23.04.2018, Rockhouse, Salzburg

SEPULTURA & OBSCURA & GOATWHORE & FIT FOR AN AUTOPSY

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 27.03.2018

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Das "AUSVERKAUFT"-Schildchen an der Tür, vier starke Bands auf der Bühne und ein bestens aufgelegtes Publikum dazu - da konnte gar nichts schiefgehen im Rockhouse Salzburg! Und so war es dann auch...
 

Zur Eröffnung gab es gleich heftigen Deathcore-Stoff von FIT FOR AN AUTOPSY. Zwar war das Publikum zu dieser frühen Stunde noch nicht sehr zahlreich, dafür hochmotiviert und stark vermehrungswillig (Ok, das klingt falsch... aber ihr wisst, was ich meine). Ja, die Zuschauer waren mehr als bereit, vom Hals bis zur Leiste aufgeschlitzt zu werden und mit derbstem Krawall gefüllt zu werden! Wie Schüsse aus einem Bolzenschussapparat bohrten sich die brutalen Songs des knackig-kurzen Sets in die Gehirne der Anwesenden, rührten dort gewaltig um und wendeten den Denkapparat anschließend auf links. So und nicht anders geht das resetten der Gehirnwindungen nach einer langen, arbeitsreichen Woche! Applaus!

Setlist (ohne Gewähr!)

  • Hydra
  • Heads Will Hang
  • Still We Destroy
  • Saltwound
  • Iron Moon
  • Black Mammoth


Und gleich den nächsten Krawallbolzen hinterher: GOATWHORE luden zum allgemeinen und ausgiebigen Schädelschütteln ein. Zwar war der Aktionsradius des Fronter stark eingeschränkt, da er mit Gipsfuß auf der Bühne stand, anstatt wie gewohnt wie ein Derwisch über die Bühne zu fegen und die vordersten Reihen mit seinen Haaren auszupeitschen, doch das hielt die Truppe nicht davon ab, dafür nur umso mehr Gas zu geben. Zwar ließ sich das Publikum zunächst noch ein wenig bitten, lieferte dann aber nach unmissverständlicher Aufforderung doch einen heftigen Circlepit. Sogar ein bestenfalls 10jähriger (!) in der ersten Reihe (!) ging zu den brutalen Klängen ab wie ein Schnitzel – Parenting done right! Wenn man dem jungen Herrn vielleicht noch ein paar Ohrenschützer gereicht hätte, wäre das von Vorteil gewesen, den die pfeilschnellen Songattacken bliesen zum Generalangriff auf die Gehirnwindungen, während sich die amtlich schiebende Soundwand des amerikanischen Death/Thrash-Gebräus alle Mühe gab, den Putz von den Wänden zu rütteln. Wo andere Bands aufgrund so einer Verletzung die Tour absagen würden, pfiffen GOATWHORE auf falsche Wehleidigkeit und zogen ihr Ding mit Vehemenz durch. Der Applaus des Publikums war ihnen sicher – und eine Rückkehr ohne „that fucking thing“ wurde hochheilig versprochen.

Setlist (ohne Gewähr!)

  • Alchemy of the Black Sun Cult
  • Under the Flesh, Into the Soul
  • Baring Teeth For Revolt
  • Vengeful Ascension
  • Collapse in Eternal Worth
  • Mankind Will Have No Mercy
  • Chaos Arcane
  • In Deathless Tradition
  • Apocalyptic Havoc
  • FBS


Nach so viel Schädelspalterei tat ein wenig Abwechslung gut, die anschließend von OBSCURA mit der feinen Klinge ins feierwütige Fleisch geschnitzt wurde. Allerfeinster, technischer Todesmetall wurde von den Deutschen (eigentlich zur Hälfte aus Österreichern bestehend!) kredenzt, der von den Zuschauern höchst wohlwollend aufgenommen wurde, auch wenn der Stoff schon deutlich schwerer und komplexer war als die Bolzkapellen, die den Abend eröffneten. Dafür stand die Soundwand den Vorgängern in nichts nach, erwies sich sogar im Gegenteil deutlich klarer und dadurch druckvoller – ein Hochgenuss für Freunde dergestalt ausladenden und abwechslungsreichen Songs! Die extra aufgebauten Nebelwerfer gaben der zugegebenermaßen doch etwas statischen Performance dann noch den nötigen Aufputz, sodass keine Langeweile aufkommen konnte. Musikalisch waren OBSCURA, die an diesem Abend tatsächlich zum ersten Mal in Salzburg spielten, ganz großes Kino – ein jeder der hier keinen Beifall spendete, hätte auf der Stelle mit den Saiten der Instrumente aus dem Saal gepeitscht werden sollen!

Setlist (ohne Gewähr!)

  • Ten Sepiroth
  • Ocean Gateways
  • Akróasis
  • The Anticosmic Overload
  • Ode to the Sun
  • Centric Flow


SEPULTURA sind ja so eine Sache. Durch die Tatsache, dass die Band vor über 20 Jahren ihres charismatischen Sängers Max Cavalera verlustig ging, der anschließend die zwischenzeitlich nicht minder bekannten SOULFLY gründete, haben viele Metalheads ein gespaltenes Verhältnis zu SEPULTURA. Zu Unrecht wie man sagen kann, denn nachdem SEPULTURA zwischenzeitlich länger mit Derrick Green am Mikro ihren Mann stehen, sollte man die Sache vielleicht doch einmal ruhen lassen – nüm?

Dass SEPULTURA nämlich mit ihrer unverkennbaren Thrashig-groovigen Mischung live die Bude ganz gewaltig zerlegen können, das bewiesen sie an diesem Abend. So ein heftig abgehendes Publikum hatte man in Salzburg wahrlich schon lange nicht mehr gesehen – die Intensität der Moshpits war vielleicht mit jenen beim Gastspiel von CANNIBAL CORPSE 2015 am ehesten zu vergleichen. Der Sound hatte jedenfalls das Potenzial die Schädel durch die schiere Wucht des Schalldrucks zu spalten – ein kleines bisschen weniger hätte es dann vielleicht auch getan. Das Publikum im ausverkauften Rockhouse indes störte es nicht, es feierte SEPULTURA einfach gnadenlos ab. Zwar zog sich das Set im Mittelteil gefühlt ein wenig in die Länge, da sich der Abwechslungsfaktor gerade in diesem Bereich musikalisch dann doch eher in Grenzen hielt (jaja, ich weiß, meckern auf hohem Niveau!), aber spätestens ab „Refuse/Resist“ war dann wieder jedermann voll motiviert. Und wenn wir ganz ehrlich sind, wartete doch gefühlt die Hälfte der Besucher hauptsächlich auf einen einzigen Song – das hinreichend bekannte, unkaputtbare und einfach immer hörbare „Roots Bloody Roots“. Und dieser wurde dann selbstverständlich auch als Höhepunkt und gleichzeitig krönender Abschluss in die Menge gepfeffert und von den Anwesenden auch entsprechend laut, manchmal falsch, aber immer voller Begeisterung mitgegrölt. So muss das!

Man tut SEPULTURA also durchaus Unrecht, sie noch immer an einer einzigen Person zu messen, haben sie doch inzwischen, wie auch heute Abend hinreichend bewiesen, dass sie, selbst mit Ersatzteilen, die die Einsatzzeit der Originale längst überflügelt haben, eine gut geölte Maschine sind, die live einfach richtig gut funktioniert. Und gerade das bekannt wählerische Publikum in Salzburg zu Begeisterungsstürmen hinzureißen, ist nicht so einfach, das wissen wir ja.


Setlist (ohne Gewähr!)

  • I Am the Enemy
  • Phantom Self
  • Kairos
  • Territory
  • Desperate Cry
  • Sworn Oath
  • Resistant Parasite
  • Against
  • Choke
  • Boycott
  • Machine Messiah
  • Iceberg Dances
  • Inner Self
  • Refuse/Resist
  • Arise
  • Slave New World
  • Ratamahatta
  • Roots Bloody Roots

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