06.03.2018, Rockhouse, Salzburg

KORPIKLAANI & HEIDEVOLK & TROLLFEST

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 09.03.2018

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Folk Metal in Salzburg! Ob das wohl funktioniert? Und wie! Selbst an einem Wochentag und bei extrem frühem Showbeginn (18:00h!) konnte man sich über einen proppenvollen Rockhouse-Saal freuen! Die Popularität des Genres, die die an diesem Abend in Salzburg gastierenden KORPIKLAANI mit begründet hatten, scheint weiterhin ungebrochen zu sein.
 

Aufgrund des extrem frühen Beginns (auf Wunsch des Managements von KORPIKLAANI) mussten TROLLFEST zunächst noch mit eher spärlichem Publikum vorlieb nehmen. Das gelebte Chaos auf der Bühne kam beim Publikum aber gut an, auch wenn sich die große Begeisterung ob der frühen Stunde noch nicht so recht einstellen wollte. Quietschbunte Lichtshow, Luftballons an Musikern und Instrumenten und generell heilloses, aber frohsinniges Durcheinander auf der Bühne: Für all das stehen TROLLFEST. Wenn man einfach einmal gepflegt den Anspruch über Bord schmeißt und sich von starken Musikern mit Händchen fürs Entertainment in ein überdrehtes Universum der Verrücktheit ziehen lässt, dann hat man mit der norwegischen Chaostruppe tatsächlich sehr viel Spaß! So viel Spaß wie die dutzenden Besucher, die sich bereitwillig in die vom Bassisten (später auch noch als todesmutiger Crowdsurfer gesichtet – während des Spielens selbstverständlich!) angeführte Polonaise reihten und die Halle in eine amtliche Partyzone verwandelten. Wenn die arg frühe Spielzeit nicht gewesen wäre, hätten TROLLFEST für ihre starke Vorstellung auch die Menge an Publikum gehabt, die sie verdient hätten...

Setlist (ohne Gewähr!)

  • Professor Otto
  • Brakebein
  • Toxic (Britney Spears cover)
  • Brumlebassen
  • Steel Sarah
  • Kaptein Kaos
  • Die Grosse Echsen
  • Renkespill
  • Solskinnsmedisin
  • What a Good Idea!
  • Helvetes Hunden GARM


Im Anschluss bei HEIDEVOLK sah es dann schon bedeutend voller in der Halle aus und die Stimmung war auch vom Fleck weg am Kochen. Fliegende Haare ringsum, empor gereckte Bierbecher en Masse und der ein oder andere schon ordentlich wilde Moshpit tobte auch schon durch die überraschend gut gefüllte Halle (Hej Salzburg, wo kommen all die Leute her? Ihr dürft gerne öfter kommen...). Für den Berichterstatter erwiesen sich die Niederländer als große Überraschung – aufgrund des Überdrusses der mittelklassigen Folk/Pagan-Schwemme hatte er bis dato immer einen Bogen um allzu augenscheinlich aus diesem Genre kommende Kapellen gemacht, was sich an diesem Abend als schwerer Fehler herausstellte. Denn HEIDEVOLK lieferten feinsten, melodischen Schwermetall, zwar mit einem Portiönchen Paganistischem Klischee, doch fernab von grölender, windschief vorgetragener Sauf-und-Schunkel-Plattitüde anderer Szenebekannter Gruppen. Vor allem das Zusammenspiel der beiden Sänger wusste live auf voller Länge zu überzeugen, während sich so mancher Song schnell ins Ohr zu wurmen wusste. Die zu großen Teilen ziemlich textfesten Zuschauer (und das bei fast ausschließlich Songs in holländischer Sprache!) sahen das ähnlich und deckten HEIDEVOLK mit lautem Jubel und hartnäckigen Rufen nach einer Zugabe ein – die sie dann auch bekamen. Chapeau, HEIDEVOLK – ihr habt gerade wieder jemandem den Glauben zurückgegeben, dass es im Folk/Pagan-Bereich auch noch wirklich hochklassige Bands gibt!

Setlist (ohne Gewähr!)

  • Ontwaakt
  • Ostara
  • Een Wolf in Mijn Hart
  • Wapenbroeders
  • Nehalennia
  • Yngwaz' Zonen
  • Britannia
  • Tiwaz
  • Saksenland
  • Drankgelag
  • Gungnir
  • Vulgaris Magistralis


Als Höhepunkt des Abends wurden dann die finnischen Altmeister von KORPIKLAANI auf den gut gefüllten Rockhouse-Saal losgelassen. Die erwähnte Schwemme an Bands, beziehungsweise die Popularität des Genres haben KORPIKLAANI mit ihrem Humppa-Metal ja mit losgetreten – und dass der Stoff auch heute, nach fünfzehn Jahren und bald zehn Alben, noch immer blendend funktioniert, das zeigte sich an diesem Abend in Salzburg wieder einmal. Wobei deutlich zu ersehen war dass das Publikum zu den älteren Songs wie „Wooden Pints“, „Cottages And Saunas“ oder „Kädet Siipinä“ am heftigsten abging, während die Textsicherheit bei den neueren Titeln (der letzte Output „Noita“ ist inzwischen auch schon wieder drei Jahre her...) bei manchen doch noch zu wünschen übrig ließ. Doch eigentlich war es egal, ob man die überwiegend finnischen Texte nun fehlerfrei mitgrölen konnte oder nicht – denn auch auf der Bühne wurde nicht jeder Ton so ganz sattelfest getroffen. Jonne war noch nie ein guter Sänger und wird es vermutlich in diesem Leben auch nicht mehr werden – aber wenn man solche Selbstläufer-Songs hat wie KORPIKLAANI, dann braucht es auch keine göttlichen Gesangesgaben, denn das auch Hochtouren laufende Publikum übertönt die Darbietung locker. Vor allem wenn der Alkohol in all seinen Daseinsformen besungen wird „Beer, Beer“, „Vodka“, „Tequila“, herrscht beste und vor allem lautstarke Stimmung. Einerseits ist es schade, dass KORPIKLAANI beinahe nur auf ihre Saufsongs reduziert werden, doch andererseits ist dieses Phänomen aufgrund der (zumindest in der Vergangenheit) öfter mal in den Vordergrund getretenen Alkoholzuneigung der Finnen nicht weiter verwunderlich. Dennoch muss man der Truppe Respekt dafür zollen dass sie, trotzdem die Jahre an einigen Bandmitgliedern nicht gerade spurlos vorbeigegangen sind, noch immer ein derartiges Feuer der Begeisterung bei den Zusehern zu entfachen wissen. Ja, man muss KORPIKLAANI vielleicht nicht (im Falle des kleinen Schreiberlings, nicht mehr) mögen, doch der Erfolg gibt ihnen recht. Ein fast volles Rockhouse mit wildesten Moshpits und reihum grinsenden Besuchern kann nicht irren. Applaus!

Setlist (ohne Gewähr!)

  • Happy Little Boozer
  • Pilli on pajusta tehty
  • Tuonelan tuvilla
  • Wooden Pints
  • Lempo
  • Ruumiinmultaa
  • Petoeläimen kuola
  • Vaarinpolkka
  • A Man With a Plan
  • Metsamies
  • Cottages and Saunas
  • Rauta
  • Henkseli Poika
  • Juodaan viinaa
  • Hunting Song
  • Sahti
  • Tequila
  • Beer Beer
  • Vodka
  • Crows Bring the Spring

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