10.11.2018, Docks Hamburg, Hamburg

Ekstase: ESKIMO CALLBOY mit ATTILA und THE BROWNING

Text: Jazz
Veröffentlicht am 13.11.2018

Was ist los? Die Trancecore-Monster von ESKIMO CALLBOY sind auf Tour? Auch im Docks in Hamburg? Das klingt doch unsteigerbar awesome! Ist es aber nicht. Denn es wird gesteigert. Durch ATTILA, die harte Nu-Deathcore-Rap-Truppe, und THE BROWNING, die aggressiven Club-Coreler sind auch noch da. Unvorstellbar superior nicenstein deluxe!

Ich laufe durch die trüben Gassen der herbstnassen Großstadt. Durchdringende Dunkelheit greift nach mir. Nur das Neonlicht der Kiez-Reklame wirft lange Schatten in das dreckige Viertel. ESKIMO CALLBOY und ich, wir sind alte Bekannte. Ich gehe nicht das erste Mal auf eines ihrer Konzerte und es wird sicher nicht das letzte Mal sein, dass die Chaoten meine Trommelfelle massakrieren. Ich könnte ohne sie, aber ich will nicht. Was für ein Quatsch! Ich kann schon lange nicht mehr ohne den regelmäßigen Kick des nicesten Trancecore unter der motherf*cking Sonne! Der Stoff flasht härter als Unreal Turnament auf 200% Geschwindigkeit bei gleichzeitigem Zungenkuss mit einer undichten 9-Volt-Batterie! [Anm. d. Lekt: Ich will nicht wissen woher diese Idee kommt. Ich will es nicht wissen...]

Die tighteste Dancecore-Party des Jahres – f*ck it, des Lebens! – will allerdings gut vorbereitet sein. Aus Gründen der vorbildlichen Vorbildhaftigkeit wollte ich euch den Cocktail aus psychotropen Substanzen eigentlich verschweigen, der durch meinen Körper kreist, doch mein Wahrheits-Tourette ignoriert diesen Wunsch: Vodka Energy – woop woop! (Weder Alkohol noch Energy Drink und erst recht nicht deren Mischung gehören zu einer gesunden Ernährung, die der Stormbringer empfiehlt!)

Bing bing bing, bing dingeling ding dong!

Zum Glück lassen uns aber auch die Castrop-City-Boys nicht unvorbereitet in die eskalative Partykalypse starten, sondern schmeißen Einstiegsdrogen ins Publikum. Die erste Überdosis-Substanz hört auf den Namen THE BROWNING. Knallhart knüppelt die Metalcore-Maschinerie in den Club-Elektro-Sound. Der Bassist im See-trough-Shirt, der Gitarrist mit rotem Kopf und Jonny McBee am Mic brüllt in die Beats, dass die entsprechenden Studioversionen zu zahmem Gänseblümchen-Pop verkommen, der sie eigentlich gar nicht sind.

Isolation“ hat 2016 schon übelst reingehauen und das 2018er „Geist“ legt noch mal einen obendrauf. Was für ein kranker Bastard aus hartem Metalcore und hartem EDM! Rap, Breakdown, Elektrogeballer – hell yeah! Meine vom Schweiß glänzende Gänsehaut leuchtet bunt im grellen Scheinwerferlicht. So geil, dass ich mir sogar ein bisschen wünsche, ESKIMO CALLBOY würden sich den ein oder anderen Elektro-Beat von THE BROWNING abschauen.

Narzissmus Overkill!

Als hätten THE BROWNING nicht schon genug körpereigene Drogen in meine Blutbahn gezwungen, zerfetzen jetzt auch noch ATTILA mein Innenohr. Die haben zwar deutlich weniger pinke Techno-Schirmchen in ihrem Klangcocktail als ihre Vorgänger, sprechen dafür mit dem ultimativ dröhnendsten Donnerbass des Todes die Fans der krasseren Töne an. Ein Highlight sind die tanzenden Finger des großartigen Gitarristen Chris Linck, ein weiteres das Doubletime-Rap-Brüll-Shout-Gegrowle von Fronter Chris „Fronz“ Fronzak.

So überragend auch seine Fähigkeiten als Vocalist sein mögen – f*ck, das sind sie! –, so unerträglich ist seine narzisstisch übersteigerte Bühnenpräsenz. Ich habe selten etwas derart unsympathisches gesehen. Seine Sonnenbrille macht diesen überamerikanisch-aufgesetzten So-very-very-tough-Guy so verflucht lässig, dass der Eierwärmer auf seiner hartgekochten Rübe auch nicht mehr vor der Erkältung an der eigenen Coolness schützen kann. So sehr mich die Art aber auch ankotzt, so überragend ist die Musik. „Blackout“ zerfetzt einfach alles. Deswegen hört euch die aktuelle ATTILA-Platte „Chaos“ an!

„I miss you! I adore you! It's hard to say!“

Dann passiert es. ESKIMO CALLBOY treten auf. Metal wird wieder gay. Mütter sammeln wieder hässliche Kinder. „Best Day“ is today! Die Jungs aus Castrop-Rauxel sind „Back In The Bizz“ und stellen sehr korrekt fest „We Are The Mess“. Scheißegal, Freakout bis der Schweiß über die Stiefelkanten schwappt! Eine exzellente „Party At The Horror House“, in dem sich die fette Stimmung zur Tanzekstase steigert. Pogen, Moshen, Headbangen, Dancen, Wall of Death, Circlepit, Springen – alles gleichzeitig! Der Elektrocore defragmentiert dein Spiegelbild! Was soll denn das heißen? „Pitch Blease“!

„Baby (T.U.M.H.)“, ist doch egal, aber ruhige Töne gibt es auch, egal wie gut Sushi nun tatsächlich singen kann. Verstärkung kann er ja von THE BROWNINGs Jonny McBee bekommen – bitte remixt den Ultra-über-f*ck-yeah-Song „Muffin Purper-Gurk“! Wer da nicht ausflippt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren! Auch ATTILAs Fronz leiht seine Stimme aus. „The Scene“ rappt er heftiger als das Original. Übrigens, „The Scene“ heißt ja auch das aktuelle Album von ESKIMO CALLBOY. Gebt euch den shit!
Haha! Ich verliere den Überblick. „Is Anyone Up“? Wir sind alle „VIP“! Und „this is now my Cadillac!“ Noch mal schnell zurück zu ein paar klaren Gedanken: Du bist Metaller und ganz schön trve? Glaub ich dir nicht, denn dann würdest du einen Konzertbericht über ESKIMO CALLBOY gar nicht bis hierher lesen! Also streife den Rest deines albernen Ernstes ab und gib dich der Nacht hin! „Party, party till the lights went out!

Fazit: ESKIMO CALLBOY sind für dein Gehirn was Mentos für Cola ist.


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