08.12.2018, Rockhouse-Bar, Salzburg

Metal Thrashing Madness Vol. 5

Veröffentlicht am 12.12.2018

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Da kommt man nichtsahnend nach Österreich und dann wird man gleich zu einem Konzert eingeteilt. Mit vorgehaltener Waffe gezwungen, ich sage es euch! Die weiteren Druckmittel, die zum Einsatz kamen, um mich zum Metal Thrashing Madness in der Salzburger Rockhouse-Bar zu treiben, erspare ich euch gnädigerweise. Natürlich muss ich an dieser Stelle noch kurz auf den Namen der Veranstaltung eingehen, nachdem ich bereits im Internet lesen durfte, dass sich Besucher mokierten, es wäre „keine einzige Thrash-Band“ anwesend. Ich denke, SPACE CHASER aus Deutschland kann man doch getrost diesem Genre zurechnen. Genau wie die Österreicher INSANITY ALERT, von deren Wahnsinn mich bereits Kunde erreichte.


Doch zunächst ging es tatsächlich stilistisch andersartig zu Gange, als die REMAINERS mit dicken Eiern und fetten Hardcore-Riffs ihr Bestes taten, das Publikum aufzuwärmen. Was es angesichts der einigermaßen frostigen Außentemperaturen auch brauchte. Alsbald entstand vor der Bühne Bewegung und der erste zaghafte Moshpit des Abends würfelte die Zuschauer in den vorderen Reihen durcheinander. Musikalisch bekam man zwar nichts wirklich Originelles serviert, doch dafür war augenscheinlich auch niemand gekommen – den straighten Hardcore-Punk gab es einfach tight gezockt mitten in die Fresse, genauso wie es sein soll.


Musikalisch ähnlich gelagert, doch frischer und energiegeladener wirkend, brachen danach DAZE AFFECT über das Publikum herein. Zwar gehört Hardcore nicht unbedingt zu meinen favorisierten Genres, doch ich muss zugeben, das was die vier Herren aus Mondsee da abliefern, das kann schon was! Vor allem, da auch die Zuschauer zu den brachialen Klängen ziemlich abgingen und erstmals etwas lieferten, was den Namen „Moshpit“ auch verdiente. Die Definition „eskalative Musik“, die ich hier schon so oft lesen durfte, ist mir nun auch endlich klar – DAZE AFFECT sind ein genussvoller Tritt in die Eier, der zwar Schmerzen, aber auch sehr viel Genuss zu bringen vermag... Überraschend!


Erwähnte ich bereits, dass auch Thrash Metal nicht unbedingt in mein musikalisches Metier fällt? Nichtsdestotrotz lugte ich bei den deutschen SPACE CHASER erneut neugierig in die Bar und wurde von rollenden Drums, aberwitzigen Highspeed-Riffs und hysterischem Geschrei empfangen. Mein armes Herz machte angesichts der wahnhaften Geschwindigkeitsattacken einen schmerzhaften Satz nach vorne, sägende Lautstärke trieb mir den Schweiß aus allen Poren und ein entfesselter Haufen an Thrashern an der Front, deren wirbelnde Haare und wüste Circlepits mir Schwindelattacken bereiteten, machte das irrwitzige Empfinden komplett. Das ist Thrash, das muss so, nicht wahr? Also den zahlreich anwesenden Leuten schien es ohne Zweifel zu gefallen, so wie da in der gut gefüllte Bar abgegangen wurde – ich glaube, ich bleibe dann doch lieber bei den etwas sanfteren Klängen...


Aber zuerst waren noch INSANITY ALERT an der Reihe. Was habe ich von den vier Tirolern schon alles gehört, was wurde mir von ihnen vorgeschwärmt. Ich kann euch an dieser Stelle sagen: Das alles kommt der Wirklichkeit nicht einmal ansatzweise nahe. Das ist nicht einfach nur Crossover-Thrash, das ist purer, destillierter Wahnsinn. Zunächst stand zwar noch ein Nikolaus-Besuch ins Haus, der den Bravsten der Braven feine Gaben überbrachte (was zuvor an gleicher Stelle los war, hat der gute Mann wohl nicht so ganz mitbekommen...), aber das rettete den Abend dann auch nicht mehr vorm kollektiven Irrsinn. „Fuck this shit, let's circle pit!“, wie auf einem der zahllosen Styroporschilder zu lesen war, schien das Motto des Abends zu sein, oder auch die Variante „Alles kaputt in einer Minut'!“ - egal was, auf jeden Fall: Zerstörung! Akustisch, körperlich, geistig – die Zuschauer nahmen den Taumel in den Wahnsinn kollektiv hin, lieferten Circlepit um Circlepit, grölten die oft kurzen und pointierten Songs inbrünstig mit und verkloppten sich gegenseitig mit den Styroporschildern. Ich bin ehrlich gesagt ganz froh, dass ich nur zusehen musste. Das ist mir dann doch eine Stufe zu hart, auch wenn der kollektive Taumel zugegebenermaßen wirklich spaßig anzusehen ist und das, schamlos aber hochunterhaltsam, von IRON MAIDEN abgekupferte „Run To The Pit“ nur schwer wieder aus dem Kopf zu bringen ist. Und wer räumt eigentlich nach getaner Zerstörungsarbeit die von Scherben, Styroporstücken, Konfetti und abgerissenen Körperteilen (ach nein, das war woanders...) übersäte Bar wieder zusammen? Na gottseidank, ich bin es nicht! Ich genieße nur die Show und denke mir insgeheim, so ein bisschen verrückt sind die in Österreich schon... oder?


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