17.3.2018, Großer Rathaussaal, Telfs

BLACK LABEL SOCIETY & MONOLORD

Text: Doris Gapp | Fotos: Tina Burgstaller
Veröffentlicht am 21.03.2018

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Das Erscheinen des Albums „Grimmest Hits“ liegt erst 2 Monate zurück, aber seit Ende 2017 folgt die BLACK LABEL SOCIETY einem prall gefüllten Tourplan. Dieser hat nur einen einzigen Stopp in Österreich vorgesehen – und siehe da, er fand im schönen Land Tirol statt, in der kleinen Oberländer Marktgemeinde Telfs. Dort sorgt ein aktiver Kulturverein namens „Telfs lebt“ dafür, dass auch abseits von Innsbruck, Wörgl und Kufstein ein paar härtere Gitarrenriffs durchs Inntal ziehen. Und die Mühen waren nicht umsonst – der Rathaussaal war ausverkauft, 1200 Konzertbesucher hatten sich eingefunden, um sich eine ordentliche Dröhnung erdig-rockiger Gitarrenriffs mit einer geballten Ladung Testosteron durch Zakk Wylde und Co. zu geben.

Doch alles der Reihe nach: Erst einmal machte die schwedische Band MONOLORD kurz nach 20 Uhr den Anfang. Der Bühnenaufbau mit den Verstärkern und Lautsprechern von Orange (mit original orangem Vinylbezug) erinnerte stark an die Siebziger, ebenso das Outfit von Gitarristen und Sänger Thomas V. Jäger mit Fransenhemd und Schnauzer. Ansonsten erinnert aber außer ein paar Elementen des Psychedelic Rock nichts mehr an die Siebziger beim Sound von MONOLORD. Genremäßig finden sich die drei Schweden aus Göteborg im Stoner/Doom Metal wieder. Genretypischer Bass-Sound, sowie das ostinate Wiederholen eines Gitarrenriffs, während über allem die teilweise fast entrückte Stimme von Frontmann Thomas V. Jäger schwebte, sorgten von Anfang an für Kopfnicken und Fußwippen beim Publikum. Da die Songs, welche auf dem 2017 erschienen Album „Rust“ zu finden sind, eine Spieldauer von mindestens 6 Minuten aufweisen, ist Zeit genug, um teilweise fast in einen tranceartigen Zustand zu verfallen, obgleich die Kulisse von Bass und Schlagzeug durchwegs als sehr schwer, um nicht zu sagen, brachial bezeichnet werden kann.

 

 

Nach rund 45 Minuten fand der Auftritt von MONOLORD ein etwas abruptes Ende, Zugabe gab es keine mehr. Während man von der psychedelischen Reise langsam wieder zurückkehrte in den gut gefüllten Rathaussaal, wurde die Bühne mit einem Vorhang mit dem Logo der BLACK LABEL SOCIETY verhängt, und eine längere Umbaupause nahm ihren Lauf. Nach einem frischen Bier und ein wenig Small Talk wäre die Mehrheit der Fans eigentlich bereit gewesen für den Auftritt der BLACK LABEL SOCIETY, aber es hieß sich gedulden. Und dann, Halleluja! Als die ersten Besucher mit Pfeifen schon ihren Unmut kundtaten, fiel endlich der Vorhang. Die Orange-Verstärker waren einer Wand aus Marshall-Boxen gewichen, der Mikroständer mit einem Kruzifix und Totenschädeln verziert, und schließlich erschien ER – Zakk Wylde, mit dunklem Vollbart, blondierter langer Mähne, XXL-Lederarmbändern, Bikerstiefeln und äußerst durchtrainierten Oberarmen. Als weitere Bandmitglieder sind Rhythmusgitarrist Dario Lorina, Drummer Jeff Fabb und Bassist John DeServio zu nennen.

Von Anfang an hatte der charismatische Frontmann, der immer wieder in einem Atemzug mit Ozzy Osbourne genannt wird (warum nur?), das Publikum in seinen Bann gezogen. Während er diverseste Gitarren bearbeitete (vor dem Körper, über dem Kopf, auf dem Rücken), ging es in den vorderen Reihen ab, wie ich es schon lange bei keinem Konzert mehr erlebt habe. Es wurde gemosht, kein Kopf, der mit langen Haaren gesegnet war, hatte Stillstand, und das Crowdsurfing nahm seinen Lauf. Ich habe leider nicht mitgezählt, wie viele Gitarren im Bullseye-Stil mit Zakk Wylde nach Telfs angereist waren…

Das im Jänner 2018 erschienene Album „Grimmest Hits“ lässt an ein Best of-Album denken, das ist es aber mitnichten. Es ist das zehnte Studioalbum der BLACK LABEL SOCIETY innerhalb von 20 Jahren, und erwartungsgemäß findet man darauf harte Gitarrenriffs, Pinch Harmonics, groovigen Südstaatenrock, Whisky und viel Testosteron. Neu sind auch nachdenkliche, melancholische Momente auf dem E-Piano, die wir gegen Konzertende zu hören bekamen. Alles in allem könnte man sagen, BLS zeigt sich bei einigen Songs („the only words“, „the day that heaven had gone away“) deutlich weniger rotzig-aggressiv als bei den Vorgängeralben.  

Natürlich lässt es sich Zakk Wylde auch nicht nehmen, sein Können an den Saiten in längeren bis langen Soli zu zeigen. Spektakulär war der Ausflug während eines Solos mitten durchs Publikum, umringt von der Security, hinauf auf die Empore, wo ein Teil des Publikums Sitzplätze innehatte, dort ließ Wylde die Gitarre halb von der Empore baumeln, während er sie weiter beackerte, und schließlich wieder den Rückweg antrat.

Wir erlebten eine spielfreudige Band mit harter, aber herzlicher Attitüde, einigen großen Hits aus der Vergangenheit, neuem Input, einen imposanten Zack Wylde  insgesamt also ein Konzert der ersten Güteklasse.

Ich hoffe, der Verein „Telfs lebt“ stellt öfters noch solche tolle Events auf die Beine, der Rathaussaal eignet sich jedenfalls sehr gut dafür (die Belüftung ließ vielleicht ein klein wenig zu wünschen übrig), dann nimmt man gerne auch eine längere Anreise in Kauf.


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