02.06.2018, Freizeitpark Micheldorf, Micheldorf

PUDDLE OF MUDD

Text: Florian Rosenberger | Fotos: Reinhold Strasser
Veröffentlicht am 10.06.2018

» Hier gehts zur Galerie...

PUDDLE OF MUDD in Micheldorf – Oberösterreich! Nicht nur ich konnte die Ankündigung der ersten Österreich-Tour der ehemaligen Post-Grunge Helden mit Station in der malerischen Voralpengemeinde nicht recht glauben. Manche vermuteten dahinter ein Cover-Band Event, was es in letzter Zeit doch des Öfteren im österreichischen Raum zu sehen gibt. Aber nein, Wes Scantlin höchstpersönlich spielte – zwar mit einer neuen Bandbesetzung, aber immerhin mit Musikprofis – in der eigentlich für ein Rockkonzert fast zu schönen Location (SIMM-City deluxe am Lande quasi, wer die neue Planet-Music Location in Wien kennt).

Irgendwie ging nicht nur ich ursprünglich von einem großen Open-Air Event aus, wie es Tags zuvor REVOLVERHELD beim „Gmunden Rockt“ vorexerzierten. Die großen Chart-Erfolge von PUDDLE OF MUDD sind aber leider aber schon über 15 Jahre her und somit lockte der internationale Headliner dann viel zu wenig Besucher in die über 800 Besucher (ohne Galerie) fassende Veranstaltungshalle. Tags zuvor war das „Explosiv“ in Graz mit 300 Leuten zwar ausverkauft gewesen, in Micheldorf rechnete man aber doch mit ein paar mehr Fans.

PUDDLE OF MUDD

Extrem schade, denn das Line-Up des heutigen Tages hatte nicht nur durch den Headliner, sondern auch durch die interessanten Tour-Support Bands PSYCHO VILLAGE, REV KIDDO und BROACH und vor allem durch den Local Support von LOXODROME ein ordentliches Package zu bieten.

Für mich waren eben die Pettenbacher Heavy-Rocker LOXODROME die Gewinner des Abends. Schon über 15 Jahre gibt es die Band, die bereits 2004 bei stormbringer mit ihrem Debüt „Down To Earth“ für Furore sorgten. Auch die weiteren Releases konnten überzeugen. Mit ihrem Opus Magnum-Album „Mirrors“ aus dem Jahre 2013 wurden an diesem Abend die ersten 50 Besucher für das frühe Erscheinen belohnt. Und dieses Album kann getrost als internationale Visitenkarte für den eingängigen, aber eigenständigen harten Rock von LOXODROME gelten. Absolut souverän präsentierten sich hier die Oberösterreicher, stahlen damit den eigentlichen Toursupportbands aus meiner Sicht die Show und durften sich zwar nicht über eine große Zuschauerschar, aber zumindest den besten Sound des Abends freuen!

BROACH aus München, die ebenfalls bereits erstklassige Alben („Fall To Rise“ und „My Darkest Hour“) produziert haben, starteten danach mit vollem Elan in ihr kurzes knackiges Set. Neben den fetten groovigen Riff ist vor allem die Stimme von Sänger Andreas Kofler das Aushängeschild der Band, die beizeiten an den großartigen Scott Stapp von CREED erinnert. Die Show der Münchner war sehr professionell, doch nach einem starkem Start konnten mich BROACH dann leider mit den soften Balladen-Klängen nicht mehr komplett überzeugen. Ich würde mir die Band aber gerne als passenden Support von GODSMACK nochmal reinziehen.

Mit der zweiten deutschen Band des Abends REV KIDDO ging es dann weiter. Durchaus professionell gab die Band um die „deutsche Lizzy Hale“ mit einer auf High Heels stöckelnden Bassistin ihre Songs leider bei immer suboptimaleren Soundverhältnissen zum Besten. Zumindest kann sich die Band sehr geehrt fühlen, dass Wes Scantlin bei der folgenden Show ein Bandshirt von REV KIDDO trug.

Ich kenne kaum eine österreichische Band, die wie die nachfolgenden Wiener PSYCHO VILLAGE dermaßen aggressiv ihre Facebook-Werbung präsentiert. Da steckt definitiv viel Kohle aber natürlich auch viel Arbeit dahinter, was die sehr gut produzierten Visuals zeigten. Diese blieben mir noch am besten in Erinnerung, neben dem leider schlechten Sound – welcher der durchaus guten Stimme des Sängers kaum Raum zur Entfaltung gab.

PSYCHO VILLAGE

Der Hauptgrund des Erscheinens waren aber PUDDLE OF MUDD, neben den Hits vielleicht auch die Ergründung der Frage, wie es denn so um den Zustand von Wes Scantlin steht. Dieser hat ja in den letzten Jahren durch seine Eskapaden mit einigen Konzertabbrüchen für Furore gesorgt. Einige fast schon legendäre You-Tube-Videos – die Bandauflösung während eines Konzerts oder die Beschuldigung eines Konzert-Besuchers, sein Haus gestohlen zu haben – ließen auch das Konzert in Micheldorf immer wieder in der Unsicherheit, ob dieses nicht doch frühzeitig sein Ende finden würde. Es war irgendwie schon ein durchgehend komisches Gefühl, die damaligen Chartstürmer vor so wenigen Leuten spielen zu sehen. Die andauernden Soundprobleme trugen auch nicht dazu bei, dass Begeisterungsstürmen bei der Band aufkamen.

Doch die Setlist stimmte versöhnlich. Genial der Beginn mit einem meiner Lieblingssongs überhaupt: „Control“, mit passendem BLACK SABBATH-Interlude von „War Pigs“, begeisterte mich vollends. Während des Sets fiel mir erst wieder auf, wie gut das Album „Come Clean“ eigentlich ist. Leider ging Wes Scantlin – der ja eigentlich nie lange eine fixe Bandbesetzung hatte – mit dem Zweitwerk „Life On Display“ irgendwie die Luft aus.

PUDDLE OF MUDD versuchen nun 2018 mit der Comeback-Tour – nach dem gelungenen Auftritt am NOVAROCK 2012 – die verlorenen Credits zumindest einigermaßen wett zu machen. Die Songs „Out Of My Head“, „Drift & Die” oder „Away From Me“ bewiesen, dass Wes und seine Band fähig sind, auch die nicht so bekannten Nummern auf gutem Niveau zu präsentieren. Für mich hat diese „Mini-Europa-Tour“ im Juni fast den Anschein eines Probelaufes, bevor es im September u.a. auch in die Arena in Wien oder ins Conrad Sohm nach Dornbirn geht.

PUDDLE OF MUDD

Diese Konzerte sollte man sich als Fan definitiv nicht entgehen lassen, denn neben weiteren großartigen Grunge-Songs wie “Abrasive”, “Never Change” und "Nobody Told Me“, geben die Hits gegen Ende des Konzert noch immer genug Grund vollkommen auszurasten. In Micheldorf überraschte es mich doch sehr, dass nach dem größten Hit „She Hates Me“ nach ca. einer Stunde Spielzeit noch einige weitere Songs dargeboten wurden. Das Finale beschloss das geniale “Blurry” mit den Intro-Gitarren-Harmonics für die Ewigkeit. Gute Songs sterben eben nie und hoffentlich auch nicht so schnell die dazugehörigen Musiker. Wes Scantlin scheint jedenfalls rehabilitiert und weitere Konzerte – zumindest bis zum nächsten Rückfall – für Fans ein Freudenfest zu sein.


WERBUNG: Uzziel
ANZEIGE
WERBUNG: Escape Metalcorner
ANZEIGE