05.10.2018, Rockhouse, Salzburg

ITCHY & BLACKOUT PROBLEMS & 7 DIALS MYSTERY

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 09.10.2018

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Wenn eine um die Jahrtausendwende gegründete Bands bereits als „Veteranen“ ihres Stils bezeichnet wird und der hier schreibende Berichterstatter zum Zeitpunkt der Gründung dieser Gruppe als Schulband bereits in Volljährigkeit die Konzerthallen dieser Welt unsicher machte – darf man sich dann alt fühlen? Ja? Nein? Vielleicht? Das kleine Schreiberlein jedenfalls schaute ein wenig wehmütig auf das Publikum, das entweder noch in sehr jungen Jahren war und gerade dabei war die Welt des Punkrocks zu entdecken, oder die wilden Jugendjahre schon hinter sich gelassen hat und von seiner „Punk-Phase“ nur noch ein paar Tattoos zurückbehalten hat und nun die musikalische Erinnerung auffrischen wollte. Ein komisches Gefühl, auf einmal zu den „Alten“ (O-Ton Mädel im Publikum) zu gehören. Doch warum sollte man Musik deswegen nicht genießen dürfen? Dafür sind wir doch hier! Liebe junge Dame: Tanzende „alte“ Leute sind nicht „voll peinlich“ sondern saucool! Punkt!


Zum Auftakt gab es aber dann doch jugendliche Frische aufs Ohr, von 7 DIALS MYSTERY aus Salzburg. Das rege Kommen und Gehen im Saal sorgte zum Auftakt für eine nur zäh in Schwung kommende Stimmung, doch der Vierer gab sein Bestes die Leute ordentlich zu animieren. Mit knackigem, treibenden Punkrock, der durch ordentlich fetten Sound, lässige Riffs und Ohrwurmrefrains gut ins Ohr ging, verging die kurze Spielzeit wie im Fluge. Zwar hingen die Vocals, wie traditionell im Punk ein wenig in Schräglage, doch 7 DIALS MYSTERY punkteten mit sympathischer, energiegeladener Performance und konnten sich so schnell in die Herzen der Besucher spielen, die schlussendlich auch lauten Applaus spendeten.


BLACKOUT PROBLEMS räucherten danach erst einmal konsequent die Bühne ein und beschallten das Publikum zum Auftakt mit elektronischen Beats, ehe der Basshammer so richtig zuschlug. Ein bisschen weniger hätte es hier auch getan, fraß doch der Bass viel von den Feinheiten des mit starkem Elektro-Einschlag versehenen Alternative-Pop-Punk-Rocks der Münchner. Der Berichterstatter konnte zwar mit den künstlerisch-poppigen Klängen von BLACKOUT PROBLEMS nur wenig anfangen und fand sie stilistisch auch nur mäßig zum Gesamtpaket passend, doch die Zuschauer feierten die Vier teilweise richtig amtlich ab. Stimmung machen können sie, das muss man neidlos anerkennen! Vor allem als sich Fronter Mario mitsamt Kabelmikro (!) singenderweise mitten in die pogende Meute stürzte, da ging es ganz gewaltig rund im Auditorium! Speziell das jüngere Publikum hatte sehr viel Spaß mit den Münchnern und nahm die Mitsing-Aufforderung bei den vielen glatten „Ohohoh“-Refrains nur zu gerne an – lediglich der Ruf nach Crowdsurfern wurde vom Salzburger Publikum dann doch nicht erhört. Da sparte man sich die Energie lieber für die Hauptband und deckte BLACKOUT PROBLEMS stattdessen mit lautem Jubel ein.


Die totale Eskalation blieb hernach bei ITCHY zwar aus, doch die Stimmung im ziemlich vollen Rockhouse konnte sich auch trotz vergleichsweise wenig Pogo-Action und vereinzelten Crowdsurfern sehen lassen! Man kam nicht umhin zu bemerken, dass ITCHY mit ihrer großen Bühnenerfahrung einfach wissen was sie tun – die Chemie stimmte vom ersten Augenblick an und die Besucher fraßen Sibbi und Co. quasi aus der Hand. Witzige, selbstironische Ansagen, lässige Kommunikation mit dem Publikum und ein großer Haufen ohrwurmiger Hymnen waren die Zutaten, die den Zuschauern einen erinnerungswürdigen Konzertabend bescherten. Die Band ließ nichts anbrennen und zog alle Register, vom Stagedive-Ausflug bis hin zur Einbindung der Besucher selbst, die beispielsweise beim Song „The Sea“ das Greenpeace-Banner auf der Bühne halten durften, während die Musiker selbst (gut, zumindest die beiden Gitarristen, Schlagzeuger Max verschwand mit lautstarkem Protest im Hintergrund des Banners) sich mitten im Publikum platzierte und dieses aufforderte dem Vortrag gemütlich am Boden sitzend zu lauschen. So eine ganze sitzende und andächtig lauschende Halle hat schon etwas. Hinten raus gab es dann aber wieder genügend Möglichkeiten ordentlich abzufeiern! Der Berichterstatter indes überließ dem Publikum das lautstarke Abfeiern des Zugabenblocks und begab sich mit zufriedenem Gesicht nach Hause.
 

Aus welchen Ecken die zahlreichen Freunde von Punk und Hardcore immer wieder hervorkriechen und das Rockhouse regelmäßig bis zum Anschlag füllen, das weiß man zwar nicht, doch man freut sich umso mehr darüber, dass die Häufigkeit an gut besuchten Shows in Salzburg in letzter Zeit wieder stark zugenommen hat. Starke Bands wie ITCHY machen es aber auch leicht, mitreißende Partystimmung zu generieren!

Mehr Fotos des Abends findet ihr bei Images Of Pain And Pleasure.


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