21.09.2018, Neue Theaterfabrik, München

SAXON & FM & RAVEN

Veröffentlicht am 26.09.2018

Nach dem sehr guten Auftritt von SAXON beim Pyraser Classic Rock Open Air musste ich die Truppe doch nochmal bei einem „eigenen“ Gig sehen. Zumal die Sicht in Pyras aufgrund Überfüllung nicht gerade gut war. In der Zwischenzeit nenne ich fast alle BMG-Remasters der alten Klassiker von SAXON mein eigen (war eine eklatante Lücke in der CD-Sammlung). Da sieht man einmal, was ein gutes Konzert für Folgen hat.

Zweites Kaufkriterium für eine Karte waren die beiden angekündigten Vorbands RAVEN und Y&T. Y&T mussten wegen Rückenproblemen von Dave Meniketti dann aber leider kurzfristig passen. Als Ersatz wurden FM angekündigt, ebenfalls kultverdächtige Melodicrocker um Sangeswunder Steve Overland.

Die Kulisse für das Spektakel stellte die Neue Theaterfabrik vor den Toren Münchens bei Unterföhring dar. Diese liegt mitten in einem Wohngebiet – ein offenbar ehemaliges Theater – zumindest ist es so aufgemacht. Die Hinweise, aufgrund übler Parkplatzsituation mit der S-Bahn anzureisen, habe ich brav beherzigt und bin in der Nähe des Flughafens am P&R-Parkplatz abgestiegen, um dann festzustellen, dass ein Ticket für ganze zwei Stationen(!!) und ca. 10 Minuten Fahrt EINFACH 8,70 € kosten würde. Habe mich dann für ein Tagesticket für 13 Euro entschieden, was immer noch eine absolute Frechheit ist. Aber wir sind in München, liebe Freunde der Kunst, und da ist alles anders.

Nachdem auch „Wies’n“ (für Nicht-Bayern: Oktoberfest) – Beginn war, begegneten einem in der S-Bahn Richtung Innenstadt schon etliche krachlederne Gesellen und Damen im Dirndl. Na denn mal viel Spaß. Am Venue angekommen gab es erst einmal solche Hinweisschilder für die Anwohnerbehandlung:

 

 

Die Location selber war mit gut 1000 Besuchern zwar nicht ausverkauft aber gut gefüllt. Gerade angekommen spielten schon RAAVEN auf. Eine Truppe, die seit den 70ern  aktiv ist, zwar nie den Durchbruch schaffte, aber irgendwie kultig sind. Die beiden Gallagher-Brüder (nein NICHT die Oasistruppe) plus neuer (jüngerer) Drummer sind verschrobene aber sympathische Gesellen, denen es einfach Freude macht, auf der Bühne zu stehen. So gab es neben alten Klassikern wie „All for One“  auch einen Song aus dem bald erscheinenden neuen Album. Sicherlich nicht sensationell, aber ein kurzweiliger Auftritt, der nach einer halben Stunde leider schon vorbei war.

 

 

FM als Ersatz von Y & T mussten anfangs erst einmal um Aufsehen kämpfen. Die Truppe war nicht wirklich Vielen bekannt, obwohl sie auch schon seit den 80ern aktiv sind und mit „That Girl“ (der natürlich zum Schluss kam) auch einen kleinen aber feinen Hit in der Tasche hatten. Steve Overland zählt ja zu DEN Melodic-Rock-Sängern überhaupt und er überzeugt live genauso. Dem Leadgitarristen der Truppe gebührt der Titel „Bester Gitarrist des Abends“. Der hatte es solotechnisch wirklich drauf. Respekt. FM lieferten gediegenen Rock a‘la SURVIVOR/frühe BON JOVI etc. Ich muss gestehen, dass ich auch nicht mit allen Songs vertraut war, aber einige kannte man dann doch. Wäre man nun zynisch, könnte man sagen, dass die Band optisch doch leicht dem „Dad-Rock-Image“ (grau meliert im Buchhalter-Outfit) zuzuordnen wäre, aber das wäre ja gemein. Nach 45 min. war der Auftritt vorbei und die Band bekam am Ende mehr als nur Höflichkeitsapplaus. Mir wären zwar Y&T immer noch lieber gewesen, aber dennoch ein sehr guter Auftritt der kurzfristig eingesprungenen Band.

 

 

Nach weiteren 30 min. Umbaupause ging es schließlich mit SAXON weiter. Wie so oft wurde der Sound lautstärketechnisch nochmal arg nach oben geschraubt, mit der Folge, dass Biffs Gesang anfangs ein bisschen zu leise rüberkam. Das war bei den Vorbands besser. Nach zwei Tracks des aktuellen „Thunderbolt“-Albums lieferten Saxon was die hungrige Masse hören wollte: Einen abwechslungsreichen Mix aus ganz alten, mittelalten und neuen Songs (insbesondere die Motörhead Hommage „And They Played Rock ' n Roll“ kam super an). Highlights für mich „747 (Strangers In The Night)“, „Princess Of The Night“ und natürlich die Rausschmeißer „Wheels Of Steel“ und „Denim & Leather“. Manchmal würde ich mir wünschen, dass man die Songs doch etwas originalgetreuer spielt als in der absoluten Metal-Version, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Biff war sehr gut drauf, signierte auf der Bühne wieder zig Kutten und zog diese an (soweit sie ihm passten), um sie am Ende wieder dem rechtmäßigen Besitzer zurückzugeben, der sie auf die Bühne geworfen hat. Nichts neues bei Saxon-Shows also.

Nach fast genau 120 Minuten war Schluss der schweisstreibenden Show und die Masse war zufrieden. Ich muss SAXON aber dennoch nochmal sehen, denn aufgrund der Bühnengröße gab es (erneut) keinen Adler als Bühnenbackdrop zu sehen. Das Erlebnis muss also noch nachgeholt werden.

 

 

Alles in Allem ein toller Abend. 40 Euro für 3 Bands sind sehr gut, das Merch war wie so oft überteuert (25 Euro für eine Cap und 20 Euro für eine Kaffeetasse sind ein Witz). Aber ich hatte ja eine Luxus-S-Bahn Fahrt. So ging es dann wieder raus aus der (für einen Franken) verbotenen Stadt Richtung Provinz.


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