal im Selbstbestimmungsalter angekommene junge Damen dabei beobachten, wie sie sich augenscheinlich geschmeichelt zum optischen Aufputz degradieren lassen und mit wippenden Brüsten ebenjenes passiv-dekorative Frauenbild, dessen Bekämpfung gerade so in Mode ist, nach Kräften bedienen.

Ach ja, und irgendwo in der ganzen Sex-Titten-Schwänze-Blowjob-Orgie fand auch noch ein Konzert statt und es wurden schätzungsweise ein dutzend Songs gespielt. Das war dann aber, sind wir mal ehrlich, doch eher Nebensache in dem ganzen quietschbunten Klimbim. Es bleibt die Erkenntnis: Selbst wenn es nicht der beste Auftritt von FOZZY war, hatte er dennoch mehr Gehalt als jener von STEEL PANTHER. Image ist eben doch nicht alles.


Setlist: (Ohne Gewähr!)

  • Eyes Of A Panther
  • Goin' In The Backdoor
  • Asian Hooker
  • Tomorrow Night
  • Wasted Too Much Time
  • Poontang Boomerang
  • That's When You Came In
  • Weenie Ride
  • 17 Girls in a Row
  • Gloryhole
  • Death To All but Metal
  • Community Property
  • Party All Day (Fuck All Night)

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