31.08.2018, Alter Schlachthof, Wels

SEPULTURA & WARBRINGER & BLACK INHALE & UZZIEL

Veröffentlicht am 06.09.2018

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Es soll schon einmal vorkommen, dass der eine oder andere Schreiberling des Stormbringer Lofts auch einmal die eine oder andere längere Reise auf sich nimmt, um Zeuge denkwürdiger Abende zu werden. Einer dieser denkwürdigen Abende ereignete sich zweifellos am 31. August anno 2018 im Alten Schlachthof Wels, dieser sollte nämlich der Schauplatz für das Kommen des Erretters in seiner metallischsten Form werden, denn die "Machine Messiah Tour 2018" machte Halt in dieser beschaulichen Stadt inmitten des Industriezentrums Österreichs. Kleiden sollte sich dieser biblisch-mechanische Retter aber nicht etwa in Roben und Glorien, nein, dafür war seine Natur schlichtweg zu wild. Stattdessen trat genannter Messiah in der Form vier krawallwütiger Bands auf, gleich den vier Reitern, die da kommen sollen am Ende aller Tage, eine wilder und ungestümer als die nächste, bereit, die anströmenden, in Leder und Stoff gekleideten Jünger des Metal in Aufruhr zu bringen und ihnen sämtliche Energie zu rauben.

Wer diese vier Bands waren? Ihre Namen hallen seit diesem schicksalhaften Abend in den Ohren des verängstigten Schreiberlings wieder, dem aufgetragen wurde, die Ereignisse jener Nacht in Wort zu fassen: UZZIEL, die uns nach mehr Metal hungern lassen, BLACK INHALE, die uns Krankheit und Pestilenz atmen lassen, WARBRINGER, die das Land mit Krieg und Elend überziehen und zu guter Letzt SEPULTURA, die unsere erschöpften und geschwächten Körper in ihr Grabe tief in den brasilianischen Hinterlanden tragen. Was geschah in jeder Nacht? Was brachte der Machine Messiah mit sich? War es Ekstase, war es Furcht und Schrecken, vielleicht sogar alles davon? Nun, darüber soll dieser Bericht Kunde tun...

Die erste der Bands, die da kamen an jenem Abend, UZZIEL, sie waren bereits bekannt dafür, auf den Bühnen Österreichs für allerlei Krawall und Laune zu sorgen, passten daher also perfekt an den Platz jeder, die den schwarz gekleideten Massen die ersten Schübe der Ekstase dieses Abends bringen sollten. Zwar war ihnen nur ein sehr beschränkter Zeitraum für die Entfaltung ihres nicht-so-ernsten Bühnenprogramms bestimmt, doch diesen kosteten die Mannen aus dem näheren Umkreis der Location mehr als gebührend aus. Dort, wo vielleicht die musikalische Klasse der nachfolgenden Band noch nicht erreicht wurde, punkteten sie mit einer allzu sympathischen, vielleicht etwas kauzig anwirkenden Kommunikation mit dem noch relativ entspannten Publikum, das langsam, aber sicher die Hallen des Alten Schlachthofs füllte. Es wurde gelacht, indessen auch mächtig in die tief gestimmten Gitarrensaiten gehauen, Alles in Allem also ein Auftritt, der sich für die Herren von UZZIEL gelohnt haben sollte. Man merkte, dass hier eher Entertainer, die ihre Musik aus purer Freude an der Sache machen, am Werke waren und diese Freude und Kurzweil' auch die schwarze Masse vor ihnen spüren lassen wollten. Ihre heilige Mission, "uns nach mehr Metal hungern zu lassen", haben UZZIEL also erfüllt.

Setlist (ohne Gewähr!)

  • Dark Moments
  • This Fear
  • I'm Dying
  • Dementia
  • Like A God

Nun füllte langsam aber sicher immerwährende Dunkelheit die Luft des Alten Schlachthofs, Krankheit und Verderben stiegen auf die nach Metal hungrigen Zuschauer dieses gesegneten Metalabends herab - klare Vorzeichen dafür, dass nur die Zeit war, ihre Lungen mit Schwärze zu füllen, die Zeit von BLACK INHALE war gekommen. Ohne viele Schnörkel begann das, wohl dem spärlichen Platz auf der Bühne geschuldete, kleiner gehaltene, aber dafür umso verheerendere Schauspiel, das diese vier Herren den ächzenden Fans darboten. Wut und Trauer, Nachdenklichkeit und doch unbändige Kraft, das waren die Mittel, mit denen die Thrash-Macht aus Wien ihre hilflosen Opfer in ihren Bann zog.

Das im Gegensatz zu ihren Vorreitern hoch konzentriert vorgetragene Spektakel bat kaum Zeit für Verschnaufpausen, spätestens bei "The Die Is Not Yet Cast" konnte auch der kleine Schreiberling in den ersten Reihen dem rasenden Inferno, das da von der Bühne brauste, nicht länger standhalten. Umso überraschender war es, als sich die tief schwarze Luft um die Bühne herum plötzlich mit Seifenblasen füllte, die kurz die Aufmerksamkeit aller in der Halle auf sich ziehen konnten. Was das sollte? Keine Ahnung. War's geil? Allemal. Auch sollte es nicht unerwähnt bleiben, dass die werten Herren in Wels nunmehr zum zweiten Mal mit dem neuesten Mitglied in ihrer Familie auftraten: Andrés, die neue Macht an der Gitarre, zog für die Show alle Register und es schien, als würde ihn und Frontmann Schlo die gegenseitige Harmonie zu immer Größerem treiben! Wohl niemand, besonders nicht die zu vielen mitgereisten Fans der Herren, schied an diesem Abend ohne Lächeln im Gesicht von ihrem Auftritt.

Setlist (ohne Gewähr!)

  • A Doctrine Of Vultures
  • The Die Is Not Yet Cast
  • Warning
  • Losing My Faith
  • The Pessimist

Nachdem sich wenig Zeit später der dunkle Nebel, der seit dem letzten Auftritt in der Halle des Alten Schlachthofs hing, verzogen hatte, stieg nunmehr eine wallende Hitze in der Location auf. Manch einer glaubte wohl, dies auf die immer stärker hereindringenden Menschenmassen schieben zu können, doch nein, es war das Vorzeichen für das Kommen der dritten Band des Abends, WARBRINGER, die kamen, um Zerstörung und Elend über Wels zu bringen und mit Panzern und Raketen, mit Kriegsmaschinerie und dem Klang einschlagender Bomben über die arglos darstehenden Fans herzufallen und ihnen den Abrieb ihres Lebens zu verpassen! (Okay, vielleicht waren es auch wirklich die vielen Leute, aber ihr wisst schon, Theatralik und so) Doch seid gewiss, genannter Abrieb, er kam - aber wie!

WARBRINGER legten, ganz ihrem Namen entsprechend, eine Performance gleich eines wild gewordenen Bersrekers hin, kein Auge blieb trocken, der Schweiß tropfte schon beinahe von der Decke (Anm. d. Fotografs: Nicht nur beinahe. Es tropfte tatsächlich.) und die Energie und Wut der Mitglieder war kaum zu bändigen. Wer jemals die Definition eines Abrisses sehen will, dem kann man einen Auftritt dieser Band nur nahe ans Herz legen, zu keinem Zeitpunkt des Abends wurde der Brutalitätslevel so hoch getrieben, wie bei WARBRINGER. Dies war jedoch zugleich Segen als auch Fluch, denn scheinbar hatte man es hier mit dem Bass ein wenig zu gut gemeint. So wurde aus einer dröhnenden, aber so gewollten Trommelfellmassage gerne einmal die Zündung eines Nuklearsprengsatzes direkt im Mittelohr, was sogar hier etwas zu viel des Guten war! Spätestens nun waren die Körper und Geister der zahllosen Musikhungrigen, die sich an diesem Abend zusammengefunden haben, bereit, für den letzten Streich des Abends und das Kommen des Machine Messiah...

Setlist (ohne Gewähr!)

  • Silhouettes
  • Woe To The Vanquished
  • Remain Violent
  • Shellfire
  • Power Unsurpassed
  • Hunter-Seeker
  • Living Weapon
  • Living In A Whirlwind
  • Combat Shock

Die ersten Vorzeichen für das große Finale dieses durch Stahl gesegneten Abends wurden nun immer stärker spürbar: Immer mehr und mehr Menschen versammelten sich nach und nach in den noch hell erleuchteten Hallen, die Luft, sie wurde von Sekunde zu Sekunde dichter, die Spannung, sie stieg immer weiter an. Bald schon sollten die altehrwürdigen Grabesmeister von SEPULTURA kommen und diesem bisher großen Abend nunmehr ihren Stempel aufdrücken und ihn letztendlich auch zu seinem Ende zu bringen. Dies geschah, als es endlich soweit war, mit einer hohen, allerdings auch stark routinierten Qualität. Das brasilianische Feuer, das die Band mit sich brachte, es loderte, die Energie, die es aussendete, sie war zu spüren, der Sound, den die Thrasher aus dem fernen Westen hier an den Mann und die Frau brachten, es war genau der Richtige. Ohne große Überraschungen trommelten, thrashten und growlten sich SEPULTURA durch diese Veranstalung und den in Kutten und Bandshirts gekleideten Zuschauern schien zu gefallen, was sie da zu sehen bekamen.

Andererseits lässt sich jedoch auch nicht bestreiten, dass ein völlig anderes, weniger ausgelassenes Feeling die Hallen erfüllte, anders als bei den Musikern, die noch vor kurzer Zeit auf der Bühne standen. Es schien, als würde der Auftritt zwar von allen genossen, allerdings schien auch jeder einfach zu warten, auf diesen einen Song, den einen Song, für den die meisten überhaupt erst gekommen waren: "Roots Bloody Roots". Man hatte manchmal gar das Gefühl, dass das restliche Material, das ja gut, wenn auch nicht unendlich euphorisch vorgetragen wurde, nur die Wenigsten, die wirklich eingefleischten Fans tatsächlich interessieren würde; Was zwar schade, bei einem Auftritt dieser Größenordnung aber auch zu erwarten war. Was bleibt also letztlich vom Kommen des Machine Messiah? Einige wirklich gute Konzerte, das Ende jedoch, das hätte durchaus mehr Biss vertragen können, was, denkt man an den sonst so energetischen und ausgelassenen Abend zurück, sehr schade ist.

Setlist (ohne Gewähr!)

  • I Am The Enemy
  • Phantom Self
  • Kairos
  • Territory
  • Inner Self
  • Sworn Oath
  • Against
  • Choke
  • Boycott
  • Machine Messiah
  • Iceberg Dances
  • Desperate Cry
  • Refuse/Resist
  • Arise
  • Slave New World
  • Resistant Parasite
  • Ratamahatta
  • Roots Bloody Roots

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