09.10.18, Colos-Saal, Aschaffenburg

SONS OF APOLLO

Text: Fred Gasch | Fotos: Fred Gasch
Veröffentlicht am 13.10.2018

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Apollonios von Perge (* ca. 265 v. Chr.; † ca. 190 v. Chr.): Man spricht in der Geometrie vom Problem des Apollonios. Dies besagt, mit einem Zirkel und einem Lineal Kreise zu konstruieren, die drei beliebige vorgegebene Kreise berühren. Da man bei den Ausgangskreisen von einem unendlich kleinen Radius und einem unendlich großen Radius ausgehen kann, kann nicht nur von drei Kreisen, sondern auch von Punkten und Geraden ausgegangen werden. Dies beinhaltet: Da die vollständige Lösung der Probleme alle Konstruktionsfälle mit Berührungen von Kreisen, Punkten und Geraden löst, sind natürlich auch die Berührkreise am Dreieck enthalten: Ankreis, Inkreis, Umkreis.

Was das mit einem Konzert zu tun hat, werden sich jetzt sicherlich einige (hinter)fragen. Aber hier ist ein kleiner Erklärungsansatz: Die Berührungspunkte, an denen man sich anstoßen könnte, sind bei diesem genialen Konzert erst gar nicht gegeben. Aber, wie wir wissen, Nörgler gibt es immer wieder.

Zuerst einmal: Die Berührungen mit der Musik von SONS OF APOLLO lassen einen nicht kalt. Das belegte die Stimmung im Colos-Saal an diesem 9. Oktober deutlich. Man möchte fast sagen, sie war frenetisch. 

Hier im Saal verschmelzen wenige Minuten zu Ewigkeiten, wie zum Beispiel beim Bass-Solo von Billy Sheehan im Lied „Labyrinth“. Es erweckt den Anschein, als ob Billy Sheehan in eine Art Trance, eine Art Versunkenheit verfallen ist, so wie sich seine Augen verdrehen, rollen und dieser Augenblick wohl der einzige ist, in dem man nichts anderes fühlt, als stünde Billy Sheehan allein auf der Bühne. Und dieses Solo sollte nicht das einzige an diesem Abend sein. 

Fast nahtlos, eher spielerisch der Übergang zu „Lost In Oblivion“. Auch hier, wie in manch anderem Lied zuvor, das ein oder andere Gitarrensolo von Gitarrist Ron „Bumblefoot“ Thal. Es ist Ekstase pur, eine Augenweide zu sehen, wie seine Finger das Griffbrett hinauf- und hinuntergleiten. Mal im Übergriff (von oben die Saiten angedrückt), mal „normal“ gespielt. 

An diesem Abend wurde natürlich auch wieder Freddie Mercury gehuldigt. Mit „A Prophet's Song“ / „Save Me“ - allein mit Gesang und mit Gitarrenbegleitung - kommt für einen Moment Unplugged-Feeling auf. Solche Augenblicke, die Akzente setzen, die sich vom „normalen“ Musikmachen abheben, erzeugen schaurig-schöne Erinnerungen. Das geht unter die Haut und in die Haarspitzen. Aber „normal“, gibt es hier nicht! Wer nicht dabei gewesen ist, dem kann man solche Ereignisse nur schwerlich beschreiben. Dieses Doppel „A Prophet's Song“ / „Save Me“ mündet im Kreuzfeuer besten Geschmacks. SONS OF APOLLO veredeln dieses Lied, alle zusammen in bester „heavy" Manier, mit einer Kaskade aller Instrumente.

Von unplugged wechselt die Stimmung in plugged. Dass hier Vergleiche, wie etwa mit DEEP PURPLE vom (Riff-) Klang her, angestellt werden können, liegt nahe. Aber das ist es nicht allein: Die Mischung macht es. Es erklang irgendwie eine Mixtur aus VAN HALEN, MESHUGGAH und SEPULTURA (thrashig). Und ein Stück weit lässt sich auch der DREAM THEATER-Sound nicht gänzlich verleugnen, immerhin stehen zwei Stücke der Prog-Götter im Set. Aber das macht diese Musik eben aus. Sich auf keinen Sound, als den eigenen kreierten Sound, zu verlassen. Dass niemand von den Herren auf der Bühne sein Können unter Beweis stellen muss, dürfte mit der Anzahl der Bands, in denen die Musiker bereits gewirkt haben, aber auch jedem klar sein. 

Die Sinne sind bis dato kurzfristig zu vernebelt, um generell Weiteres wahrzunehmen. Erst bei der Melodie von "Pink Panther" setzt das Erinnerungsvermögen wieder halbwegs ein. „Paulchen Panther“ fängt smooth an, geht pausenlos in das nächste Gitarrensolo über, um dann in „Opus Maximus“ zu münden - während des Stückes wie entfesselt, das Synthesizersolo von Keyboarder Derek Sherinian. Man sollte nicht die Zeit zählen, wie lange ein solches Solo wohl angedauert hat, denn die Genialität überdauert alle Zeiten. Und man verfällt hier selbst in Trance-ähnliche Zustände. Zu guter Letzt „Lines In The Sand“, was bitte nicht mit Howard Carpendales Lied „Deine Spuren im Sand“ zu verwechseln ist [DREAM THEATER werden es dir danken, dass du das nochmal unterstrichen hast, Fred! Anm. v. Mike]. 

Für weitere zwei Lieder kamen die Herren nochmals auf die Bühne: „And The Cradle Will Rock“; beeindruckend, wie Gitarrist Ron „Bumblefoot“ Thal sich „like an Indian“ sein Plektrum auf die Stirn klebt, ok - Schweiss hält ein paar Minuten, wie ein Bindi in Indien. Mirnichts, dirnichts bearbeitete er seine Gitarre dabei kunstvoll mit seinen Fingern. Soundverlust war nicht zu spüren. Von daher: Hut ab! Der Abschluss mit „Coming Home“ mit kompletter choraler Unterstützung in vielen möglichen Varianten ("Will I Coming Home" etwa) die noch relativ schnell dazuerfunden wurden, einfach genial und ein absolut denkwürdiger Abschied. 

Setlist:

Intro
God Of The Sun
Signs Of The Time
Divine Addiction
Just Let Me Breathe (Dream Theater Cover)
Labyrinth
Lost In Oblivion
The Prophet's Song / Save Me (Queen Covers)
Alive
The Pink Panther
Lines In The Sand (Dream Theater Cover)

Encore:

And The Cradle Will Rock
Coming Home

Line Up:

Jeff Scott Soto – Gesang
Mike Portnoy – Schlagzeug
Billy Sheehan – Doppelhalsbass
Derek Sherinian – Keyboard
Ron Thal – Doppelhalsgitarre


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