03.04.2018, Hafenklang, Hamburg

Mein erstes und letztes Doom-Konzert – MONARCH & BELL WITCH

Text: Jazz
Veröffentlicht am 05.04.2018

Doom ist ein Genre, in das ich erst vor circa einem halben Jahr wirklich eingetaucht bin – dafür dann aber auch mit Anlauf und kopfüber. Das von mir wohl meistgehörte Album der letzten Monate ist „Mirror Reaper“, die neue Platte von BELL WITCH. Auch die großartigen Klänge – insbesondere Live-Aufzeichnungen – von MONARCH beschallen mein Wohnzimmer regelmäßig. Nun treten diese beiden Bands gemeinsam im Hamburger Hafenklang auf, was mich erstmalig – und auch letztmalig – mit Vorfreude und voller Absicht zu einem Doom-Konzert gehen lässt.

 

 

MONARCH sind in nur spärlich rot, sonst ausschließlich von Kerzen beleuchtete Dunkelheit gehüllt. Die zahlreichen Kreuze haben ihren Querbalken selbstverständlich unten. Dumpf dröhnt der Raum und zartes, weibliches Flüstern auf Französisch fügt sich fein in den Lärm. Plötzlich ballert ein Schlagzeug etwas zu dominant in das bis dato harmonische Klangkonstrukt und der Bassist gibt klagende Urlaute von sich. Sechs Personen stehen auf der kleinen Bühne und spielen langsam, aber heftig und leidenschaftlich, wie es der Drone Doom von ihnen verlangt. „Never Forever“ heißt das aktuelle Album von MONARCH.

 

 

BELL WITCH vertonen die zweite Hälfte des Abends, aber mit weitaus weniger Musikern auf der Bühne. Ein Bass und ein Schlagzeug sind im knappen blauen Licht und dem Flackern eines Beamers zu sehen, der schemenhafte Bilder an eine Wand wirft. Klargesang und Growling werden spärlich eingestreut. Wundervoll reduzierter Funeral Doom drückt sich in jeden Winkel des Hafenklangs und in jede Faser der zahlreichen Besucher, die den Laden gut füllen. Das musikalisch beeindruckende und auch optisch höchstgradig ansehnliche Album „Mirror Reaper“ der amerikanischen BELL WITCH bildet den Kern ihres starken Konzerts.

Zwei hervorragende Bands, wundervolle Musik und zwei großartige Auftritte. Aber ich möchte nicht wieder zu einem Konzert, wenn dort Doom Metal im Mittelpunkt steht.

Ich höre BELL WITCH und auch MONARCH mitunter stundenlang – nebenbei, wenn ich vor dem Rechner sitze, oder ganz bewusst, wenn ich auf dem Bett liege. Ich höre sie alleine oder auch zu zweit. Ich höre sie leise oder in mittlerer Lautstärke. Ich verliere mich in ihren bezaubernden Kompositionen und durchdringenden Gefühlen. Ich liebe ihre tiefe Verletzlichkeit, die tragende Verzweiflung, die unfassbare Leere, die unermessliche Größe ihres Sounds.

Live jedoch gelten sehr andere Bedingungen. Dort stehe ich! In einer Menschenmenge! Und durchgehende 90 Decibel foltern meine Trommelfelle! Gegebenheiten, die ich in anderen Musikgenres als durchaus akzeptabel bis erstrebenswert empfinde, erschließen sich mir im Doom nicht. Mir ganz persönlich nicht. Ich hoffe inständig, dass andere Menschen mir vehement widersprechen mögen und in großer Zahl zu den Konzerten von beeindruckenden Bands wie BELL WITCH und MONARCH strömen, damit diese niemals aufhören, ihre wundervolle Musik zu machen, die ich dann zuhause ruhig und entspannt genießen kann.

Nachträgliche Träumerei: Ich wünsche mir, beide Bands noch einmal in einer lauen Sommernacht auf einem kleineren Open Air aus größerer Entfernung auf einer Decke im Gras liegend hören zu dürfen.


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