21.04.2018, Tilburg,

Roadburn Festival 2018 Tilburg Tag 3 & 4

Text: Werner Nowak | Fotos: Werner Nowak
Veröffentlicht am 14.05.2018

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Tag 3

Noch etwas müde vom doch etwas “intensiveren” (*hüstel*) Vortag gab’s aber trotzdem kein Faulenzen, denn schon am frühen Nachmittag machte ein besonderes Projekt den Auftakt auf der Main-Stage: HUGSJÁ von Einar Selvik (WARDRUNA) und Ivar Bjørnson (ENSLAVED). Thematisch geht es in dem vierteiligen Werk um die alte Schiffsroute “Nordvegen”, von der auch der Name Norwegens abstammt. Im letzten Jahr erfolgte die Uraufführung des Stückes in vier Hafenstädten entlang dieser Route. Die Instrumentierung der Stücke reicht dabei von archaischen Instrumenten wie Schamanentrommel und Horn über Laute und Violine bis hin zu Schlagzeug, Keyboards und Gitarre. Dementsprechend groß war auch die Bandbreite an musikalischen Stilen der dargebotenen Stücke. Manche eher folkig in der Nähe zu WARDRUNA, andere wurden vielschichtiger und bombastischer in Szene gesetzt. Dazwischen gab es von Einar auch immer wieder Hintergrundinformationen zu den vier unterschiedlichen Teilen der Reise.

HUGSJA

PANOPTICON waren dann auch nochmal am Start, diesmal auf der großen Bühne und ohne Banjo-Warm-Up.

Spezielle und exklusive Performances sind das Salz in der Roadburn-Minestrone. NYIÞ & WORMLUST haben dann genau das geboten: “Hieros Gamos” - die Hochzeit zweier Götter.
Und so war es dann auch keine Überraschung, dass auf der Bühne im Het Patronaat bereits ein kleiner Altar mit Totenkopf, Räucherwerk und allerlei kleinen Fläschchen und Tiegelchen aufgebaut war. Dazu passend dann auch die Künstler in schwarzer Kleidung und Kapuzen mit Augenschlitzen. Die musikalische Begleitung des Rituals erfolgte neben Gitarre, Keyboard und Trommeln auch mit Cello, Akkordeon und Knochenflöte! Und auch der Ablauf der Zeremonie selbst war höchst bizarr: der Protagonist lag nach Einnahme diverser Flüssigkeiten minutenlang offensichtlich regungslos hinter dem Altar, um dann nach einer Metamorphose mit zahlreichen Zweigen und Ästen als Körperauswüchsen wiederaufzuerstehen. Aufgrund der vollen Halle und somit auch entsprechender Temperaturen blieb ich aber nicht mehr bis zum Ende...

NYIÞ & WORMLUST

Etwas spezielles hatte in der Zwischenzeit bereits in der Großen Halle begonnen:  die Japaner BORIS performen ihr Debutalbum “Absolutego”, unterstützt werden sie dabei von STEPHEN O’MALLEY (u.A. SUNN O).  Vor zahlreichen Verstärker- und Boxentürmen und mit reichlich Nebel ließen die Musiker dann ihren Drone Doom / Noise Rock-Moloch von der Leine.

Das war dann auch eine feine Einstimmung auf die nachfolgende Band: GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR. Alleine der Bühnenaufbau mit jeder Menge verschiedener Vintage-Amps, Keyboard, Drums und ein paar Stühlen, im Halbkreis angeordnet, weist schon darauf hin, dass man es hier mit keiner 0815-Band zu tun hat. Irgendwo zwischen Post-, Experimental- und Avantgarde-Rock bewegen sich die Musiker dann wohl. So finden sich dann auch noch eine Violinistin und ein Kontrabassspieler unter den insgesamt 8 Musikern. Für zwei Titel bekam die Band kurz Unterstützung durch die dänische Improvisationsmusikerin Mette Rasmussen. Und ein wesentliches Mitglied war eigentlich nicht zu sehen, da er quasi im Verborgenen agiert: der Mann für die Visuals. Und der ist komplett oldschoolig und analog unterwegs!  Die bewegten Bilder werden mittels zusammengeklebter Filmstreifen und vier Filmprojektoren geloopt, gemischt und überblendet und so auf die Leinwand gebracht. Sehr beeindruckend!

GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR
Dann ging’s wieder einen Sprung in die Koepelhal, denn ebenfalls exklusiv für das Roadburn 2018 haben sich Mitglieder der Bands THOU und THE BODY für eine gemeinsame Live-Session zusammengefunden. Und mit sieben Musikern auf der Bühne hat’s dann auch ein ordentliches Gerumpel mit  Doom-Sludge-Post-Metal gegeben!

Im 013 shredderten bereits EARTHLESS und bei ihrem zweiten Set wurden sie von KIKAGAKU MOYO unterstützt, dem Sänger der legendären Krautrock-Band CAN. Da war bei mir dann aber im Gegensatz zur Kamera schon der Akku leer und so machte ich mich langsam auf den Heimweg.

Zum drüberstreuen hab’ ich noch einen Sprung ins Het Patronaat geschaut, um noch ein Paar Takte von OCCVLTA und ihrer Mischung aus Motörhead und Black Metal als Gute-Nacht-Sound mitzunehmen.

Mehr Fotos vom dritten Tag gibt’s auf stills.eraserhead.at!


Tag 4

Mit IRON CHIN beginnt für mich der letzte Roadburn-Tag. Der holländische Gitarrist Oeds Beydals hat für dieses Bandprojekt einige seiner niederländischer Lieblingsmusiker vereint und musikalisch dem San Diego Takeover Tribut gezollt.

Was auch auf keinen Fall bei einem Roadburn fehlen darf ist isländischer Black Metal. Und so hat sich am letzten Tag quasi die halbe Szene für ein weiteres kommissioniertes Projekt mit dem Namen VÁNAGANDR auf der Hauptbühne versammelt. Unter dem Titel “Sól án varma” (Sonne, die nicht scheint) zelebrierten Mitglieder von  MISÞYRMING, NAðRA, SVARTIDAUðI & WORMLUST eine eisige, klirrende Black Metal Symphonie, stimmungsvoll kontrastiert durch Projektionen von Sonneneruptionen auf der riesigen Leinwand im Hintergrund.

VÁNAGANDR

Nachdem BELL WITCH am Vortag ihr neues Album “Mirror Reaper” komplett live performt hatten, stand am Sonntag eine Bühnenkollaboration mit Erik Moggridge von AERIAL RUIN im Programm. Und mittels sechssaitigem Bass, Schlagzeug und Gesang wurde der Klostersaal in eine Doom-Kathedrale der absoluten Dunkelheit verwandelt.

Und um die wunderbar düstere Stimmung nicht zu zerstören, ging’s dann gleich schwarzmetallisch auf der Mainstage weiter. WIEGEDOOD (auf deutsch “Plötzlicher Kindstod”) aus dem CHURCH OF RA-Umfeld waren zwar auch nur zu dritt, haben sich aber auch brachialst durch ihr Set geknüppelt.

Doch “Heavy Sounds” kann man auch durchaus ohne Gitarren erzeugen. Ein gutes Beispiel waren ZONAL FT. MOOR MOTHER. Erstere bestanden aus dem Duo Justin K Broadrick (GODFLESH) und Kevin Martin (aka THE BUG), die tonnenschwere Elektronikbeats zäh wie Lava aus den Boxen tropfen ließen. Eine Art Big Beats meets Trip-Hop mit einer ordentlichen Dosis Aphex Twin. Dazu gerappte Lyrics von Camae Ayewa, einer Künstlerin und Aktivistin aus Philadelphia. Die fast undurchdringliche Nebelwand auf der Bühne, rotes Licht und der intensive Bass trugen zu einer sehr intensiven Atmosphäre in der großen Halle bei.

Bei den Amis von ALDA waren aber dann wieder reichlich Gitarren vorhanden. Atmospheric Black Metal mit Folk-Einschlag war hier Programm.

Bei GODSPEED YOU! BLACK EMPEROR gab’s keine großartige Veränderung zum Vortag, was den Bühnenaufbau und die Instrumentierung betraf, die Setlist unterschied sich dann aber doch deutlich. Trotzdem nahm ich das zum Anlass für eine kleine Essenspause.

Now for something completely different! Also zumindest optisch. ZURIAAKE aus der Volksrepublik China sind musikalisch eher einem soliden Epic Black Metal verhaftet, aber vom Outfit und der Bühnenshow war das schon mal was anderes! Bereits das Betreten der Bühne wurde zelebriert. Die Musiker trugen lange schwarze Gewänder mit asiatischen Kegelhüten, das Gesicht von Schleier und Tüchern verdeckt. Die beim Einzug präsentierten Laternen wurden dann auf den mit Ranken geschmückten Mikrophonständern plaziert und der Sänger vollführte eine Art Beschwörung mit ausladenden Tai-Chi-Gesten und unter Zuhilfenahme eines langen weißen Tuches. Soundmäßig war das Set auch total ok, ich hätte mir allerdings etwas mehr “asiatische” Einsprengsel gewünscht. Das hätte den Exotenbonus sicher noch mehr verstärkt!

ZURIAAKE

GOST hatte ich ein paar Tage zuvor in Wien erlebt, daher war ich hier nur kurz auf der Galerie im Green Room und habe das heftige Gewusel im Publikum von oben betrachtet. Die treibenden Dark Synth Beats und die inzwischen wahrhaftig live gespielten Gitarren haben die Massen bis zum Ende hin ordentlich in Bewegung versetzt!

Mehr Fotos vom vierten Tag gibt’s auf stills.eraserhead.at!

Auch wenn die absoluten Top-Highlights für mich persönlich dieses Jahr gefehlt haben, war es in Summe doch wieder ein tolles und abwechslungsreiches Gesamtpaket. Und wie immer habe ich auch etliche, für mich neue, Bands entdecken können.

Das Datum für nächstes Jahr ist mit dem 11. - 14. April auch bereits fixiert und die ersten Acts sind mit HEILUNG, LOUISE LEMÓN und GORE auch schon bestätig.
https://www.facebook.com/events/1667055846665275/

 


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