16.03.2018, WUK - Werkstätten- und Kulturhaus, Wien

IAMX

Veröffentlicht am 19.03.2018

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IAMX-Konzerte sind etwas Einzigartiges und werden sehnsüchtig von einer großen Fanschar erwartet, was das längst ausverkaufte WUK bewies. War ich in der Wiener Arena sicher schon über 100 Mal, darf sich das WUK von mir fast noch jungfräulich berührt fühlen. Für den heutigen Rahmen waren die Räumlichkeiten hier ideal. Lediglich der Bühnenaufbau beim letzten Arena- und auch Posthofkonzert der „Metanoia-Tour“ war durch insgesamt vier Visualleinwände beeindruckender. Dafür war die Stimmung im WUK aber grandios.

Das IAMX Publikum ist immer interessant zu beobachten. Einige extra aufwändig gestylte Geschöpfe waren zwar auch diesmal zu erblicken, aber überwiegend viele „Normalos“ in ihren 30ern dürfen sich anscheinend auch auf einem IAMX Konzert wohl fühlen. Als die Schlange vor der Garderobe und vor der Bar langsam kürzer wurde, betraten um ca. 20:15 Chris Corner mit Federhut, seine zwei Frontfrauen und sein Schlagzeuger die Bühne.

Der Titeltrack des neuen Albums „Alive In A New Light“ könnte als Opener nicht besser gewählt sein, fängt es die Gefühlswelt des Protagonisten wohl am besten ein, der es durch eine schwere Zeit der Depression geschafft hat und somit seine Hoffnung nicht nur selbst, sondern für viele im Publikum ausstrahlt. Die Verbindung zwischen Publikum und Künstler ist wohl eine der größten Stärken von IAMX. Das Konzert ist nicht einfach nur eine große Party, sondern hat fast etwas von einer Zeremonie. Hier wird die Performance zur Kunst erhoben. Alltagssorgen werden ausgeblendet und Ketten gesprengt, wodurch man den nächsten Titel „Break The Chain“ wortwörtlich nehmen kann. Die Songtexte sind persönlich, berührend und mit einer solchen Inbrunst und engelsgleichen Stimme gesungen, dass alle Anwesenden ehrfurchtgebietend an Chris Corners Lippen hängen.

Mit „I Come With Knives“ wurde nun danach ein Partykracher rausgehauen, der schon bei den letzten Konzerten das Publikum steil gehen ließ. Kein Wunder bei dem einprägsamen deutschen Text „Kinder und Sterne küssen und verlieren sich…“ und fetten Electronicbeats, zu dem Chris Corner, wie noch öfters am Abend, einen Spiegel ins Stroboskop-Licht hielt, um die Crowd zu blenden.

Beim Track „Happiness“, vom vorletzten Geniestreich „Metanoia“ verfiel die Anhängerschar in einen regelrechten Trancezustand. Die passenden Visuals von unheimlich grinsenden Gesichtern unterstützen diese Stimmung noch zusätzlich. „Stardust“ folgte als eines der Highlights des neuen Albums. Die Steigerung im Refrain mit den Zeilen” “Beauty, violence, War is within us, We'll be silenced, Tomorrow we're gonna be stardust” ist wie so oft bei IAMX grandios. Assoziationen zu David Bowies Kunstfigur Ziggy Stardust werden nicht nur geweckt, sondern von Chris Corner ins Hier und Jetzt transportiert.

Sehr viel neue Stücke wie „Stalker“, „Exit“ und „Body Politics“ wurden an diesem Abend gespielt, die zwar die elektrisierende Stimmung im Publikum nicht verebben ließen, aber mehr zum andächtigen Zuhören und Zusehen, als zum Abgehen aufforderten. Ein weiterer Höhepunkt war sicher das grandiose „North Star“, das mit seinem fast an „Knight Rider“ erinnernden Elektrosound für kollektives Abtanzen sorgte. Vielleicht eines der künstlerisch besten Musikvideos der Musikgeschichte wurde im Hintergrund auf einer für diese Zwecke eigentlich zu kleinen Leinwand projiziert. „No Maker Made Me“ zeigte danach nochmal wie gut das Vorgängeralbum „Metanoia“ eigentlich war.

Zum Finale wurde es nun endlich Zeit für Klassikermaterial vom Durchbruchswerk „The Alternative“, mit dem emotionalen „Spit Out“ mit den berührenden Textzeilen: „'cause it breaks my heart, That we live this way, I know people need love,…“. Generell war an diesem Abend viel Liebe zu spüren. Liebe und Energie, was wohl auch die Leute immer wieder zu IAMX Konzerte kommen lässt. Als vermeintlich letzter Track wurde dann auch schon „Your Joy Is My Low“ dargeboten, was den ersten Songreigen schon einmal gelungen beendete.

Natürlich kam danach noch ein Zugabetriple mit „The Alternative“, dem Überhit „Kiss + Swallow“ und zum Ausklang das epische „The Power And The Glory“. Viel zu schnell ging das Konzert vorüber, aber zumindest stimmte als zweite Zugabe „This Will Make You Love Again“ versöhnlich und brachte die zentrale Botschaft von Chris Corner nochmal an. IAMX, gerne immer wieder!


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