7.6.2018, Sölvesborg, Sölvesborg

SWEDEN ROCK 2018 - TAG 2

Text: manfred
Veröffentlicht am 27.06.2018

TAG 2, Donnerstag

 

Bei BATTLE BEAST hat man das Gefühl, Sängerin Noora will das Publikum mit Haut und Haar fressen, so legt sich die platinblonde Amazone ins Zeug. Kracher wie "Straight To The Heart", „King For The Day" und „Black Ninja" aus der coolen Songauswahl fallen im Publikum auf fruchtbaren Boden und die Mitsingdichte im Publikum ist extrem hoch. BATTLE BEAST liefern eine unglaublich tighte Performance ab, die vom Publikum geradezu aufgesogen wird. Zum abschließenden "Beyond The Burning Skies" gehen die Leute noch einmal so richtig ab und die Finnen werden mit lautem Applaus bedacht.

      

 

                   

BUCKCHERRY und NAZARETH waren recht nett zum Ansehen, hauten mich aber nicht sonderlich vom Hocker

Im Gegensatz zu BATTLE BEAST, lassen es die Schweden AVATARIUM auf der 4Sound-Stage weitaus ruhiger angehen. Nach leichten Soundproblemen zu Beginn legt Sängerin Jennie-Ann Smith aber ihre Zurückhaltung ab und kommt gut in Fahrt. Auch beim Rest der Band um Gitarrist Marcus Jidell (EVERGREY) ist ordentlich Spielfreude zu erkennen. „Pearls And Coffins“ und „Girl With The Raven Mask“ werden anständig abgefeiert.

                                             

 

 

Als Nächster ist GLENN HUGHES auf der "Festival Stage" mit seinen Mannen an der Reihe. Und ja, der Mann hat's immer noch drauf. Das Set wird gleich mit dem Kracher "Stormbringer" eröffnet. Eine Stimme hat der Mann, zum Niederknien. In dieser Gangart geht es weiter und Hit um Hit aus der DEEP PURPLE Schaffenszeit werden in das jubelnde Publikum geschleudert. Bei "Mistreated" oder „Highway Star“ gibt es Gänsehaut pur und die Menge dankt es der Band mit lautem Mitsingen und riesigem Jubel. Mit dem Rausschmeißer "Burn" wird ein sichtlich zufriedenes Publikum entlassen.

           

 

Auf dem Weg zu THE DARK ELEMENT auf der Sweden Stage, schauen wir noch kurz bei KILLSWITCH ENGAGE auf der Rock-Stage vorbei. Ja Wahnsinn, da geht es ab. Was für ein grandioses Brett die Truppe da abliefert! Metal–Core, der dir den letzten Rotztropfen aus der Nase pustet! Da tut sich im Vergleich zu dem gemütlichen Programm auf der Festival-Stage einiges, und Sänger Jesse Leach ist wirklich ein grandioser Frontmann, der das Publikum richtig im Griff hat.

  

 

THE DARK ELEMENT mit Ex NIGHTWISH Sirene Anette Olzon liefern einen soliden Gig ab, leider ohne einen Song ihrer ehemaligen Stammband.  

                            

Bei strahlendem Sonnenschein und sichtlich gut gelauntem Publikum wird der Auftritt der australischen Rocker von ROSE TATTOO zu einem Nachmittag mit chilliger Partymusik. Es wird geschunkelt und getanzt und fröhlich mitgesungen. Mit „Rock’n‘Roll Outlaw", „Rock’n‘Roll Is King“ oder „Nice Boys " beenden ROSE TATOO ihren von guter Laune geprägten Set. Neben mir höre ich jemanden sagen: "Oh, wusste gar nicht, das dieser Song von denen ist!".

 

Gleichzeitig mit ROSE TATTOO kann auch die wohl bekannteste Band Griechenlands – ROTTING CHRIST – einen gewaltigen Erfolg verbuchen. Zwar ist Black Metal bei Sonnenschein etwas schwieriger zu genießen, dennoch wird es ganz schön eng vor der 4Sound-Stage. Es ist schön zu sehen, dass nach 30 jahren Bandgeschichte die Griechen endlich die Aufmerksamkeit erhält, die sie verdient. Die Mannen um Sakis Tolis genießen dies sichtlich.  

                  

 

Super Auftritt, und mit einem zufriedenen Grinsen im Gesicht geht's weiter zur nächsten Bühne mit einer weiteren Machtdemonstration von HELLOWEEN. Die Deutschen pfeffern ein fettes Set an Klassikern in die Menge, das, wie zu erwarten, bestens aufgenommen wird. "Halloween", "Dr. Stein", "How Many Tears" aber auch Songs aus der Andi Deris Phase wie „If I Could Fly“ oder „Power“, alles zeitlose Songs, die in Perfektion dargeboten werden! Da schwelgt man gerne in Erinnerungen und lässt die Songs auf sich wirken, bevor schon wieder die nächste Band im dicht gedrängten Programm Aufmerksamkeit möchte. Danke meine Herren, für diesen grandiosen Auftritt!

                      

IRON MAIDEN legen gleich famos mit dem Song „Aces High" los. Und mit dem unglaublichen Jubel, der ihnen beim Betreten der Bühne entgegenschlägt, haben die Herrschaften wahrscheinlich selbst nicht gerechnet. Sänger und Ikone Bruce Dickinson hält gleich von Anfang an engen Kontakt zum Publikum. Basser Steve Harris und die Axemänner  Dave Murray, Adrian Smith und Janick Gers liefern sich packende Duelle und wirbeln wie wild über die Bühne. Man kann zur Musik von IRON MAIDEN stehen wie man will, aber die Jungs zelebrieren hier höchste musikalische Qualität, verbunden mit gnadenloser Energie. Songs wie „2 Minutes To Midnight", "Clansman", "Fear Of the Dark"  „The Trooper" bis hin zu "Number Of The Beast“ kommen mit einer richtigen Wucht aus den Boxen und wiederlegen alle, die behaupten, dass es die Herren nicht mehr drauf haben. Leider ist das Spektakel  viel zu schnell zu Ende. Mit den Zugaben „Hallowed By The Name" und "Run To The Hills" donnern IRON MAIDEN nach knapp zwei Stunden schließlich zum letzten Mal über die restlos begeisterten Fans hinweg. Ich habe schon viele Konzerte gesehen, aber dieser Auftritt war Extra-, nein, Weltklasse. Angefangen von der Setlist, den Musikern, dem hammermäßigen Sound bis hin zur fantastischen Lichtshow und den wechselnden Bühnenbildern war alles perfekt. Und nein, es wirkte nicht gekünstelt oder einstudiert, denn man sah jedem einzelnen Musiker die Spielfreude und die Emotionen an. Wahnsinn.

              

 

Nach dem überragenden IRON MAIDEN Auftritt sitzt die Frisur noch immer und KREATOR geben Vollgas. Die Bühne mit den Backdrops vom aktuellen Album dekoriert, aber ansonsten ungeschnörkelt und wortkarg legen die Deutschen das Festival in Schutt und Asche. Sind dieses Jahr doch eher softere Bands vorherrschend, ist es schön, endlich wieder eine ordentliche Vollbedienung zu bekommen und „Mille Delivered“, „Phantom Antichrist“, „From Flood Into Fire“, „People Of The Lie“ oder „Violent Revolution“ – man kann gar nicht alles aufzählen. Eineinhalb Stunden – quasi eine Headliner-Show Non-Stopp nur Gutes von den Essenern. Schweden steht Kopf, es wird noch die „Flag of Hate“ aufgestellt und bei den Zugaben „Betrayer“ und „Pleasure To Kill“ wird die Bühne noch mal ein in ein flammendes Inferno verwandelt. 

                    

 

Nach dem Headliner und zeitgleich mit Kreator aufzutreten war ein etwas ungünstiger Zeitpunkt für die 60er/70er Urgesteine von COVEN. Nur eine gefühlte Handvoll Leute verirrte sich vor die Bühne um dem, nennen wir es Epic Psychodelic Rock, der Band  aus Chicago zu lauschen. Bei mir persönlich kamen die theatralisch vorgetragenen alten Hits wie „Black Sabbath“, „Coven in Charring Cross“ oder „White Witch of Rose Hall“ gut an, der Großteil des Publikums pilgerte aber anschließend an „Wicked Woman“, nachdem die Neugier gestillt war, zu Mille um den Abend etwas rasanter ausklingen zu lassen.

 

Der schwedische Ausklang am Tag 2 sind die Jungs von H.E.A.T. Der Jubel ist so laut, als die Herren die Bühne betreten, da klingelt es regelrecht in den Ohren. Mit dem Hauptaugenmerk auf ihr aktuelles Album fackeln H.E.A.T noch den Rest des Publikums ab, welche die Machtdemonstration des Headliners unbeschadet überstanden hat. Die Leute geben hier echt noch einmal alles, und das zu so später Stunde! Auch Sänger Eric gibt alles, rennt auf der Bühne herum als ob ihn eine Tarantel gestochen hätte und schafft es dabei immer wieder, sich selber anzuspucken. Immer wieder sucht er den Kontakt zum Publikum und holt somit noch das letzte aus den Leuten heraus. Mit super Sound und einer tollen Show bieten H.E.A.T ein spätes Highlight des Festivaltages und bilden so einen erstklassigen Ausklang für den Donnerstag. Eine Hammer-Show, die die Schweden da abgezogen haben!

So, und wieder dasselbe Ritual wie gestern: nach Hause, Bierchen schlürfen, diskutieren und anschließend in die Heia. Gute Nacht, bis morgen!

 


WERBUNG: Hard
ANZEIGE
WERBUNG: Escape Metalcorner
ANZEIGE