14.07.2018, Helvete, Oberhausen

STRIKER & SOLAR FRAGMENT & MESSERSCHMITT

Veröffentlicht am 24.07.2018

„Umsonst und drinnen“ lautet das Motto der neuen Konzertreihe im Helvete Oberhausen. Ganz umsonst ist es nicht, fünf Euro Mindestverzehr für Getränke sind vorgegeben (was man, außer wenn man nur Wasser trinken möchte, auch ziemlich leicht erreicht). In der Ankündigung auf Facebook klang es so als wäre alles „für einen guten Zweck“, was aber weder dort noch vor Ort irgendwo ausgewiesen wurde, also dürfte der einzige gute Zweck sein, dass Konzertbesucher noch weniger tief in die Tasche greifen mussten, als sie es sonst bei Veranstaltungen in der kleinen Location müssen.

Gratis STRIKER lässt man sich natürlich nicht entgehen. Zuvor gab es aber noch zwei lokale Vorgruppen aus Nordrhein-Westfalen.

Heiß war es an dem Sommertag, noch heißer in dem Kellerraum (ähnlich Viper Room, Wien), so verwunderte es nicht, dass MESSERSCHMITT Drummer Kristian Tamm und Sänger/Gitarrist Maik Jegszenties oben ohne auf der Bühne standen. Die Band heizte dem Publikum noch zusätzlich ein, indem man ihm Speedmetal mit voll durchgetretenem Gaspedal vom ersten Song an ins Gesicht knallte. Eine durchaus markante Band, die in Erinnerung bleibt und das sicher nicht nur wegen der beindruckenden Wallemähne Jegszenties‘, sondern vor allem wegen ihrer überzeugenden Qualitäten als Livemusiker. MESSERSCHMITT waren tight, der Sound fett und die Songs sehr solide. Neben dem Frontmann überzeugte vor allem Bassist Florian Piwek mit seiner Bühnenpräsenz.
Da die Band bisher noch nicht viele Veröffentlichungen vorzuweisen hat, wurden vor allem Songs vom Debütalbum „No Dread To Kill“ gespielt, z.B. „Hell For Leather“ (davor schon auf der Demo „Demo’lition“ erschienen) oder auch das ausgezeichnete Stück „The Eldridge“, gegen dessen Ende Jegszenties eines von mehreren guten Soli dieses Sets hinlegte (Christian Fass muss hier als ebenfalls sehr guter Gitarrist erwähnt werden), aber auch der Kracher „Gamble For Death“ von Demo „Speed Demo’n“. Am Ende das Dilemma: noch fünf Minuten Zeit und vier Songs zur Auswahl (gespielt wurden dann noch zwei kurze Nummern), einer davon ein Coversong. Darauf eine Dame aus der vorderen Reihe: „Ihr habt keine Coversongs nötig!“ Wie die Band selbst sagte: „Die ersten beiden Reihen sind Granate hier.“ Da ging richtig die Post ab. Weiter hinten war es ziemlich ruhig (abgesehen von vereinzelten Zwischenrufen).
2019 soll der Nachfolger des 2015 erschienenen Debüts folgen. Man darf gespannt sein!

„Hau’n wir rein! Rock n‘ Roll!“ – so der Schlachtruf von SOLAR FRAGMENT. Was folgt ist zwar nicht schlecht, aber gerade im direkten Vergleich zu dem was MESSERSCHMITT gerade abgeliefert hatten, etwas schwach. Der erste Song der Powermetaller, „Take Me Higher“, erinnerte ein bisschen an HELLOWEEN (“Eagle Fly Free”) aber auch EUROPE (“Wings Of Tomorrow”). Über pathetische und kitschige Lyrics darf man sich bei Powermetal aber nicht beschweren, da diese scheinbar untrennbar mit dem Genre verbunden sind. Neben Tolkien Fantasy wie “The March Of The Golems” gab es auch „historische“ Songs wie „Braveheart“ in dem es nicht um William Wallace, sondern um Robert the Bruce geht.
Musikalisch ist die Band recht solide, sehr melodisch, die Stimme von Robert Leger gut (ohne jedoch den Umfang oder die Power eines Bruce Dickinson oder Michael Kiske zu haben). Probleme gab es lediglich technischer Natur mit dem Mikrofon und Feedback. Trotzdem wirkte die Band auf der Bühne etwas farblos. In Erinnerung blieb Bassist Dominic Serwe, der immer wieder so tief mit weitem Beinen in die Hocke ging, dass man dachte, er würde jeden Moment einen Crabwalk hinlegen, wenn das die Bühne erlauben würde. Vielleicht lag es nur an der Reihenfolge der Bands, aber hier gab es ironischerweise weniger Power als im vorherigen Set. Zum Glück war es nicht ganz ernst gemeint, als vor „Moana’s Return“ angedroht wurde, hier käme „was zum Kuscheln“. „Dadurch wird es zwar nicht kälter, aber glitschiger vielleicht“, nein, kälter wurde es in dem etwas stickigen Kellerraum nicht, aber glitschiger aufgrund der Darbietung auch nicht.
Im Publikum schienen sich aber etliche Powermetal und SOLAR FRAGMENT Fans zu befinden. Zunächst war der Raum noch etwas leerer, aber zu “Hey! Hey!”-Rufen und die Faust in die Luft zu heben zu motivieren, gelang schon früh im Set, die Hände würde brav zum Intro von „Come Hell Or High Water“ hin- und hergeschaukelt, die Worte „Once And Forever“ mitgesungen und am Ende des Sets wurde BLIND GUARDIAN light vom Publikum gefeiert.

Bei Leger von SOLAR FRAGMENT fragte man sich schon, wie er es in Hemd und Baseballkappe bei der Hitze auf der Bühne aushielt, aber dann betraten Dan Cleary und William Wallace (ja, echter Name, erster in Kanada geborener Sohn einer schottischen Familie) von STRIKER die Bühne in Lederjacken! Im Publikum wird es manchen jedenfalls schon zu heiß und sie präsentieren ihre blanken Bäuche. Bei STRIKERs Auftritt ist endlich das gesamte Publikum von den ersten Takten von „Former Glory“ an entflammt. Es wird mitgeklatscht, mitgesungen, bei „Out For Blood“ gab es den einzigen Stagediver des Abends und als es vor „Lethal Force“ heißt „Let’s see if you can bang your head to this one!“ lautet die klare Antwort „ja“.
Mit „Heart Of Lies“ präsentiert man einen ersten Vorgeschmack auf das im Oktober erscheinende neue Studioalbum „Play To Win“ und der Appetithappen macht hungrig nach mehr. Ein gelungener Mix aus Speed und klassischem Heavy Metal und Hard Rock, der den typischen Stempel von STRIKER trägt und Freunde der NWoTHM glücklich machen dürfte.
STRIKER versprühen jede Menge Energie auf der Bühne und besitzen auch etwas das dem vorangegangenem Act fehlte: Showmannship. Die Band weiß sich in Szene zu setzen, mit dem Publikum und miteinander auf der Bühne zu interagieren. Zwar sind hier ebenfalls nicht alle Musiker gleich gewichtet und ist Dan Cleary als Sänger (wozu sein Organ alles fähig ist, lässt er in Songs wie „Full Speed Or No Speed“ immer wieder durchblitzen) häufiger im Mittelpunkt, aber seine Bandkollegen niemals Randfiguren, sondern ziehen auch Blicke auf sich. Zudem nimmt sich Cleary immer wieder mal etwas zurück und überlässt den Platz im Zentrum den anderen, so genießen während ihrer Soli die Gitarristen Chris Segger (z.B. bei „Crossroads“) und Tim Brown (z.B. „Too Late“) die volle Aufmerksamkeit. Selbst Adam Brown am Schlagzeug kann man nicht übersehen, wie er mit beeindruckendem Dauerlächeln seinen anstrengenden Job so leicht wirken lässt. Adam meinte darauf angesprochen (Zitat nach Gedächtnis): „That’s because I’m about to die! So I might as well die happy.“
Bevor zu „Locked In“ angestimmt wurde, gab es noch eine kleine Geschichte, wie die Band 2008 nach Deutschland kam, um sich diverse Festivals anzusehen. Man hatte schon ans Aufgeben gedacht, mit dem Sound des Demos war man nicht zufrieden, doch ergab sich bei dem Aufenthalt ein Plattenvertrag. Zehn Jahre und fünf Studioalben später beglücken sie ihre Fans in Deutschland, die danach „We want more!“ rufen. Das pseudo-französische „encore“ das man im englischen Sprachraum ruft, rollt den Deutschen offenbar nicht so leicht von der Zunge. Als Zugabe spielte die Band noch „Terrorizer“.
Wer jetzt im Sommer keine Gelegenheit hatte die Band zu sehen oder nochmal sehen möchte, darf sich auf eine Europatour (auch durch die deutschsprachigen Länder) nach der Veröffentlichung des neuen Albums im Herbst freuen.

Setliste STRIKER:
Former Glory
Born To Lose
Pass Me By
Lethal Force
Crossroads
Too Late
Out For Blood
Heart Of Lies
Full Speed Or No Speed
Phoenix Lights
Fight For Your Life
Escape From Shred City
Second Attack
Locked In
Terrorizer


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