26.10.2018, MTC, Köln

SYMPHONIC METAL NIGHTS

Veröffentlicht am 30.10.2018

Was macht ein Exil-Tiroler am 26. Oktober, dem österreichischen Nationalfeiertag, mitten in Germanien? Er freut sich wie ein Einhorn (oder Flamingo, der ja scheinbar dabei ist, unser aller liebster Hörnerviech den Rang abzulaufen) auf die SYMPHONIC METAL NIGHTS, die dieses Mal mit österreichisch-stämmigen und einer italienischen Truppe aufwartet. Natürlich steht einzig und allein die gleiche musikalische Kerbe im Vordergrund, in welche TEMPERANCE, DRAGONY, VISIONS OF ATLANTIS und SERENITY schlagen. Somit sollte der Abend im Kölner MTC Großartiges versprechen. Gleich vorweg: Die Erwartungen wurden um ein Vielfaches übertroffen. Und warum die Bands der Reihe nach fast durch die Decke gingen, wird meinereiner später noch erörtern. 

Als sich zu angekündigtem Beginn des Konzertes die Türen immer noch verschlossen vorfanden und sich die Schlange der Wartenden einmal quer durch Köln zog (zumindest gefühlt), machte sich meinereiner so langsam Sorgen, etwas zu verpassen. Glücklicherweise waren es nur die ersten Klänge von TEMPERANCE, die als Opener das schmale und recht kuschelige MTC in Stimmung bringen sollten. Zugegebenermaßen: Den Italienern habe ich die Rolle eines guten Warm-up-Acts zugetraut, mehr eigentlich nicht. Dass sie ihre Sache aber so gut machen würden und meine Wenigkeit gleichermaßen umfegen sollten, war die erste Überraschung des Abends! Musikalisch einwandfrei, bestachen die Herrschaften auch durch die Power-Vocals von Michele Guaitoli und der wunderschön ausgeglichenen, glaskaren Stimme von Sängerin Alessia Scoletti. Nicht immer kann eine Truppe, die mit Female Vocals arbeitet, auf eine solche Stimme zurückgreifen,die vollständig in ihrer erhabenen Stimmlage arbeitet, ohne sich dabei über Grenzen hinaus zu bemühen. Alles, was hier stimmlich geleistet wurde, war spannend und einfach auf den Punkt. Abgesehen davon, dass TEMPERANCE musikalisch richtig gut ablieferten und definitiv Lust auf mehr machten – sowohl auf weitere bandeigene Sachen als auch auf die nächste Band, die nach einem erfolgreichen und sehr motivierenden Set der Italiener schon in den Startrampen stand. 

 

Meinereiner verrät kein Geheimnis, wenn an dieser Stelle erwähnt wird, dass DRAGONY so langsam zu den Stormbringer Haus- und Hofdrachen avancieren. So ist es schon obligat, sich einen guten Platz in den vorderen Reihen zu sichern, um sich die „Meister des Multiversums“ zu Gemüte zu führen. Nach den ersten kleinen Einstellungsschwierigkeiten beim ersten Song konnten sich das dicht gedrängte Publikum also von spaßigem Sound mit nerdlastigen Texten beschallen lassen. Da war zum Beispiel ein sprichwörtlich atemberaubendes „Lords Of The Hunt“, das den Sänger beinahe „atemlos“ zurückließ – was dieser auch kurz anstimmte – gefolgt von der ohrwurmlastigen Predator-Adaption „If it bleeds we can kill it“, das so richtig zur Feierlaune aufheizte und das Niveau des Spaßfaktors in der Band klar machte. Tatsächlich wirkte der ein oder andere, der sich neben mir einen Platz mitten im Pöbel gesucht hatte, zunehmend erfreuter und ließ sich von „der einzigen epischen Wahrheit“ mitreißen. Sollte da tatsächlich jemand noch nichts von DRAGONY gehört haben? Falscher Fehler! (Aber wohl die Kurve gerade noch gekriegt). Viel zu kurz war das Set, viel zu schnell vorbei die kleinen Loblieder an den Merch-Mann, das Sänger Sigi mit einem Euro-Disco-Song anstimmte (womit wir schon musikalisch in der kurzen Zeit durch ein ganzes Multiversum getigert wären), viel zu schnell vorbei der Gig von DRAGONY. Glücklicherweise gab es als kleines Finale noch passenderweise ein episches „Wolves of the North“, wobei der ein oder andere rigorose Lederjacken- und Kapuzenpulli-Träger wahrscheinlich um den kommenden Winter froh gewesen wäre. Doch stattdessen gab es nur Drachenfeuer. Und verdammt gute Laune!

 

Mit einem lachenden und weinenden Auge erwartete meinereiner dann den nächsten Act mit dem Wissen, dass diese Tour die letzte mit Drachenzähmer Siegfried sein würde (der ja auch schon bei DRAGONY fleißig mitmischt). Umso mehr ein Grund, VISIONS OF ATLANTIS noch einmal richtig zu feiern. Dazu gab es allerdings auch allen Grund. Zwar wollte die Technik dem Sänger ersteinmal erneut zu wenig Saft geben, doch dies sollte sich dann bald einpendeln und einem durchaus abwechslungsreichen Konzert stand nichts mehr im Wege. Sollte der scheidende Sänger zusammen mit der altbekannten Gesangskünstlerin Clementine Delauney Songs wie „The Deep and the Dark“ präsentieren, wurde nach einigen Stücken auch direkt die neue Stimme am Mikro vorgestellt und in sein neues natürliches Habitat eingeführt. Mit TEMPERANCE – Stimme Michele wurden VISIONS OF ATLANTIS durchaus fündig, die aktuelle Erfolgsschiene der Truppe weiterzuführen, denn mit seiner fast-forward-Powerstimme überzeugt er als Gegenpart zu den female vocals kritiklos. (Und dennoch wird die Präsenz des bisherigen Sängers fehlen). Jedenfalls wird das Piratenschiff von VISIONS OF ATLANTIS weiterhin auf unaufhaltsamer Kaperfahrt sein, denn das weitere Set war gespickt mit großen Melodien und einer gewaltigen Portion Symphonik und überzeugte bis in die letzte Reihe. Lediglich den VISIONS-Oldie “Lost“ schien seine Wirkung nicht so recht auf das Publikum übertragen zu wollen, dämpfte die Stimmung ein wenig, doch konnte dies nur als kleine Verschnaufpause gelten. Die symphonische Odyssee hatte noch so einige großartige Werke parat, die vom Publikum aus vollem Herzen mitgefeiert wurden. Und obwohl man noch eine weitere Band vor sich hatte, wirkte die Show fast schon zu kurzweilig. 

Es war ja fast schon eigenartig zu sehen, dass sich nach VISIONS OF ATLANTIS die Reihen lichteten und mit einem Mal die halbe Halle leer zu stehen schien. Hatte der gediegene Konzertbesucher vielleicht nicht mitbekommen, wer jetzt das MTC mit epischer Power überziehen sollte? Doch wahrscheinlich war nur Rauch- und Trinkpause angesagt, denn pünktlich zum Klang des Intros stand man wieder dicht gepackt, Lederjacke an Lederjacke (was bei den 40 Grad in dem Räumchen zwar stylisch, aber logisch nicht nachvollziehbar war) und lauschte, was da losbrechen sollte. SERENITY sind der schillerndste Traum eines jeden Symphonic Metal-Liebhabers“ wurde das Konzert auf Facebook angekündigt. Dabei gibt es böse Stimmen, die behaupten, wenn Sänger Georg Neuhauser in den Musikvideos keinen Schmutz im Gesicht hat, wären es nicht die echten SERENITY. Jedenfalls sei eines schon vorweg gesagt: Wer nur SERENITYs Scheiben kennt - Live können die noch viel viel mehr! Und das ist keine Untertreibung. Mit ansteckender Spielfreude, ordentlich Power und astreinem musikalischen Schaffen brachten schon die ersten Songs die Halle zum Kochen. Refrains wurden in einer Lautstärke mitgegröhlt, die das MTC doppelt so voll erscheinen ließen und der sympathische Sänger, Animateur und Entertainer Georg Neuhauser hatte offensichtlich seinen Spaß. Dass er dabei auch beinahe durch die Decke ging, sei allerdings weniger (oder vielleicht auch) dem Können und dem Spaßfaktor der Truppe geschuldet, sondern der extrem niedrigen Hallenhöhe, bei welcher sich der Barde selbst freute, jetzt nicht noch eine Frisur auf dem Kopf zu haben, die er sich direkt zerstören würde. Neben diesen kleinen Anekdoten und einer Ode an den Busfahrer (dessen Name an dieser Stelle nicht gesagt werden kann – weil ihn keiner wusste), brachten „United“ oder „Lionheart“ das tatsächlich sehr internationale Publikum zum Kochen, wurden zwischendurch durch ein kleines Akustik-Set von zwei großartigen Songs wieder auf den Boden der Tatsachen geholt – oder in den siebten Himmel. Die Ankündigung eines reinen Akustik-Albums erwärmte viele Herzen dann wahrscheinlich noch weiter. Dass sich SERENITY wohl ungern verabschieden wollten, zeigten ganze drei Zugaben, unter anderem „The Final Crusade“, das live mit so viel Power kommt, dass man danach tatsächlich „nichts mehr braucht“. Großartige Show, großartige Stimmung und man kann sagen, was man will: Sind die Silberlinge von SERENITY schön, domestiziert und hübsch, legen sie live so viel Power drauf, dass es wahrscheinlich auch den ein oder anderen Zweifler aus den Latschen haut.




 

Und trotz fast fünfstündiger Beschallung wirkte der Abend viel zu schnell vorbei. Das Bandaufgebot absolut gelungen, Stimmung und Spielfreude, sowie der Austausch zwischen Bands und Publikum großartig. Sollte jemand die Gelegenheit haben, den SYMPHONIC METAL NIGHTS irgendwo in einem der weiteren Schauplätze beizuwohnen, nicht lange überlegen – Hingehen! 


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