04.05.2018, TIPS Arena Linz, Linz

DAVID HASSELHOFF

Veröffentlicht am 11.05.2018

DAVID „THE HOFF“ HASSELHOFF ist Kult. Vielleicht nicht für jedermann, aber doch für ziemlich viele, die Ende der 80er Jahre mit dem singenden Schauspieler so quasi aufgewachsen sind. Die ausverkaufte Show (am 03.05.2018) im Wiener Gasometer bewies, dass die Beliebtheit des Kultstars in Österreich nachwievor nicht verebbt ist. Für das Konzert in der etwas größeren Tipps Arena in Linz einen Tag später waren dann auch nur mehr wenige Resttickets verfügbar. Eine ausführliche Rechtfertigung, wieso THE HOFF (zumindest zu einem geringen Anteil) Metal ist, lieferte uns Kollege Sigi Samer bei seinem Konzertbericht von der Comebackshow in der Wiener Stadthalle im Jahre 2011. Mehr kann ich dazu auch nicht schreiben. Damals konnte noch niemand ahnen, welche Dimensionen das Comeback des Knight Riders annehmen wird. Von HASSELHOFF-Partys, über HASSELHOFF-Kreuzfahrten bis zur Idee DAVID HASSELHOFF beim NOVAROCK 2014 als Special Late Night Act zu buchen, ist eine gewisse Sehnsucht des Publikums nach Kindheitserinnerungen und einer Dosis Trash zu spüren.

Doch den Vogel schoss David mit dem Video zum kultigen Song „True Survivor“ zum Retro-Parodie Film „Kung Fury“ ab. Ich konnte es fast nicht glauben, dass er all die Erwartungen von Metal- und Rockfans an den „Night Rocker“ damit übertraf und die Wiener Melodic-Metal Band DRAGONY zu einer spaßigen Coverversion von "True Surviror" inspirierte. Nicht nur ist dieser Song musikalisch äußerst gelungen, sondern strotzt - vor allem auch im Video - vor genau der Selbstironie, die der Schauspieler über die letzten Jahre bei seinen Gastauftritten (wie unter anderem bei „Spongebob-Der Film“) konsequent an den Tag gelegt hat.

Und so kam es auch 2017 zu einem umjubelnden Finale als Late Night Act beim NOVA ROCK. Um in den vollen Genuss von THE HOFF zu kommen, ohne Staub und anstrengende, durchzechte Vornächte, schaffte uns die Hard- & Heavy Schiene "Mind Over Matter Music" / „Barracudamusic“ die Möglichkeit, das Phänomen DAVID HASSELHOFF im Gasometer und in der Linzer Tipps Arena leibhaftig zu erleben.

Eines sei vorab gesagt: Auch wenn ich schon auf hunderten musikalisch qualitativ höherwertigen Konzerten zugegen war, eine solch euphorische Stimmung habe ich selten erlebt. Jeder, wirklich jeder hatte ein Lächeln im Gesicht und eine Vorfreude die kaum eine andere Band zu erzeugen vermag. Ich bin der Meinung, man soll das Leben manchmal einfach nicht zu ernst nehmen und Spaß haben. Und Spaß hatte jeder der tausend Anwesenden. Das Konzert sollte pünktlich um 20 Uhr starten. Um das Publikum noch etwas mehr anzuheizen, wurden zu Songsnippets der HASSELHOFF-Hits ein paar witzige Werbereklamen mit HOFF im Namen wie etwa „Smirnhoff“ oder „Beef Stroganhoff“ gezeigt. Um 20:15 Uhr ertönte das „Knight Rider Theme“ als Intro und das zum Teil bereits schon zu Beginn stark alkoholisierte Publikum wurde endlich durch den Auftritt seines Jugendhelden erlöst. In der Lederjacke erinnerte er eigentlich stark an den Terminator.

Gestartet wurde in die erste Konzerthälfte mit einem Medley von zumindest mir unbekannten Hits „Hey, We Wanna Rock The World / Move To The Beat Of Your Heart / Hot Shot City“. Hier konnten sich die Band bestehend aus zwei Gitarristen, einem Bassisten, einem Keyboarder, Schlagzeuger und Backgroundsängerinnen vorstellen.

Die nächsten Songs „Jump In My Car“ oder das als Ansage ans Publikum gerichtete „Is Everybody Happy“ mit lippenasynchronen Musikvideos im Hintergrund stimmten eher kritisch als euphorisch. Nach „Lonely Is The Night“ war ich mir meiner Entscheidung auf das Konzert zu gehen gar nicht mehr sicher. Aber ab diesen Zeitpunkt riss THE HOFF das Ruder gerade noch rechtzeitig rum, zeigte sich selber so begeistert von seinen Fans und erzählt so manche Anekdote, dass er seine vor über 30 Jahren gestartete Musikkarriere den deutschsprachigen Fans zu verdanken hat. Angefangen hat der Hype anscheinend bei einem Interview mit dem österreichischen Musikmagazin „Rennbahn Express“, wo ihm die Interviewpartnerin von seiner Nummer 1-Platzierung von „Night Rocker“ in Österreich berichtete. In Amerika wurden von dem besagten Stück nur fünf CDs verkauft: vier Exemplare kaufte er selber und eines seine Mutter, parlierte er munter weiter.

Es folgte der Song „Hooked On A Feeling“ (auch bekannt durch Quentin Tarantinos „Reservoir Dogs“) mit dem nach THE HOFFs Meinung „schlechtesten Musikvideo aller Zeiten“. Die Plattenfirma setzte ihn damals mit den Worten „We fucking hate this video“ vor die Türe. Jahre später erfuhr er durch seine Töchter – die Engel im Video spielten - dass dieses Video im Internet zu einem riesigen Hit geworden war. Dieses Video muss man gesehen haben! Nach dem schlechtesten Video folgte selbstverständlich gemäß THE HOFF mit „True Survivor“ das beste Musikvideo aller Zeiten. Eine kurze Erwähnung des Films „Kung Fury“ durfte erlaubt sein, vor allem da in Bälde ein Sequel mit Michael Fassbender und Arnold Schwarzenegger ansteht.

Nach diesem starken Stück Hard-Rock bei dem ich leider nur einer der wenigen war, die lautstark „We need some action“ mitgrölten, ging die Luft mit der Ballade „More Than Words Can Say“ ordentlich aus. „Everybody Sunshine“ kennt man dann doch wieder vom Radio der 90er Jahre, und mit dem schwungvollen „It’s A Real Good Feeling“ verabschiedete sich der Knight Rider nach nicht mal 45 Minuten in eine halbstündige Pause.

Gemäß dem Motto „Don’t Hassel The Hoff“ - das gefühlt auf jeden zweiten T-Shirt der Konzertbesucher stand - ließ sich THE HOFF aber nicht hasseln. Das Video „Guardians Inferno“ vom Marvel-Film „Guardians Of The Galaxy“ mit Showauftritt vom Zeremonienmeister HASSELHOFF höchstpersönlich diente als Intro für die zweite Hälfte. Beim Einzug vom Ende der Halle auf die Bühne zeigte sich David mit einem Gang durch die Menge extrem publikumsnah und gab dabei mit nicht unbedingt vielen Securities an seiner Seite „This Is The Moment“ im Sinatrastil zum Besten.

Die nächsten Songs „Sheltered Heart“, „Flying On The Wings Of Tenderness” und “If You Could Read My Mind” zogen die Stimmung bei mir nicht gerade wieder in die Höhe. Bei „Gipsy Girl“ schwangen zumindest schon mal einige der anwesenden Frauen ihre Hüften. Aber erst beim „Country Roads“-Cover erreichte das Konzert zum ersten Mal richtig Zeltfeststimmung. Und wäre das nicht schon zu viel für mich, durfte das von DJ Ötzi zur Genüge verunstaltete „Sweet Caroline“ an Apres-Ski Musik erinnern. Bei „After Manana Mi Ciello“ war David dann leider wirklich beim Musikantenstadl angekommen. Dem Publikum gefiel es wie kein Song zuvor.

Doch dann holte MITCH BUCHANNON mit dem grandiosen JIMI JAMISON-Song „I’m Always Here“ zum finalen Schlag aus. Auch wenn leider nur der erste Teil des Songs geträllert wurde, war spätestens hier zu bemerken, dass sich DAVID HASSELHOFF gesanglich wacker schlug. Man kann von dem singenden Fernsehstar halten was man will, aber verarscht wurde man an diesem Abend als Besucher sicher nicht. Die Show und die Band brauchen sich produktionstechnisch nicht vor anderen Headliner-Popshows zu verstecken.

Der Baywatch-Part läutete aber nun auch schon das Finale der Show ein. Und bei den Hits „Crazy For You“ und „The Limbo Dance“ erwischte ich mein MANOWAR-True-Metal-Heart-of-Steel auch beim höher Schlagen. Bessere Gute-Laune-Songs gibt es wenige. Die folgende Zugabe gestaltete sich dann daraufhin noch als Homerun. Der deutsche Schmachtfetzen „Wir zwei allein“ wurde im Duett mit der damaligen Gesangpartnerin Gwen dargeboten und die Deutsch-Englisch-Version von David Bowies „Heroes“ legte mit seiner Kalte Krieg-Stimmung die Basis für den größten Mauerfall-Hit aller Zeiten: „Looking For Freedom“. Das Partyvolk flippte dabei zurecht komplett aus. Die Stimmung war am Siedepunkt und THE HOFF selbst überglücklich und ließ sich verdientermaßen ein letztes Mal zum Tourabschluss von seinen treuen Fans feiern. Da bleibt nur mehr festzustellen, dass DAVID HASSELHOFF einfach eine coole kultige Sau ist.


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