20.10.18, Colos-Saal, Aschaffenburg

THORBJØRN RISAGER & THE BLACK TORNADO

Text: Fred Gasch | Fotos: Fred Gasch
Veröffentlicht am 23.10.2018

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Man schreibt das Jahr 1992, als die nicht ganz vorbereitete dänische Fußballnationalmannschaft als Ersatz für das im Krieg, oder besser: Balkankrise befindliche Jugoslawien zur Europameisterschaft in Schweden nachnominiert wurde. Die Geschichte ist hinlänglich bekannt. Dänemark wurde Europameister. Dies veranlasste wen auch immer zu einer Textzeile: “Dänen lügen nicht“. Ok, ok - die Originalzeile wurde von einem Herrn Holm entliehen. Da hieß es: “Tränen Lügen nicht“. Aber wir befinden uns im Hier & Jetzt, im Istzustand.

Jetzt im Herbst wird das Wetter rauer und kälter. Winde oder gar die ersten Herbststürme wehen, fegen einem um die Ohren. Ja, man muss sich warm anziehen. Außer man befindet sich in einem Gebäude. Einem Gebäude, in dem Musik zelebriert wird. Die Koordinaten dürften einem breiteren Publikum sehr bekannt sein: Es handelt sich um den ColosSaal in Aschaffenburg. Letzten Samstag gasierte hier THORBJØRN RISAGER & THE BLACK TORNADO. Um es kurz zu fassen, Kälte verspürte nach diesem Konzert wohl kein Besucher mehr. Denn was hier geboten wurde, sprengt so ziemlich jede Genreschublade an Musik.

Die Mischung, die aus - man könnte meinen wild zusammengewürfelten - Elementen aus Rock, R'n'B, Blues sowie Boogie bestand, machte einem warm und wohlig ums Herz. Das alles kam wie aus einem Guss. Es müssen nicht immer die großen Bands mit den großen Namen sein, die Musik machen können. Leider werden immer wieder Gruppen durchfallen oder sind durchgefallen, die nicht erkannt werden, die nicht erkannt wurden. Das dürfte im Fall von THORBJØRN RISAGER & THE BLACK TORNADO hoffentlich nicht der Fall werden.

Dafür ist die Musik einfach in sich zu stimmig und viel zu gut. Die Stimme von Bandleader THORBJØRN RISAGER klingt markant, eindringlich, rauchig und charakteristisch. Die Musik insgesamt treibt einem den Schweiß förmlich aus den Poren, der Rhythm and Blues erdiger Natur, mit brachial guten Bläsersätzen, sorgfältig ausgetüftelten Arrangements, stellenweise heftigen Gitarrensolos. Stilrichtungen vermischen sich fast allein schon fließend. Ein Lied möchte man auf der Setlist nicht missen. Es ist "Rock'n Roll Ride", und wohl das gefühlt längste Stück des Abends. Es hielt, was der Titel versprach - denn es war ein Ritt in jeglicher Hinsicht. Wo der Zuhörer am Ende dieses Rittes herauskam, war nicht in Erfahrung zu bringen. Mit Gitarrensolo, dem markanten Gesang, ach man kann es nicht mehr richtig nachvollziehen. Einfach klasse. Es hat alles gepasst.


Und überhaupt, es kein statisches Konzert. Die Musiker um THORBJØRN RISAGER sind ständig in Bewegung mit Charme, Wortwitz, einer Portion Ironie, und immer mit einem Zwinkern in den Augen. Sie alle machten dieses Konzert zu dem was es war: Einem genialen Abend.

Zur Info: THORBJØRN RISAGER & THE BLACK TORNADO gewannen zwei Mal in Folge den "Danish Music Award", wurden für den "British Blues Award" nominiert und gewannen den "Preis der deutschen Schallplattenkritik". Sie traten in Indien und in Amerika auf, die Zeitschrift "The Blues" reihte Risager in eine hochkarätige Liste mit unter anderem Robert Cray (Blues-Rock), Walter Trout (Blues/Blues-Rock) und Joe Bonamassa (Blues/Blues-Rock) ein und "BluesNews" zählt sie "aktuell sicherlich zu den innovativsten Acts der internationalen Blues(Rock)szene".

Das war im Juni 2015. Der Umkehrschluss liegt im Hier & Jetzt und im Istzustand, wie bereits schon erwähnt. Die Wandlung, die Entwicklung erfährt hier sicherlich keinen Stillstand.


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