17.05.2018, Leipzig, Leipzig

Wave Gotik Treffen 2018 Teil 1

Text: Werner Nowak | Fotos: Werner Nowak
Veröffentlicht am 01.06.2018

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ANREISETAG

Jedes Jahr zu Pfingsten machen sich tausende durchwegs schwarz gekleidete Menschen auf zur Pilgerfahrt in die ehemalige DDR. Genaugenommen in die Stadt Leipzig. Hier findet nämlich das “Wave Gotik Treffen” oder kurz WGT statt.

Der Grundstein für das Event wurde bereits vor dem Mauerfall gelegt, doch 1992 fand dann quasi das erste öffentliche Event statt und zog Jahr für Jahr mehr Besucher aus der “Schwarzen Szene” an. Inzwischen sind es jährlich um die 20.000 Besucher. Bei mir war es dieses Mal der 16. Besuch, und mein erster Einsatz mit der Kamera für Stormbringer. Und natürlich gab es auch die eine oder andere Band, die kompatibel mit dem musikalischen Spektrum dieser Seite ist. Wobei ich zwei der Highlights ausgelassen habe, da ich diese ein paar Tage zuvor bereits beim Vienna Metal Meeting vor der Linse hatte, nämlich TIAMAT und DOOL.

Somit reichte diesmal die Bandbreite meiner besuchten Konzerte von Nordic- und Dark-Folk über Mittelalter-Pop, Post Punk, Shoegaze, Ritual und Industrial bis hin zu Dark Ambient. Die Konzerte finden in Venues quer über die Stadt verteilt statt.
Das stellt natürlich auch immer logistisch und zeitlich eine Herausforderung dar. Wie üblich war’s bei mir leider auch dieses Jahr so, dass bis zu vier für mich interessante Bands quasi gleichzeitig an vier verschiedenen Spielstätten aufgetreten sind. Aber nicht nur Live-Performances stehen beim WGT am Programm, es gibt den Mittelaltermarkt und das Heidnische Dorf inklusive einer Menge Ständen mit Speis, Trank und sonstigem Tand. Im Angebot sind auch freier Eintritt in Museen, Führungen am Friedhof, Lesungen, Picknicks, die Shopping-Meile in der AGRA-Halle und natürlich Parties bis zum Abwinken inkludiert!

Donnerstag ist quasi noch der Warm-Up-Tag mit nur einer Handvoll Bands und Parties. Für mich steht hier traditionell immer die Moritzbastei am Programm. Das ist eine der genialsten Locations des Festivals mit mehreren Bars und Räumen, in denen man mehr oder weniger gemütlich (je nach Besucheranzahl) ein Getränk kippen oder einen der Dancefloors zum Tanzen oder für Konzerte aufsuchen kann.

FREITAG

Freitag ging’s dann aber richtig los und mein Weg führte mich in den Volkspalast, in dem abwechselnd in der Kuppelhalle und in der “Kantine” die Künstler auftreten. Der ehemalige DDR-Prunkbau ist auch super von der Innenstadt aus mit der Straßenbahn zu erreichen. Gratisfahrten mit den Öffis sind übrigens im WGT-Ticket inkludiert!

Erster Programmpunkt war PHIL SHOENFELT & SOUTHERN CROSS. Die Band um den britischen Künstler, der bereits in den 1970er-Jahren mit (Post)-Punk Bands bekannt wurde, bot hier eine Mischung aus punkigen, rockigen und bluesigen Tracks.

PINOREKS

Mit den deutschen PINOREKS ging’s in der Kantine postpunkig weiter. Der Sänger hatte sich wohl einige Moves von Ian Curtis abgeschaut und mit den Don Johnson-Sonnenbrillen wurde das 80s-Feeling noch verstärkt. Alles in Allem aber ein sehr unterhaltsames und dynamisches Set und in den ersten Reihen wurde schon etwas zumgezappelt.

ARGINE

Deutlich ruhiger war dann die Performance von ARGINE. Die Italiener spielen melancholisch-romantischen Folk mit Rockeinschlag, der in ähnlicher Form auch von etlichen ihrer Landsmänner gepflegt wird. Teilweise mit Akustikgitarre und Violine präsentiert, tauchten die Stücke die Kuppelhalle in eine wundervolle Klangkulisse.

Ein musikalisches Kontrastprogramm erwartete mich dann in der Kantine. Ein weiterer Musik-Veteran, der größere Bekanntheit eher durch sein Folk-Projekte DEATH IN JUNE und SOL INVICTUS erlangte, hat drei neue Musiker um sich geschart und die Kult-Punk-Formation CRISIS wiedebelebt. Die Rede ist von Tony Wakeford. Bereits 1977 gründete er mit Douglas Pearce (später auch DEATH IN JUNE) die Band, die 1980 bereits wieder aufgelöst wurde. Den Gesang übernimmt aktuell Lloyd James (NAEVUS). Da die Herren nun schon alle im gesetzteren Alter sind, durfte man sich natürlich keine exzessive Hardcore-Punk-Performance erwarten, aber die Songs mit ihren politischen, regierungskritischen und antifaschistischen Texten haben auch heute noch ihre Berechtigung und wurden souverän präsentert.

ROME

Den Abend beschlossen ROME, die ich in der aktuellen Live-Zusammensetzung weit besser finde als noch vor etlichen Jahren mit sieben und mehr Musikern. Denn manche Songs rocken inzwischen richtig! Wirklich schubladisieren kann man den Sound aber nicht. Elemente aus Folk, Chanson aber auch Pop und Rock finden Eingang in die Stücke und darüber thront natürlich die einzigartige Stimme von Mastermind Jérôme Reuter (der seine musikalische Laufbahn übrigens in Black Metal- und Punk-Bands startete).

Die Aftershowparty wurde dann im Tanzcafe “Ilses Erika” absolviert. Ein kleines aber feines Etablissement mit guter Getränkeauswahl und quasi echter Wohnzimmeratmosphäre.

Mehr Bilder vom ersten Tag gibt's auf stills.eraserhead.at!

SAMSTAG

DEATH IN ROME

Abseits des offiziellen WGT-Programms gibt’s auch die eine oder andere “externe” Veranstaltung. Am Samstag war dies zum Beispiel der Auftritt meiner Freunde von DEATH IN ROME bei der “Blauen Stunde”. Ort des Geschehens war ein kleiner, verfallener und von Graffities überzogener Tempel in der Nähe des Parkschlösschens, unweit des Heidnischen Dorfes. Das besondere an dem Projekt ist, dass bekannte Pop-Songs in klassischen Neo-Folk umarrangiert werden. Und so gewinnen Titel wie "Love Is A Battlefield" (Pat Benatar) oder "What Is Love" (Haddaway) [Hui! Anm.d.Korr.]ein ganz neues Feeling. Aber auch "Love Will Tear Us Apart" von JOY DIVISION funktionierte in der DEATH IN ROME-Version wunderbar!

Gleich um's Eck führte mich dann der Weg zum nächsten Auftritt. Auf der einzigen etwas größeren Open-Air-Bühne des Festivals im Heidnischen Dorf präsentierten HEKATE sowohl Stücke aus ihrem neuen Album “Totentanz” als auch ältere Stücke. Die Einflüsse reichen dabei von Klassik über Neo-Folk bis hin zu Mittelalterklängen.

QNTAL

Das Mittelalter stand auch Pate für den Sound der nachfolgenden Band QNTAL (ausgesprochen „Kan-tall“). Die Künstler vertonen altertümliche Texte und moderne Gedichte mit akustischen Instrumenten und verbinden diese mit elektronischen Samples und Synthesizer, Schlagzeug und teilweise E-Gitarre. Ein guter Teil der Stücke war vom neuen Album “VIII - Nachtblume”, aber natürlich waren auch Klassiker wie “Ad Mortem Festinamus” oder “Veni” mit dabei.

WARDRUNA

Das letzte Konzert des Tages war dann mein persönliches Highlight des WGT, daher flugs ein paar Schritte rüber zur AGRA-Halle! Als ehemalige Messehalle hat diese zwar die Größe eines Flugzeughangars, und leider auch ein dementsprechendes Ambiente. Für die Künstler, die nun kommen sollten, leider absolut unpassend, denn das war das Nordic Folk-Projekt WARDRUNA des Norwegers Einar „Kvitrafn“ Selvik (sein Projekt Hugsjá hatte ich ja im April beim Roadburn gesehen).

Aber zum Glück wurde es besser als befürchtet! Ein minimalistischer Bühnenaufbau und eine stimmungsvolle Beleuchtung des über die ganze hintere Bühnenfläche gehenden Vorhangs schufen eine passende Atmosphäre, zum Auftakt wurden die Luren geblasen - riesige, metallene Hörner, und auch das mittig positionierte Schlagwerk war eine optische sehr interessante Konstruktion! Die Songs werden natürlich von der Stimme Selviks getragen, teilweise unterstütz von Sängerin Lindy Fay Hella. Aber auch die Verwendung von verschiedenen traditionellen Instrumenten wie Laute, Flöte oder Maultrommel trägt zum einzigartigen Sound der Band bei. Ich habe das Konzert bis zur letzten Minute genossen und freue mich schon auf ein Wiedersehen und -hören beim "Tons of Rock" in Norwegen. Dann auch in passenderer Umgebung ...

Da die Stunde schon fortgeschritten war gab’s keine Aftershowparty mehr und es ging direkt ins Hotel. Schließlich standen noch zwei weitere Festivaltage am Programm!

Mehr Bilder vom zweiten Tag gibt's auf stills.eraserhead.at!

 


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