26.05.2018, OKH, Vöcklabruck

Burn Down The District XXL

Text: Marc Folivora, Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 01.06.2018

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Und wieder einmal sind wir im schönen OKH von Vöcklabruck zu Gast, wo bei traumhaftem Frühsommer-Wetter ein fettes und höchst exklusives Genickbrecher-Package mit Core-Tendenzen lockte. Nebst den Headlinern ALL FACES DOWN konnte man sich auch auf die gerade derbst durchstartenden Lokalheroen WE BLAME THE EMPIRE freuen und außerdem gab es mit KILL THE LYCAN und FUEL OF HATE auch noch zwei Bühnenrückkehrer zu feiern. Und selbiges wurde dann auch ausgiebig getan, auch wenn sich die Innentemperatur des OKH linear zu den heißer werdenden Bühnenshows erhöhte. Dafür konnte sich der veranstaltende Kulturverein AMH zum kollektiven Saunagang im Laufe des Abends sogar das 'Ausverkauft!'-Schild an die Tür tackern!


Bei DAZE AFFECT war es aber noch ganz gemütlich im Innenraum – leider aber auch Besuchertechnisch zunächst nur dünn besiedelt, sodass der schweißtreibende, Kauleistenzerschmetternde Hardcore der Mondseer an diesem Abend auf kein allzu eskalatives Publikum (aber hej, es gab einen Zwei-Mann-Circlepit!) zurückgreifen konnte.  Den vier nichtsdestotrotz hochmotivierten Musikern machte das aber nichts aus – sie gaben im Gegenteil nur noch mehr Stoff und setzten am frühen Abend gleich einmal eine amtliche Duftmarke ins OKH.


Auch bei den folgenden FUEL OF HATE, die nach einiger Zeit der Bühnenabstinenz nun wieder munter krawallisieren, ließen sich noch keine Massen in den Innenraum ziehen, zumal der etwas chaotische Aufbau für eine kleine Verzögerung des Beginns sorgte, der dann auch die Setlist der Schwanenstädter ein bisschen einkürzte. Aber dafür loderte der Treibstoff des Hasses, einmal in Flammen gesetzt, auf der Bühne umso heller. Das war schon ziemlich fett was Benni („Eigentlich bin i a lieber Knödel“, später des Abends auch als Tonmensch allseitigen Vertrauens gesichtet) und Konsorten da auf der Bühne abzogen. Fettes, proggiges Todesgerumpel mit knackiger Core-Schlagseite konnte auch bei den Besuchern Interesse generieren, sodass sich der Haufen vor der Bühne gegen Ende hin doch deutlich vermehrte.


Dass den Wienern von ENEERA anschließend die Zuseher wieder abhanden kamen lag wohl weniger an der Vorstellung der Band, als am schönen Wetter und am in der Bar übertragenen Champions-League-Spiel, das hinten raus doch ein erkleckliches Häufchen an Leuten abzog. Trotz hochmotivierten Auftritts und richtig Pfeffer im Arsch konnte der groovige, bisweilen mit etwas Thrash-Kante vorgetragene Schwermetall, der die Stormbringer-Abordnung nicht nur wegen Optik und Stageacting des Sängers Pujan schwer an SEPULTURA erinnerte, nicht wirklich durchzünden. Vielleicht war es aber auch einfach zu heiß zum eskalieren, so wie sich die Hitze im OKH schön langsam aufbaute... da hätten sich ENEERA definitiv eine bessere Kulisse verdient gehabt!


Das Spiel war wohl nicht übermäßig interessant, so fanden sich zu UNDER DESTRUCTION aus der Steiermark, die sich nicht zum ersten Mal ein Stelldichein in der Gegend gaben, dann doch um einiges mehr Leute ein. Zwar herrschte weiterhin ein reges Kommen und Gehen, doch vor der Bühne gaben die Besucher ganz ordentlich Gas. Genauso wie die Band, die mit ihrem fetten Brett aus melodischem Todesmetall die Wände im OKH erstmals richtig zum Wackeln brachte. Erste zaghafte Moshpit-Versuche und eine erkleckliche Anzahl an Haarpropellern, sowie inzwischen kräftig schwülheiße Atmosphäre, untermauerten den starken Auftritt von UNDER DESTRUCTION, die hoch und heilig versprachen wieder einmal vorbeizuschauen. Ein Aufguss wäre bei diesen Saunatemperaturen jetzt schön...


Was dann aber direkt im Anschluss bei WE BLAME THE EMPIRE abging, war kaum noch in Worte zu fassen. Auf einmal war die Halle proppenvoll, als Borsti und Konsorten Brachialmelodisches vom Feinsten vortrugen und nicht nur die Stimmung im OKH, sondern auch das Thermometer durch die Decke ging. Zwischen Wall Of Death und mehreren Ciclepits eskalierte das Publikum so dermaßen, dass es schon zur Hälfte des Gigs begann von der Decke zu tropfen und Brillen und Kameralinsen in der schwülen, dunstgeschwängerten Hitze beschlugen. Ob auf oder vor der Bühne, geschwitzt wurde was der Kadaver hergab, aber niemand wollte sich den Abriss entgehen lassen, den WE BLAME THE EMPIRE an diesem Abend in Stein meißelten. Die sich verselbständigende Stimmung schaukelte sich immer weiter auf, von Fronter Borsti gekonnt angeheizt, indem er immer wieder mit dem Mikro die Gesangeskünste der Zuschauer abprüfte, und von einer Gänsehaut-Akustikversion von „When The Leaves Are Turning Red“ auf die Spitze getrieben. Dass Gast-Gitarrist und  -Vokalist Stevo von KILL THE LYCAN für seinen Auftritt zunächst sein Gitarrenkabel vergaß, wurde zum Schmunzel-Detail des großartigen Auftrittes, zumal sich auch noch Chris (KILL THE LYCAN) und Thomas (ua CALL THE MOTHERSHIP) im Verlaufe des Abends ein Gesanges-Stelldichein auf der Bühne gaben. Als dann zur Zugabe alle Dämme brachen, Crowdsurfer gesichtet wurden und ein Besucher sogar im Handstand über die Bühne marschierte, war klar: Das hier war eine Once-In-A-Lifetime-Experience. Was für ein unfassbarer, vor allem unfassbar HEISSER Gig! Aufguss, bitte!


Als nächstes knallten in der OKH-Sauna dann KILL THE LYCAN den Besuchern ein Statement melodisch-mitreißenden Metalcores vor den Latz. Auch mit neuem Mitstreiter haben KILL THE LYCAN nach fast dreijähriger Bühnenabstinenz rein gar nichts aBiss eingebüßt, so wie es da im OKH im Gebälk schepperte. War der Auftritt von WE BLAME THE EMPIRE schon kaum noch zu toppen, legten KILL THE LYCAN mit ihren nicht minder eingängig-brutalen Songs noch einmal nach und trieben die Temperaturen in der Halle zu neuen Höchstwerten. Fronter Chris gab wirklich alles und auch musikalisch konnten sich seine Mitstreiter trotz tropfender Bühnenpräsenz (man hatte Angst, dass jeden Moment einer der Musiker schmelzen könnte!) hervortun. Lediglich das Publikum, deutlich Angeschlagen vom vorherigen Saunagang, schwächelte gegen Ende ein wenig, wurde aber von den hochmotivierten und mit Hummeln im Arsch agierenden KILL THE LYCAN immer wieder angetrieben. Was für ein Brett. Aufguss, bitte!


Und als wir dachten es geht nicht mehr, da kamen noch ALL FACES DOWN daher! Österreichs Aushängeschild in Sachen Post-Hardcore ließ nichts anbrennen und fütterte das bereits aufgewärmte Publikum mit seinen Ohrwurm-Hymnen, die begierig aufgesogen wurden. Inzwischen hatte die Temperatur einen Punkt erreicht, an dem es nur noch schwer möglich war die Contenance zu bewahren – so mancher musste zwischendurch kurz w.o. geben und für Flüssignahrung in die Bar wechseln, war doch der Dunst im OKH inzwischen so dick und schwer, dass man aus der Luft schier einen Würfel schneiden und hinaustragen hätte können. Ein großes Kompliment an dieser Stelle an ALL FACES DOWN, die wirklich alles gaben und trotz gefühltem Hektoliterweisen Flüssigkeitsverlust in Form von Schweiß eine ultra-energiegeladene, mitreißende Show auf die Bretter zauberten. Die nicht minder schwitzende Damenwelt vor der Bühne schmachtete und sang was das Zeug hielt und ließ den Wiener Vierer hochleben – auch hochverdient, wie man sagen muss! Zur Zugabe „Moments“ ging es noch einmal so richtig rund, ehe ein wirklich nach allen Regeln der Kunst zerlegtes Publikum in allen Aggregatszuständen aus der Hallensauna kroch. Aufguss, wo ist der verdammte Aufguss?!
 

Nach etwas verhaltenem Beginn aufgrund des schönen Wetters draußen, entwickelte sich das Burn Down The District XXL im Verlaufe des Abends dank fettem Lineup zu einem wahren Brecher von Festival, das sich für diese Wahnsinnsstimmung gerne einen Orden anheften darf. Ausverkauftes Haus, beste Stimmung, blendend aufgelegte Bands, perfekte Organisation – was will man mehr? Die Stormbringer-Abordnung indes windet nun erst einmal ihre Klamotten aus und legt das Equipment wieder trocken, ist aber jederzeit bereit für eine Rückkehr in die OKH-Sauna!

Eine vollständige Dokumentation der Hitzeentwicklung mittels beschlagenem Objektiv gibt es bei Images Of Pain And Pleasure.


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