01.06.2018, Rockhouse, Salzburg

MYSTIC PROPHECY & VICTORIUS & EMERALD SUN

Veröffentlicht am 07.06.2018

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Tatort ROCKHOUSE BAR SALZBURG: Das Konzert der zwei derzeit angesagtesten Volks-Metal-Acts NAPALM DUO und MISTHAUFENTERRORISTEN ist schon seit Monaten ausverkauft. In den diversen und einschlägigen Internetportalen werden die Tickets für diesen Event für ein Vielfaches unter das Volk gebracht. Außerdem tauchen im Vorfeld Gerüchte auf, dass beide Bands ihre letzten Alben nicht selber eingespielt haben und diverse Parts von bekannten Studiogrößen übernommen wurden. Aber ein Musikantenstadl-erprobter Szenekenner beruhigt die aufgebrachten und amoklaufenden Fans mit der Aussage: „Was zählt ist der Gesang, solange der echt ist, passt das doch, oder?“ Schon beim Einlass kommt es zu tumultartigen Auseinandersetzungen, weil vielen Krachlederhosen- und Dirndlträgern, die ohne gültige Eintrittskarten angereist waren, der Zutritt verwehrt wurde. Außerdem wurden akribisch die personifizierten Karten kontrolliert und wenn der richtige Name nicht drauf stand, verwehrte Szeneveteran und Rockhouse-Original Franz mit den Worten „Du kannst hier nicht rein!" den verdutzten Leuten den Eintritt.

Naja, das hat man sich von den ganz großen Rockstars abgeschaut, um den Schwarzmarkt ein wenig unter Kontrolle zu bringen. Dennoch mussten einige Fans tief in die Tasche greifen, um überhaupt ins Rockhouse zu gelangen. Sachen gibt’s!
Als ich die Halle betrat, war sie zum Bersten gefüllt, das Kondenswasser tropfte von der Decke und zerstörte die vielen von Friseusen gestylten Dauerwellen. Kurz bevor die Show begann, ging vor der Halle gar nichts mehr. Die Traktoren und ein Mistwagen der Fans blockierten die Einfahrt und mussten erst mal entfernt werden. Das NAPALM DUO hatte dann vierzig Minuten Zeit, um die süchtig wartenden Fans mit Songs vom neuen Album „Schlumpf Brigade“ so richtig auf den Headliner einzustimmen. Pünktlich um neun Uhr kamen die Mannen rund um Fronter Posi Liofuckis auf die Bühne und schmetterten grandiose Versionen von „Jodel Till Death", "Grill Em All" und "Pussyshaker" ins Publikum. Die Fans dankten es ihm, und schon flogen die ersten mit Edelweiß bestickten Untermieder und ein paar verschwitzte Liebestöter auf die Bühne.

Gitarrist Bärti Pool und Basstier Föni Roxx malträtierten ihre Instrumente als gäbe es kein Morgen. Natürlich war die bildhübsche Bassistin der absolute Blickfang. Die Bierbauchfraktion in der ersten Reihe war spitz wie Nachbars Lumpi und jeder wollte den besten Platz ergattern um der Bassistin, die ein T Shirt mit tiefem Dekolletee trug, in den Ausschnitt glotzen zu können. (Schämt euch ihr Ferkel!) Nach rund zwei Stunden brachialer, infernaler Musik läuteten altbekannte Trompeten und Fanfarenklänge den Song „The Final Killhammer“ ein. Bei der Zugabe wurden noch mal volle Geschütze aufgefahren und heftige Kanonenschläge beendeten den Song „For Those About To Jodel (We Kill, You Die)". Die Florian Silbereisen-Fraktion stand Kopf und feierte die Band noch Minuten lang mit Standing Ovations. Hüte, Gamsbärte und einige XXL-Büstenhalter flogen nochmals auf die Bühne. Dann ein Schrei mitten in der Nacht. Ich wache schweißgebadet auf und kann mich auch jetzt noch kaum von diesem krassen Alptraum erfangen.

 

Zugegeben, ich habe schon so einen ähnlichen Bericht veröffentlicht, nur leider habe ich diesmal einen richtig dicken Hals und ich habe keine Lust ein Konzertreview zu schreiben. Warum auch? Das ist relativ easy erklärt. Da reißt sich ein Veranstalter den Arsch auf, um tolle Bands nach Salzburg zu bringen und was macht ihr? Ich habe mindestens 20 Leute am Tag des Konzertes angerufen, um sie noch mal zu erinnern. Jeder hatte eine andere Ausrede, der eine war müde, beim anderen hatte der Hamster die Tage, einer war angesoffen (zu Mittag?) und einer ist beim Erdbeerenpflücken von der Leiter gefallen! Geht’s noch? Aber bitte dann nicht groß das Maul aufreißen, wenn die Veranstalter nur mehr Hip Hop, Schlager und andere Musik buchen.

Also liebe Freunde des Rock und Metal, das könnte bald bittere Realität werden. Wenn die Konzerte hierzulande weiter so schlecht besucht werden wie die Shows von ORDEN OGAN, SERIOUS BLACK, FIREWIND etc., werden diese Events bald mal aussterben und in unseren geliebten Konzerthallen, könnten dann andere Musikgenres Einzug halten. Ich weiß, dass ich jetzt ein klein wenig übertrieben habe, aber so ein Horror-Szenario möchte ich mir auf alle Fälle ersparen. Und noch eines sollte klargestellt werden, nämlich dass ich mit diesem provokanten Seitenhieb keinen und niemand verunglimpfen, beleidigen oder ähnliches wollte oder möchte. Alle Bands, Namen und Songtitel sind natürlich frei erfunden.

Als Protest gibt es diesmal keinen ausführlichen Bericht mit Songtitel, Setlist, sondern nur einen kleinen Rückblick. EMERALD SUN aus Griechenland machten ihre Sache recht ordentlich und haben einen Ausnahmesänger in ihren Reihen. Daumen hoch! Bei ihrer Show waren cirka 25 Nasen in der Halle – eigentlich eine Schande. VICTORIUS sind sowieso immer ein Garant für eine unterhaltsame Metal-Vollbedienung. Die Songauswahl war perfekt, also kann man der Band insgesamt einen tollen Auftritt bescheinigen.

Was soll man zu MYSTIC PROPHECY noch gross sagen? Einfach nur grandios! Sie legten das ehrwürdige Rockhouse in Schutt und Asche. Schon mit dem Opener „Kill The Beast" zeigten die Jungs und das Mädel klar, wo der Power Metal-Hammer hängt. MYSTIC PROPHECY, die sich hauptsächlich auf ihre Klassiker konzentrierten, stellten unmissverständlich klar, dass sie auch im siebzehnten Jahr nach ihrer Bandgründung kein bisschen leiser treten wollen.

Wobei kein Kunststück, wenn man sich auf Nummern wie „Killhammer“ oder „War Panzer “ stützen kann. Auffallend auch, dass die drei Coverversionen neben dem Rausschmeißer „Ravenlord“ eine erstaunlich gute Figur abgaben. Wohl eine der besten und unterbewertetsten Powermetal-Bands, wenn es um Bühnenpräsenz und Spielfreude geht!

Tja, liebe Leute, ihr habt echt was verpasst. Lasst die Metal-Szene nicht den Bach runter gehen und besucht wieder mal einen kleinen Club-Gig. Die Bands und die Veranstalter werden es euch danken und hoffentlich wird sich der oben erwähnte Traum nicht bewahrheiten, denn dann Gute Nacht. Und bitte hört mir dann auf zu sagen, dass früher alles besser war - das zählt dann mit Sicherheit nicht mehr. Und wenn ihr es noch nicht kapiert habt, dann geht alle zu METALLICA und zahlt 700 Euro. Leider kein Witz, wurde für die Show in Stuttgart am Schwarzmarkt bezahlt. Aber bei einer Show mit 3 Bands und 22 Euronen Eintritt jammern. Also, Fans in Salzburg und auch sonstwo, ihr braucht wieder mal einen kräftigen Tritt in den Arsch.


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