30.03.2018, Stadtwerkstatt, Linz

Shredfest Vol. 4

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 05.04.2018

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Vier Tage, vier Konzerte: Tag Zwei! Ganz im Zeichen der Zahl Vier, brauchte der kleine Stormbringer-Schreiberling bereits vier Anläufe um endlich einmal am Shredfest in Linz, das inzwischen bei seiner vierten Ausgabe angekommen war, aufzuschlagen. Passend dazu, gab es an diesem Freitagabend dann auch vier Bands auf die Ohren und zum Drüberstreuen konnte sich der Veranstalter auch noch das „Ausverkauft!“-Schildchen an die Tür hängen! Da störte es auch nicht dass die Linzer von BEYOND INFINITY ihren Auftritt kurzfristig absagen mussten, zumal dafür ebenso kurzfristig die eigentlich bereits abgedankten RUINED NATION in die Bresche sprangen.
 

Zum Auftakt gab es aber erst einmal UPON THY WAVES aus Eferding und Wels auf die Ohren, die mit ihrer Mischung aus fetten Riffs, brutalen Growls und geschmeidigen Synthie/Klavierpassagen bereits im Vorjahr am Metalnight Outbreak in Vöcklabruck für Aufmerksamkeit beim Berichterstatter sorgen konnten. Musikalische enorm stark, mit fast ein wenig progressivem Anstrich, ließ es der Vierer auf der Bühne ordentlich krachen und konnte vor allem mit astreiner Saitenakrobatik punkten. Trotz recht komplexem Aufbau blieb die Zugänglichkeit dabei nicht auf der Strecke, so konnten UPON THY WAVES auch beim Publikum, das artig mitnickte und lauten Applaus spendete, mit Leichtigkeit landen – selbst wenn sie stilistisch mit Metalcore-Ausrichtung eine etwas andere Stilistik bedienten als der Rest der noch folgenden Krawallbanden. Die Burschen haben übrigens auch ein Album am Start, das ihr gerne einmal anchecken dürft!


Der Sinfonie zweiter Teil: RUINED NATION. Extra für das Shredfest doch noch einmal reaktiviert, spielte das Trio trotz Auflösung doch noch einmal einen Abschiedsgig – den zwischenzeitlich dritten, wenn die vorliegende Info stimmt. Kann man so schon einmal machen und wenn man ehrlich ist, können sich das RUINED NATION auch leisten. Denn das was da am so ziemlich lautstärksten an diesem Abend von der Bühne schallte war nicht mehr einfach nur eine Gnackwatschn, sondern gleich das Equivalent zum Genickbruch. Irgendwo zwischen knackig-thrashigem Metal, pumpendem Hardcore und abartigem Grindcore-Geböller plättete das hochmotivierte Trio das Publikum nach allen Regeln der Kunst. Selbst Kollege Rosenberger, den akustischen Abrissbirnen ansonsten nicht so zugetan, ließ sich von der schwer groovenden, tighten Performance mitreißen, genau wie ein Großteil des Publikums, das zum Extrem-Geböller ordentlich die Matten durchlüftete. So muss das!


Stilbruch vom Holzhammer zur feinen Klinge: Check! ANOMALIE waren als dritte Band an der Reihe und während sich die Musiker für ihr Bühnenstelldichein noch ein wenig bitten ließen, kündigten es schon die am Merchstand und der Bühne verteilten Räucherschalen an, dass es nun mythischer werden sollte. (Erwähnte der Berichterstatter in der Vergangenheit schon einmal seine Einstellung zu geruchsintensivem Räucherwerk? Ja? Nun, an diesem Abend gab es den ohnehin schon vorhandenen Rauchschwaden in der Stadtwerkstatt zumindest einen etwas angenehmeren Duft... fürs Protokoll: Es kratzt trotzdem noch immer im Hals!) Was an Geruch vielleicht nicht jedem behagte, machten ANOMALIE dafür mit ihrer absolut herausragenden Atmosphäre wett. Das war nicht einfach ein Konzert, das was Marroks längst zur vollwertigen Band angewachsenes Soloprojekt da ablieferte, sondern ein Ritual. Vielleicht ab und an ein wenig theatralisch, doch mit solcher Hingabe zelebriert, dass man von der Kombination aus Rauch, gedämpftem Licht und treibenden bis klagenden Soundwelten direkt in eine andere Welt katapultiert wurde. Die fließenden Übergänge der ausladenden Stücke und die einnehmende Atmosphäre ließen einen für kurze Zeit die Welt ringsum ausblenden und, schwupps, war eine ganze Stunde vergangen und die Musiker verließen nach getanem Werk, unter dem tosenden Applaus des Publikums die Bühne.

(p.s.: Der Berichterstatter wollte eigentlich viele halblustige Witzchen über kniende Männer mit einbinden, doch das wäre rückblickend auf eine mit solchem Herzblut vorgetragene Performance dann doch etwas deplatziert gewesen. Ja, manchmal verstummt auch das größte Lästermaul beeindruckt...)

Setlist: (Ohne Gewähr!)

  • Towards The Sun
  • The Wanderer
  • Blinded
  • A Monument
  • Illumniation
  • Refugium


Der letzte Akt, bevor der Vorhang des Abends fallen sollte, gehörte dann der Lokalen Größe ESCHATON, die die Performance an diesem Abend ganz dem Mitte März verstorbenen Franz Enkner (LOCUS NEMINIS, DEATHCODE SOCIETY) widmeten, dessen Trauerfeier am Nachmittag desselben Tages stattgefunden hatte. So mancher im Publikum stand noch unter dem Eindruck desselben, während nach dem feingeistigen Ritual von ANOMALIE nun die roheren Klänge die Herrschaft übernahmen. Puncto Atmosphäre brauchten sich ESCHATON aber zu keiner Zeit verstecken, schlug doch der oftmals spürbare, doomige Einschlag im Extrem-Schwermetall der Linzer die Zuseher so richtig zu Boden. Eine gnadenlose Walze aus Gitarrengeshredder mit der Schaumkrone des künstlerischen, philosophischen Ansatzes, der die Band auszeichnet, pflügte durch die volle Stadtwerkstatt und begrub die Besucher wortwörtlich unter sich. So mancher schädelte sich zu den hypnotischen-hämmernden Klängen in andere Sphären und auch mit Szenenapplaus in den spärlichen Pausen zwischen den überlangen Titeln wurde nicht gegeizt.
Trotz der machtvollen Performance von ESCHATON gab der Berichterstatter zugunsten Heimfahrt und noch bevorstehenden Eskapaden im letzten Drittel des Sets auf und ließ das zahlreiche und sichtlich auch hier gefesselte Publikum mit der Soundwalze der Linzer alleine.

Setlist: (Ohne Gewähr!)

  • Transcending Satanism
  • Current Void
  • Isolated Intelligence
  • The Black Tunnel
  • A Storm To Purify This World
  • Eris Incarnate
  • Dominus Satanas
  • Instrument Of Darkness
  • Amon Vepar


Lange, lange hat es gedauert, bis der kleine Stormbringer-Schreiberling seinen Weg zum Linzer Shredfest fand! Doch was lange währt, wird endlich gut und es kann hiermit auch von dieser Seite aus bestätigt werden, dass das Shredfest bereits zu einem Fixpunkt in der heimatlichen Konzertlandschaft gehört. Stormbringer freut sich schon auf die nächste Ausgabe!

Mehr Fotos findet ihr in Bälde wieder einmal bei Images Of Pain And Pleasure.


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