15.02.2018, ((szene)) Wien, Wien

ROTTING CHRIST & CARACH ANGREN & SVART CROWN

Text: Lee | Fotos: Björn Franck
Veröffentlicht am 19.02.2018

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Die Franzosen von SVART CROWN schlagen in die gleiche Kerbe wie so manch französischer Filmemacher – siehe Luc Besson: eine nicht ganz einfach nachvollziehbare unterschwellige Zerrissenheit wohnt in ihrer Musik. Ebenso wie Luc Bessons Filme stets alternierende Erzählstränge und überraschende Wendungen beinhalten, ist SVART CROWN äußerst wechselhaft. Bei der Live-Performance kommt das zum Tragen, es ist wie ein kleiner Splitter, der im Finger steckt: es tut nicht wirklich weh, aber manchmal bei falschen Berührungen erinnert man sich an seine Existenz und weiß, dass irgendwas nicht ganz stimmt. So ähnlich ist es bei SVART CROWN, wenn die (gefühlten) Dissonanzen sich aufbauen und bis zum Punkt eskalieren, an dem man sich leicht unwohl fühlt, nur damit sie sich dann wieder in Wohlgefallen auflösen und man fasziniert grinsend nicht anders kann, als sich mit dem Rhythmus zu bewegen. Leichte Kost sind sie weder auf Platte noch auf der Bühne, so viel ist klar – aber auch in der ((szene)) fanden sich genügend Leute, die das zu schätzen wissen. In einem Review zu „Abreaction“ (2017) fand sich als Beschreibung von SVART CROWN und deren neuestem Album das Wort „unbequem“ – und genau das ist es, die Musik ist unbequem, aber auf eine wundervolle Art und Weise. Sollte man gesehen haben und wer sich traut, diesen dunklen Zauber ins eigene Haus zu holen, der sollte sich auch unbedingt eine der Platten zulegen.

CARACH ANGREN lieferten im Anschluss das volle Kontrastprogramm: wo SVART CROWN auf die Musik fokussiert gewesen waren und auf viel Brimborium in puncto Show verzichtet hatten, legten die niederländischen CARACH ANGREN eine ordentliche Performance aufs Parkett. Mit perfekt abgestimmter Lichtshow, hübschen Bühnenoutfits und netten Effekten, wie dem Eigenleben des Keyboards, überzeugten sie in diesen Aspekten absolut: manche Bands passen auf die Bühne wie die Faust aufs Auge. Die Musik hingegen ist wieder ein anderes Thema, da machen CARACH ANGREN es einem nicht unbedingt leicht. Vergleichbar sind sie mit SEPTICFLESH, wobei sie viel weniger leicht verdaulich sind. Das ist nicht jedermanns Geschmack und wenn man auf diesen Flow nicht voll einsteigen kann, dann ist es verlorene Liebesmüh. Da ist so mancher besser an der Bar aufgehoben, während die Band äußerst professionell ihr Ding abzieht. Also summa summarum, long story short: Showtechnisch kann man sich CARACH ANGREN durchaus gönnen, die Musik ist halt nicht für jeden.

ROTTING CHRIST waren das Sahnehäubchen des Abends – und ungeduldig erwartet, der gesamte Saal war gut gefüllt und sobald die Herren die Bühne betraten, gab es schon mal vorsorglich Gejubel. Warum ROTTING CHRIST in Wien keine größeren Hallen füllen, ist nach wie vor ein ungelöstes Rätsel, in anderen Städten und Ländern bespielen sie viel größere Locations – ein Mysterium. Abgesehen davon haben sie mal wieder den anwesenden Zuhörern eine Show vom Feinsten geliefert – musikalisch sind sie sowieso über jede Kritik erhaben. Gründungsjahr der Band 1987 – unfassbar eigentlich. Man merkte auch bei dem Auftritt in jeder Minute, dass bei den Musikern nicht nur technisch, sondern auch von der Bühnenerfahrung her eine gewaltige Kraft dahinter steht.

Setlist (ohne Gewähr):

  • Devadevam
  • Kata Ton Daimona Eaytoy
  • Demonon Vrosis
  • Elthe Kyrie
  • Apage Satana
  • The Sign Of Evil Existence
  • Transform All Suffering Into Plagues
  • The Forest Of N’Gai
  • Societas Satanas
  • In Yumen Xibalba
  • Grandis Spiritus Diavolos
  • 666
  • Non Serviam

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