17.06.2018, Rockhouse, Salzburg

STICK TO YOUR GUNS & BEING AS AN OCEAN & STRAY FROM THE PATH & FIRST BLOOD

Veröffentlicht am 24.06.2018

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Es gibt ja die einen Leute, die beschweren sich ständig, dass es in Salzburg keine anständigen (Metal-)Konzerte gibt, obwohl sie selbst bei den zahlreichen Shows, die das ehrwürdige Salzburger Rockhouse und dessen Bar alleine in den vergangenen Jahren gesehen haben, nur in den allerseltensten Fällen anwesend waren. Und dann gibt es die anderen Leute, die sich ständig wortreich darüber ergehen, dass selbige Shows ja so fürchterlich schlecht besucht wären, die in der Folge geradezu den Untergang der kompletten lokalen Szene ausrufen – aber selbst bestenfalls dreimal im Jahr das Rockhouse beehren, weil an dem und dem Tag hat man ja schon was vor, ist zu müde vom Arbeiten, das Wetter ist zu schön (Sommer) oder zu schlecht (Winter) und überhaupt mag oder kennt man diese oder jene Band ja sowieso nicht.

Obengenannte Charakteristika mögen wohl hauptsächlich auf die schon etwas in die Jahre gekommene Klientel gediegen-melodischer schwermetallischer Klänge zutreffen, die das Raunzen zur Kunst erhoben hat und ihren satten, musikalisch schon lange vollgefressenen Hintern nur noch selten aus der heimatlichen Couch erhebt, weil früher ja eh alles besser war, als noch Giganten wie RAMMSTEIN und Konsorten beinahe die Bude abfackelten, während indes die augenscheinlich noch hungrigen Fans vornehmlich jüngeren Semesters sowohl bei den kleinen Konzerten von Undergroundbands aus der Umgebung als auch bei größeren Shows in der Halle für ein angemessenes Ambiente sorgen. Dass das Salzburger Publikum bis zu einem gewissen Grad unberechenbar ist, das wissen wir bereits, doch es lässt sich für exzessive Konzertgeher mit dem Hang zur Beobachtung eine eindeutige Tendenz herauslesen – nämlich, dass die junge Riege recht nachhaltig dabei ist, das Ruder an sich zu reißen. Anders ist es nämlich nicht zu erklären, dass sich altgediente Metal-Recken mit einer halb vollen Bar zufrieden geben müssen, während sich bei Vertretern der corigen Spielarten harter Musik (die im übrigen, bezogen aufs Gründungsjahr, gerade einmal ein paar Jahre jünger sind...) der Saal füllt und die Hütte brennt.

So auch bei STICK TO YOUR GUNS, die, mit drei Supports im Schlepptau, einem proppenvollen Rockhouse ganz gewaltig einheizten. Ganz ehrlich, ihr „Untergang des Abendlands“-Schreier – zieht euch das mal rein, dann reden wir weiter, ob die Salzburger Konzertszene wirklich so am Abgrund ist, wie ihr behauptet. Ja, auch dieser kleine Schreiberling hier hat in der Vergangenheit öfters kleinere Schimpftiraden über schlecht besuchte Konzerte losgelassen, doch in letzter Zeit gab es dafür nur noch selten Anlass – deshalb an dieser Stelle ein großes Lob an die Metalheads aus der Umgebung, egal ob Extreme, Melodic oder Core – weiter so! Und traut euch ruhig auch einmal auf Genre-fremde Sachen, so wie auch euer Berichterstatter hier – vielleicht erlebt ihr ja eine Überraschung!


Denn was gleich die erste Band des Abends, FIRST BLOOD, hinlegte, das war schon nicht so schlecht! Eine tighte, Breakdown-lastige Show, irgendwo in der Schnittmenge von Hardcore und Metalcore lieferte gleich einmal die erste musikalische Breitseite des Abends. Das Riffgewitter animierte bereits so einige Besucher zur frühen Stunde die Gliedmaßen durch die Gegend zu werfen, dennoch wollte trotz des energiegeladenen Auftritts noch nicht so die angemessene Stimmung aufkommen, da ein Gutteil des Publikum aufgrund der vergleichsweise frühen Beginnzeit erst im ankommen begriffen war. Unterm Strich hätten sich FIRST BLOOD besseres verdient gehabt, doch der kräftige Applaus des gegen Ende hin deutlich zahlreicheren Publikums entschädigte angemessen.


Ganz anders danach schon die Sache bei STRAY FROM THE PATH, die mit lässigem Hardcore-Punk vom Fleck weg zünden konnten. Alsbald öffnete sich der erste größere Pit und die Moshpit-Action konnte beginnen. Zwar erwies sich der Bass als ein klein wenig zu dominant, was die groovigen Schrammelriffs stellenweise etwas auffraß, doch dafür klappte die Publikumsmotivation perfekt und man konnte sich über jede Menge Bewegung im Zuschauerraum freuen. Erfreulich viele textsichere Anwesende sorgten für eine ansprechende Geräuschkulisse, die die treibenden Klänge auf der Bühne kongenial unterstützte. STRAY FROM THE PATH machten richtig Laune und Bock auf Party und konnten dafür dann auch verdient die entsprechenden Beifallsbekundungen der Salzburger abholen.


Düsterer auf der Bühne und ruhiger im Sound wurde es bei BEING AS AN OCEAN, die trotz durchschimmernden, soliden Core-Bettes eine Exotenstellung im Billing einnahmen. Deutlich melodischer und runder als ihre beiden Vorgänger und mit vielen getragenen, atmosphärischen Passagen nahmen BEING AS AN OCEAN das Tempo des Abends ein wenig heraus und sorgten für eine gewisse Entschleunigung des Konzertes. Wäre da nicht der hier eindeutig zu laute Sound gewesen, hätte man die Amis durchaus gechillt genießen können, zumal sich auch ein überraschend großer Teil des Publikums als ziemlich textsicher herausstellte – was der engagierte und hochmotivierte Fronter Joel immer wieder bei seinen zahlreichen Ausflügen an die Barrikaden oder mitten ins Publikum persönlich austestete. Leider hatten BEING AS AN OCEAN aber letztlich, aufgrund ihrer stilistischen Andersartigkeit im Vergleich zu den Bühnenvorgängern und dem was noch kommen sollte, eher die Wirkung einer akustischen Schlaftablette, als die Stimmung für den Headliner anzuheizen. Das sollte man nun aber bitte nicht falsch verstehen, zumal die Zuschauer durchwegs angetan waren und die gebotene Qualität auch honorierten, doch BEING AS AN OCEAN passten einfach nicht wirklich dazu.


Hatte man noch Bedenken, der Abend könnte ausgebremst worden sein, zerstreuten STICK TO YOUR GUNS die Befürchtungen in Sekundenschnelle – erwiesen sich die fünf energiegeladenen, Luftsprünge am laufenden Band vollführenden Kalifornier doch ohnehin als Selbstläufer, die die Besucher von der ersten Sekunde weg fest an den Eiern hatten. Irgendwo zwischen rifflastigem Core mit kräftigem Gekreische und melodischen Ohrwurmtiteln mit Cleangesang spannte sich der genretechnische Bogen, der den Rockhouse-Saal in eine große Partyzone verwandelte. Da sauste auch schon der erste Crowdsurfer vorbei, während es im gefühlt mehr als die halbe Halle einnehmenden Moshpit so richtig zur Sache ging. Unnötig zu erwähnen, dass die Zuschauer auch durch die Bank mit Textsicherheit glänzen könnten, was sie auch in beeindruckender Lautstärke zur Schau stellten. Am generellen Sound von STICK TO YOUR GUNS konnte man mit dem erneut etwas zu laut hämmernden Bass zwar ein wenig herummäkeln, dafür gab es am Rest der Show so gar nichts auszusetzen – höchstens vielleicht an der im Hardcore typischen Kürze, in der zwar in diesem Fall auch die Würze lag, aber dennoch hätte man der Speerspitze der amerikanischen Core-Strömungen gerne noch etwas länger gelauscht! Doch das dadurch relativ frühe Ende des Konzertes hatte auch seine guten Seiten – nämlich ein bisschen zusätzlichen Schlaf für den folgenden Montag. Das abkühlende Donnerwetter draußen vor der Halle, das für einen nachhaltigen Stau im Ausgangsbereich sorgte, hätte man danach zwar nicht unbedingt gebraucht, doch eigentlich gab es nach einer schweißtreibenden Show eine ganz willkommene Abkühlung.

Wir halten also fest, dass man auch als weniger genre-affiner Besucher mit dem gebotenen Viererpaket bestens bedient wurde. Im Falle des Berichterstatters blieb sogar ein recht hartnäckiger Ohrwurm vom aktuellen STICK TO YOUR GUNS-Album „True View“ zurück, der nicht einmal von übelstem Death/Grind-Gegurgel einige Tage später gelöscht werden konnte. Alles richtig gemacht! Wir sehen uns garantiert wieder...

Weitere Fotos des Abends findet ihr bei Images Of Pain And Pleasure.


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