28.9. & 29.9.2018, frei.raum St. Pölten, St. Pölten

STP METAL WEEKEND 2018

Veröffentlicht am 03.10.2018

Jedes Jahr sammelt sich im Freiraum St.Pölten eine Menge an Kuttenträgern und Nachtgestalten und auf der Straße hört man des Öfteren die Frage: "Ist da heute ein Rock Konzert?". Konzert schon, aber nicht wirklich Rock! Seit 2007 gibt es immer im September zwei deftige Tage mit sehr ausgewogenem Line-Up und einer Menge an österreichischen Bands, welche von einem sehr feinem Organisations-Team, allen voran die Herren Christian Dörr und Reini Reither, auf die Füße gestellt werden. Dieses Jahr standen insgesamt elf Bands am Programm, von welchen die Kollegen Gregor Eder (Freitag) und Mike Seidinger (Samstag) euch hier berichten werden.
 
Freitag
 
Eingeleitet wurde der Abend wie gewohnt vom einmaligen Richard Metfan (der ja auch ab und an für Stormbringer seine Ergüsse zu Computer bringt), der mit seinem Charme und Witz die schon brav vor der Location plaudernde Meute in den Saal lockte, den er übrigens einen Tag davor noch brav selber putzte. Wer sich ein Bild davon machen möchte, wie überzeugend Richard bei solche Aktionen ist, hat am 11.10. im Freiraum die Möglichkeit. Metal-Kabarett vom Feinsten!


 
Die erste Band des Abends waren die mir nicht unbekannten Gesichter von DYSTRUST aus Wien. Ich selbst durfte mir schon hie und da die Bühne mit den Herren teilen und muss sagen, dass die Show wie gewohnt dynamisch und energiegeladen war. Sänger Marye fasziniert mich immer mit seinen interessanten Techniken, wenn es darum geht, Effekte durch Mikrophon-Bewegung zu erzeugen. Klingt komisch, doch ist ganz einfach erklärt: Er setzt zum Schrei an und bewegt das Mikro schnell vor und zurück, was einen ganz interessanten Sound ergibt. Aber genug von den Vocals, welche wie gewohnt gesessen haben zur Instrumental-Sektion. Eine deftige Mixtur aus Thrash, etwas Death und einem ganz schönen Teil interessanter Rhythmisierungen durften meine Lauscher da vernehmen. Der Sound im Freiraum ist schon ein ganz schön geiler, und gepaart mit der dynamischen Performance der Band hätte der Abend nicht motivierender starten können. Nach einem 30 Minuten-Set verabschiedeten sich die Herren, gut durchgeschwitzt, von der Bühne.

 

Nach einer kurzen Umbauphase ging es dann mit den technisch sehr anspruchsvollen JACOBS MOOR weiter. Die Band, welche ihre Musik ganz bescheiden einfach als „Metal“ bezeichnet, heizte schon ab der ersten Nummer gewaltig ein. Die fünfköpfige Partie aus Wien, 2010 gegründet, spielt wirklich auf einem sehr hohen Niveau. Die Riffs und vor allem die Rhythmuswechsel sind wirklich komplex und gehen trotzdem sehr schnell ins Ohr. Die Melodien erinnern sogar etwas an DREAM THEATER, und die Stimme von Richard Krenmaier hat einfach einen ganz eigenen Charakter, welcher speziell bei einer Live-Performance sehr beeindruckt. Am 17.11. zerlegen die Herren den Schlachthof in Wels, falls sich jemanden dieses Schmankerl gönnen möchte. Nach 40 Minuten ging es dann wieder in die Umbauphase. 

ANDERWELT standen als Nächstes an. Diese Band kannte ich noch nicht und daher war mein Interesse an den Linzer Post-Metallern sehr hoch. Als ich dann ein Cello inklusive Cellisten und einen Gitarristen, der mit einem Geigenbogen seine Gitarrensaiten streichelte, sah, stellte ich mich schon einmal auf einen sehr feinen Sound ein. Die Kombination aus Cello, Bass, Gitarre (welche übrigens nicht nur mit dem Bogen gespielt wurde), und Drums ist meiner Erfahrung nach eine gute Voraussetzung für ganz schönen Druck. Die Vocals bestanden aus sehr guten Screams, welche auch relativ gut verständlich waren. Der insgesamt sehr atmosphärische Sound hatte den erwarteten Druck und ich muss sagen, dass ich mir auf jeden Fall noch einiges von dieser Band anhören werde!


 
Kommen wir zu einer Band, die ein Jahr nach meiner Geburt gegründet wurde und auf welche ich mich schon sehr gefreut habe. UGF, die Blutgrätschen-Meister schlechthin. Die fette Mischung aus Hardcore und Sludge war eine echte Herausforderung, da Ich echt Lust hatte einen Pit anzureißen, doch genau wusste, dass meine Kamera dabei draufgehen würde. Die Herren Heidinger (Vocals/Guitar), Cunz (Guitar), Snoe (Drums) und Tom (Bass), welche teils aus Österreich und teils aus Bayern stammen, lösten in mir einen Adrenalinschub aus, den ich auch schon bei Combos wie SICK OF IT ALL oder CROWBAR schon einmal verspüren durfte. Tom, Cunz und der Heidinger waren während des Gigs zeitweise in einer derartigen Grätsche, dass ich mir Sorgen machte, dass sie bald im Spagat weiter spielen.


 
Auf die vorletzte Band des Abends warteten dann schon eine Menge Leute. HARAKIRI FOR THE SKY, die erst vor kurzem von ihrer - im wörtlichsten Sinne stürmischen - China-Tour zurückgekommen waren, wurden schon heiß erwartet. Mit einer ganzen Stunde verwöhnte das mächtige, fünfköpfige Post-Black-Metal Biest die Crowd. Wie es so schön auf der Facebook-Page der Band heißt: „HARAKIRI FOR THE SKY has always been there to create a unique mixture of melancholy and aggression [...]“. Besser könnte man es nicht sagen! Die Besucher waren begeistert und ich freute mich, dass ich den Herren bei einem weiteren genialen Gig zusehen durfte.


 
Wie es Tradition ist wurde der Abend mit einer Grindcore-Band erfolgreich abgeschlossen. Die Band DISTASTE aus Linz „dögelt“ sich nun schon seit 2000 durch die Gegend und ich muss sagen, dass mir die Gruppe sehr gut gefallen hat, obwohl ich gestehen muss, dass ich mit Grindcore nur wenig anfangen kann. Die Crowd war aber anscheinend ebenfalls meiner Meinung und feierte bis zum Ende der Band brav weiter.  So endete ein Tag, der meine Ohren eigentlich durchgehend verwöhnte.
[Gregor Eder]

Samstag
 
Der zweite Tag startet mit RICHTHAMMER aus Waidhofen an der Ybbs, die wirken, als wären sie gerade den Wäldern ihrer Heimat entstiegen. Sänger und Gitarrist FloHo etwa trägt auf dem Rücken eine Art Geweih aus Holz-Stöcken mit allerlei Fetzen drauf, das man auch als „Buckelkraxn“ definieren könnte und das dem Ganzen ein wenig Mystik, wenn vielleicht auch ungewollt, verleiht. Musikalisch bewegt man sich in der Death/Black-Schnittmenge rudimentärer Ausrichtung, mit harschen Vocals und Songs mit nachvollziehbarem Strickmuster, ohne dabei an spielerischer Qualität einzubüßen. Und immerhin schaffen es die Waldschrate, schon um 19 Uhr eine beachtliche Anzahl an Fans vor der Bühne zu versammeln und ihr Album „Ascheland“ fett zu promoten. Die Stimmung ist gut, und die meisten Leute zeigen keinerlei Ermüdungserscheinungen vom Vortag.


 
WARCULT gibt’s jetzt auch schon wieder zehn Jahre, und dieses Jubiläum gehört natürlich ausgiebigst zelebriert. Die Band rund um den EPSILON-Sänger Josch und Drum-Tausendsassa Clemens Nolz, der ja gleich darauf auch noch für AEONS OF ASHES am Kit hockt, gibt von Beginn an Stoff und bringt geschwärzten Death Metal der eher älteren Sorte unters Volk, jedoch immer wieder durchsetzt von modernen, fast am Metalcore entlangschrammenden Klangfetzen. Schade eigentlich, dass die Combo erst eine EP rausgebracht hat, und das bereits 2013. Dafür lärmt man seit sieben Jahren in der gleichen Besetzung und konnte bereits massig Live-Erfahrung sammeln, was man dem Quartett natürlich anmerkt. WARCULT machen da auch heute alles richtig: Mit der perfekten Mischung aus Härte, Drive und dem gewissen niederösterreichischen Charme können sie den bereits gut gefüllten Freiraum-Saal gekonnt bei Laune halten.


 
Heimspiel danach für AEONS OF ASHES, und wie bereits erwähnt hat Drum-Tier Clemens „Cadaver“ Nolz heute einen Doppel-Job, den er auch perfekt meistert. Sänger Tim hat die zahlreich erschienene Fan-Meute von der ersten Sekunde an im Griff und keift, brüllt und schreit sich zu den progressiven Death-Klängen seiner Band ins Nirvana. Zwischendurch darf er aber auch ab und zu singen. Die Gitarrenfront Jorgo Trescher und Georg Knoll ist eine schier undurchdringliche und gemeinsam speit man eherne Riffs in den Saal. Nach einem Full-Length-Teil und einer saustarken EP mangelt es der Band zumindest für einen knapp einstündigen Set nicht an hochwertigem Material, und vor allem die Songs der EP „Impatience“ aus dem Vorjahr haben es fett in sich. Hier trifft Talent auf Wucht, Im Gegensatz zu den vorherigen WARCULT wirkt man jedoch (noch) ein wenig steif, denn bis auf Shouter Tim herrscht hier kaum Bewegung. Was am Ende nix macht, denn musikalisch stellen AEONS OF ASHES heute einmal mehr unter Beweis, wo der Bartl den Most her holt und können selbst die Fans von MORTAL STRIKE (die bereits zahlreich anwesend und anscheinend „nur“ wegen „ihrer“ Band da sind) zu stattlichem Beifall animieren.


 
Für alle, die jetzt bereits einen verspannten Nacken haben, kommt das Weirdo-Rollkommando INSANITY ALERT aus Innsbruck gerade richtig. Die Spaßbrigade rund um den aus Holland „zuagrasten“, fleischgewordenen Irrsinn Kevin Stout, plättet wie gewohnt mit ihrem Retro-Skater-Thrash das Publikum, und es sollen sogar einige Menschen im Saal gewesen sein, die den Irrenhaus-Alarm noch nie live haben läuten hören. Für mich ist es heute bereits das vierte Mal, und ich bilde mir ein, die Vier werden live von Mal zu Mal einen Zacken schneller, wahnwitziger und einfach nur noch irrsinniger. Heavy Kevy spart heute mit üppigen Kostümierungen, außer dem obligatorischen Sumo-Body und den Hummer-Scheren bei „Confessions Of A Crabman“ liegt der Schwerpunkt natürlich auf der Performance. Da wuselt es nur so und man hat Mühe, bei dem Highspeed noch adäquat etwas mitzubekommen. Egal, die Jungs hauen uns mit „Why Is david Guetta Still Alive“, „Metal Punx Never Die“ oder „Macaroni Maniac“ zeitlose, veritable Hits ums Ohr, es werden Styropor-Tafeln hochgehalten und am Ende runnen wir alle to the pit und moshen um our life. So geht Entertainment, und ich bin jedes Mal wieder baff ob der unbändigen Energie, die bei INSANITY ALERT in 50 Minuten Bühnenzeit so frei wird.


 
Da denkt man, das wird für MORTAL STRIKE schwer zu toppen sein. Aber wer die Oldschool-Death-Thrasher kennt, der weiß, was er bekommt, nämlich die metallische Vollbedienung. Etwas Wehmut schwebt dann dennoch im Raum, ist doch dieser Gig die Abschiedsvorstellung von Langzeit- und Ur-Sänger Matthias Gerstl, der seine Unterfranken-Roots nie verleugnet hat und irgendwie trotzdem zum waschechten Österreicher mutiert ist. Schade, denn eine Rampensau wie er wird schwer zu finden sein, und wer der Nachfolger werden wird, dazu hat sich die Band noch nicht geäußert. Auch für den Vogtländer Tieftöner Dominique Heine ist Schicht im Schacht (er ist jetzt unter anderem mit THE NEGATIVE BIAS zugange), und dessen Nachfolger Moritz wurde bereits fachgerecht eingearbeitet. Musikalisch lassen die Strikers wieder mal keinen Zweifel offen, wer die wahre Macht am österreichischen Thrash/Death-Sektor ist. Brutal, melodisch, kompakt, dieser Set kann alles bieten und man merkt mittlerweile, wie gut geölt die Band, auch trotz Musikerwechsel, funktioniert.

Dominique kommt nochmal auf die Bühne, um ein paar Nummern mit seinen Kumpels zu zocken, und so mutiert dieser Abend noch zu einem allzu denkwürdigen. Apropos denkwürdig: Freudig verkündet Veranstalter Reini Reither (den einige noch aus früheren Stormbringer-Tagen kennen werden) das Sold Out des Samstagabends, und das wurde diesmal einzig und allein mit heimischen Bands zuwege gebracht! So schlecht kann’s also um die Szene nicht bestellt sein, und solange Veranstaltungen wie das Metal Weekend so gut funktionieren, brauchen wir uns auch keine Sorgen machen. Ok, natürlich hat man hier ein besonders geschicktes Händchen für die Bandauswahl bewiesen, mit Richard Metfan einen versierten Conferencier engagiert, Sound und Licht passen, die kulinarische Verpflegung ist zwar nicht üppig, dafür aber überaus lecker, das Merchandise erschwinglich und die Atmosphäre im Freiraum wie immer gediegen. Neben all diesen Dingen ist es aber am Ende das Publikum, das entscheidet. Und das hat heuer entschieden: All Killers, no fillers. [Mike Seidinger]

Man darf sich übrigens schon mal den 27.9. und 28.9.2019 rot im Kalender anstreichen: Die nächstjährige, bereits 13. Auflage des STP Metalweekend ist bereits in der Mache, und bislang sind bereits SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH, THIRD MOON, COMMANDER und CROWARD bestätigt!

HIER geht's zur Veranstaltung auf Facebook.

Alle Bilder (c) Gregor Eder. INSANITY ALERT & MORTAL STRIKE (c) Mike Seidinger.


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