15.09.2018, Alter Schlachthof, Wels

Nihilistic Arts III

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 21.09.2018

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Die Finsternis hält wieder Einzug im Schlachthof von Wels, als das Nihilistic Arts zum dritten Mal seine Pforten öffnete und einmal mehr dunkelschwarze Klänge aus den düstersten Ecken der hartmetallischen Musik darbot. Als sich die kohlrabenschwarzen Klänge auf die Bühne hernieder senkten, da wich sogar das Licht in Ehrfurcht zurück. Von der passend düsteren Atmosphäre könnt ihr euch in Form der recht künstlerisch geratenen bildlichen Auswüchse in der Galerie überzeugen.
 

Doch jetzt kümmern wir uns erst einmal um die Musik, die da in Form von CHAOSTEMPLE gleich den ersten Hörsturz am frühen Abend verursachte. Rasender Schwarzmetall aus dem (un)heiligen Land Tirol bretterte zwar noch mit etwas unrundem Mix, aber dafür mit umso machtvollerer Lautstärke über die ersten Zuschauer hinweg. Ein schöner Vorgeschmack auf das, was das zunächst noch etwas spärlich anwesende, aber sich stetig mehrende Publikum erwarten sollte.

Die nächste Breitseite aus dem Black Metal Universum folgte mit GROTESKH, die mit stimmungsvollem Fackelschein zwar für brandschutztechnische Sorgenfalten beim Veranstalter sorgten, dafür aber akustisch nur verbrannte Erde zurückließen. Zwar hätte der Sound auch noch einen kleinen Zacken leiser sein können, dafür schob die mal oldschoolige, dann wieder technischer orientierte Blastbeatorgie richtig fett. Auch das Publikum kam zu der Kärntner Abrissbirne schön langsam im Schwung und verlangte am Schluss sogar noch eine Zugabe, die leider dem straffen Zeitplan weichen musste. Hätte man gewusst, was danach kam, man hätte GROTESKH gerne noch einen zusätzlichen Song zugestehen können, denn das hätte kaum noch einen Unterschied gemacht...

Die Italiener von SEDNA glänzten nämlich im Anschluss hauptsächlich durch ihre absolute Entspanntheit, die nicht nur die Umbaupause, sondern auch die Nerven etwas in die Länge zog. Zusammen mit der absoluten Nichtverwendung von Licht (zwei Funzeln am Boden, damit die Effektboards des Gitarristen und der Bassistin beleuchtet waren) ergab sich so ein eher mäßig spannendes Erlebnis für Fotografen und Besucher gleichermaßen, welches der grundsätzlich hochwertigen, äußerst atmosphärischen Musik des Trios leider nicht gerecht wurde. Es mag ja sein, dass die Schwärze auf der Bühne, sowie die zueinander gerichtete, introvertierte Performance konzeptuell stimmig wären, doch in einer zappendusteren Halle, in der ein mit weniger scharfen Augen gesegneter Besucher in der Schwärze sogar mit einer der Säulen kollidierte, entpuppte sich das doch recht statische Setting der Italiener eher als kontraproduktiv und einschläfernd.

Dass Atmosphäre und eine mitschwingende mythische Stimmung deutlich mitreißender dargeboten werden kann, das zeigte das anschließende Ritual von OUR SURVIVAL DEPENDS ON US, das aufgrund der vorhergehenden Verzögerungen erst deutlich verspätet beginnen konnte. Okkult, spirituell, bisweilen auch etwas kauzig, doch absolut stimmig und mit Herzblut vorgetragen, packte der oftmals doomige, zwischen sphärischen und harschen Klängen mäandernde Soundmonolith das Publikum direkt an den Eiern. Man sagt ja, dass der Prophet im eigenen Land nichts gelten würde, doch die Aufmerksamkeit mit der die außergewöhnlichen Klänge der Salzburger von den zahlreichen Besuchern bedacht wurde, konnte sich sehen lassen. Die okkult-mystischen Klangwelten schossen so manchen Zuschauer in eine andere geistige Dimension – möglicherweise war daran aber auch das verwendete Räucherwerk (Der Berichterstatter erspart sich an dieser Stelle das übliche Gejammer – er positionierte sich einfach auf der anderen Seite) nicht ganz unschuldig. Die Spannung war regelrecht greifbar, als OUR SURVIVAL DEPENDS ON US auch erstmals einen Song des kommenden Albums „Melting The Ice In The Hearts Of Man“ live intonierten, der sich nahtlos in das ritualisierte Gefüge eingliederte. Nicht einmal eine abgeschmierte Fußmaschine des Schlagzeugers (die verschwundene Schraube tauchte aufgrund der Düsternis auf der Bühne nie wieder auf...), der während eines atmosphärischen Zwischenspiels einen fliegenden Wechsel auf ein geborgtes Pedal hinlegte, konnte die dichte, in den Bann schlagende Atmosphäre ruinieren. Echt starke Performance!

„Wenn eine Black Metal Band um mehr Licht bittet, dann muss es echt finster sein.“ Der Berichterstatter kann dies bestätigten, denn er wurde Ohrenzeuge, als die Gegenlicht-Fetischisten SCHAMMASCH mit ihren kleidsamen Kutten in der Schwärze beinahe verschwindend, höflich um ein wenig Frontlicht baten. Dass sie stattdessen nur (aber immerhin!) ein wenig Licht von der Seite bekamen. machte die Sache für die Fotografen vielleicht nicht besser (die Kollegenschar erging sich inzwischen in der Vermutung, dass das Frontlicht vielleicht kaputt wäre), aber schmälerte dafür die erhabene Atmosphäre der Schweizer zu keiner Zeit. Ausladende, elegische Gitarrenläufe, mal rasend, dann wieder ekstatisch flirrend, irgendwo zwischen träumerischer Eingängigkeit und kantiger Progressivität angesiedelt kreierten eine dichte, bleischwere Atmosphäre, die sich wie Decke über den Schlachthof legte. Die Zuschauer ließen die Haarpropeller kreisen und bedachten SCHAMMASCH, so wie ihre österreichischen Vorgänger auf der Bühne, mit donnerndem lang anhaltendem Applaus. Ein Gutteil der Besucher verlor sich dergestalt in den komplexen schwarzmetallischen Klangwelten, dass sie Zeit und Raum um sich vergaßen – so merkte man kaum, wie spät es bereits geworden war...

Denn zu der Zeit als SCHAMMASCH ihr Set beendeten, hätten eigentlich schon THE GREAT OLD ONES ihre letzten Takte spielen sollen. Geschuldet einem anstrengenden Tag vor dem Festival, sowie einer nicht unerheblichen Heimfahrtstrecke, strich der Berichterstatter schweren Herzens nach der Schweizer Prog-Black-Partie die Segel und ließ die Franzosen, die laut Ohrenzeugen-Berichten heftig abgeräumt haben dürften, sausen.

Trotz eines eher unbefriedigenden Endes (inzwischen kann man es aufs Alter schieben, dass es an allen Ecken und Enden zwickt) war auch die dritte Auflage des Nihilistic Arts den Besuch einmal mehr wert. Zwar ging der Überhang nach dem letzten, hauptsächlich doomigen Nihilistic Arts II im Mai des Vorjahres nun mehr in Richtung Black Metal, doch ein wenig Abwechslung muss ja alles andere als schlecht sein! Wenn es das nächste Mal rumpelt in Wels, sind wir bestimmt wieder mit dabei – dann hoffentlich mit etwas weniger wortwörtlichem „Black“ Metal.


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