06.04.2018, Posthof - Mittlerer Saal, Linz

KVELERTAK

Text: Florian Rosenberger | Fotos: Reinhold Strasser
Veröffentlicht am 12.04.2018

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Der Linzer Posthof ist eigentlich die ideale Location für Clubkonzerte, wenn doch das Programm öfter solche Highlights wie KVELERTAK, oder eben auch das zwei Tage später stattfindende KREATOR-Konzert bieten würde. [Anm. d. Lekt.: Wird so unterschrieben!] Am 06.04.2018 machte es sich KVELERTAK zum Ziel eines der besten Konzerte, das ich jemals in Linz sah, abzuliefern. Eine Woche zuvor als Support vor METALLICA sind KVELERTAK ja leider wie die Perlen vor die Säue geworfen worden. Die Anwesenden im Posthof goutierten die musikalische Klasse der Norweger aber sehr wohl. Die Verlegung der ursprünglich im großen Saal geplanten Veranstaltung in den mittleren Saal fand ich äußerst lobenswert, da bei den ca. 400 Anwesenden sonst sicher nicht eine so großartige Stimmung aufgekommen wäre.

Der mittlere Posthofsaal mit der vorgelagerten Bar hat einfach das gewisse Etwas. Bei der norwegischen Supportband SIBIIR war der Saal zwar noch etwas locker gefüllt, aber eine spezielle Atmosphäre die nordische Bands - wie auch SOLSTAFIR aus Island - einfach an sich haben, war schon zu spüren. Der laute Sound knüppelte bei SIBIIR schon mal ordentlich einige Gehörgänge durch. Die geschmackvollen Gitarrenleads und der groovende Rhythmus ihrer Songs brachten bereits viele Metalheads in Stimmung. THROES Bassist Stephan lobte nach dem Konzert mir gegenüber die Norweger in höchsten Tönen und erklärte sie zu einer der aktuell unterstützenswertesten Underground-Bands.

KVELERTAK sind in der Szene schon etablierte Größen, die es mit drei ausgezeichneten Alben („Kvelertak“, „Meir“ und „Nattesferd“) schafften auch in Österreich eine ordentliche Fanbase aufzubauen, was den hochgeschätzten Landeskollegen von AUDREY HORNE auch zu wünschen wäre. Das KVELERTAK-Konzert in Linz, das dann kurz nach 21 Uhr startete, ließ bei dem euphorischen Publikum kaum Wünsche offen. Beginnend mit dem starken Opener “Åpenbaring“ – wahrlich eine musikalische Offenbarung - bei dem Sänger Erlend Hjelvik mit „Eulenkopfbedeckung“ die Bühne betrat bis zur frenetisch geforderten Zugabe, gab es bei den Norwegern nur eine Devise: Schutt und Asche zu hinterlassen! Der nächste Song „Bruane Brenn“ („Brennende Brücken“) konnte somit wortwörtlich genommen werden.

Die Gitarrenläufe wie beim melodischen Song „1985“ - der stark an BARONESS oder TORCHE erinnert - sind bei jedem Song zum Niederknien und die unterschiedlichen musikalischen Stilrichtungen, die teilweise auch in nur einem Song dargeboten werden, eine Meisterleistung. Bei „Berserkr“ starteten die jungen Metalheads schon mit den ersten Moshpits und befanden sich bereits im „Berserkermodus“. 

Begeisterte Konzertbesucher waren dermaßen überwältigt, dass sie wiederholt von sich gaben, mit KVELERTAK mindestens zehn Bands in einer gesehen zu haben. Selten erlebte auch ich eine solche stilistische Vielfalt in einer Show. Man merkte auch an den Band-Shirts der Gitarristen, dass sie Fans der Szeneikonen DEATH oder Newcomer LORD DYING - die RED FANG 2014 in der Arena Wien fast die Show stahlen - sind und einige ihrer Einflüsse damit preisgeben.

Sänger Erlend war die ganze Show über mit nacktem Oberkörper präsent und wütete auf der Bühne, wie ein dem Wahnsinn verfallener Troll. Seine wilde Mähne, seine gebückte Haltung und seine Gesten, bzw. sein Gespucke nicht nur auf die Bandmitglieder sondern auch in die ersten Reihen müssen ihn zwar nicht sympathisch erscheinen lassen, unterscheiden ihn aber von zahlreichen gesichtslosen Frontmännern. Die Menge war jedenfalls durchgehend am Toben und konnte sich im letzten Drittel nach einer Wall of Death gar nicht mehr von Moshpits abbringen lassen.

Die Begeisterung im Publikum wurde auch von der Band selbst begrüßt und diese ließen sich nach dem offiziell letzten Song „Blodtørst“ für eine Zugabe nicht lange bitten. Für die letzten Songs wurden die verbliebenen Energiereserven vollends ausgeschöpft und wohl jeder Anwesende hatte nach der Show von KVELERTAK ein Lächeln im Gesicht. Für mich ließ auch das rege Aufkommen von Bekannten diesen Konzertabend zu einem einzigartigen werden. Ich hoffe in Linz noch öfter solche Highlights erleben zu können!

 


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