06.12.-07.12.2018, Turbinenhalle, Oberhausen

RUHRPOTT METAL MEETING

Veröffentlicht am 03.01.2019

Das Ruhrpott Metal Meeting in der Turbinenhalle Oberhausen lockte schon am Freitag zahlreiche Besucher an. Bei dem Line-Up aber auch nicht verwunderlich, schließlich bekam man das Package der MTV Headbangers Tour zu sehen und obendrauf noch VENOM.

Die Kölner Thrasher PRIPJAT dürften wohl noch so einige verpasst haben, die gerade von der Arbeit kamen. Rechtzeitig zum Soundcheck von SUICIDAL ANGELS angekommen, konnte es endlich losgehen mit dem thrashlastigen Freitagabend. Die Griechen legten ordentlich was vor. Vom Opener „Capital Of War“ bis „Apokathilosis“ das Set abschloss, wurde ein Kracher nach dem anderen gezündet. Besonders hervor stachen „Eternally To Suffer“ und „Seed of Evil“, bei dem auch das Publikum nun so richtig abging.

Das war schon mal amtlich, aber was DEATH ANGEL als nächstes boten, war an diesem Abend nicht zu überbieten. Mark Oseguedas Stimme im Speziellen ist nicht von dieser Welt (wie auch seine Fähigkeit, nicht ins Schwitzen zu geraten, die Frisur sitzt am Ende noch 1A und kein einziger Schweißfleck). Er und Gitarrist Rob Cavestany erweisen sich als die Showmänner der Band, obwohl auch Damien Sisson (der zu Späßen zu neigen schien) und Ted Aguliar über jede Menge Ausstrahlung und Bühnenpräsenz verfügen. Schlagzeuger Will Carroll ging dabei etwas in meiner Wahrnehmung unter. Wie es Mark Osegueda mehrmals betonte, die Band zehrt von der Energie des Publikums und vice versa. Die sieben Songs der Setlist waren sehr stark. „The Ultra-Violence“ als Intro zu „Thrown To The Wolves“ blieb besonders in Erinnerung. Die Fans waren auch sehr angetan und so konnte man nach dem Song “Def Angel!” [sic!] Rufe vernehmen. Vor dem letzten Song, „The Moth“ gab es noch mal eine kleine Ansage von Mark: „We love everything we do. There is only one thing we hate. This is the last song of the night.“ Zu kurz erschien das Set, da bekommt man Lust, DEATH ANGEL als Headliner auf einer eigenen Tour zu sehen.

SODOM haben ein sehr ereignisreiches Jahr hinter sich. Nach dem sehr überraschendem Rauswurf von Makka und Bernemann versucht Tom Angelripper mit der Band als Quartett durchzustarten. Bei ihrer holprigen Livepremiere am diesjährigen Rock Hard Festival hatten sie noch offensichtlich mit einigen Problemchen zu kämpfen, die Band wirkte noch nicht eingespielt, einige Patzer und zu all dem noch ein relativ schlechter Sound. Seither hat man sich hörbar gesteigert, auch wenn hier der Sound wieder nicht perfekt war. Bei DEATH ANGEL war dieser noch sehr gut, aber bei den meisten Bands war er nicht hundertprozentig ideal, was aber meist nur wenig bis gar nicht störte. Erst vor kurzem erschien die EP „Partisan“ (auch der Song „Conflagration“ wurde gespielt), die Setliste bestand aber vor allem aus Klassikern wie „Agent Orange“, „Tired and Red“ und selbstverständlich durfte auch „Bombenhagel“ nicht fehlen. Während SODOM Fans aufgrund der personellen Umbesetzung teilweise gespalten sind, so schien es doch den meisten zu gefallen, viele freuen sich Frank Blackfire wieder an der Klampfe zu sehen, Husky und Yorck Segatz werden gut angenommen und was soll man zu Angelripper schon sagen?

Mit jeder Menge Spielfreude und überschwappender guter Laune enterten EXODUS die Bühne. Selbst Schlagzeuger Tom Hunting sieht man seinen Spaß an, spätestens als er auf seinen Stuhl steigt, sein Shirt liftet und einen kleinen Bauchtanz hinlegt. Obwohl das Set eher von älteren Tracks dominiert wurde („Bonded By Blood“, „A Lesson In Violence“ und am Ende natürlich auch den „Toxic Waltz“), spielte man zum Glück auch „Body Harvest“ – ein Song, der live schon vor zwei Jahren bei ihrem Auftritt in Wien im Zuge der „Battle Of The Bays“ Tour imponierte. Wie Steve „Zetro“ Souza ankündigt, ist der Song vom letzten Album „Blood In, Blood Out“ „(…) one of our favourites to play live“ und das merkt man. Wie es sich für eine ordentliche EXODUS Show gehört, ging es während des Sets auch im Pit sehr heftig zu.

"Welcome To Hell" - dunkles, großenteils violettes, grünes und blaues Licht, Feuer, Rauch, Gestank und Hitze. Mit einem großen Knall beginnt die einzige Pyroshow des Abends. Überraschenderweise scheint das Interesse für den eigentlichen Headliner des Abends, VENOM, etwas geringer zu sein als für die beiden vorangegangenen Bands. Im hinteren Bereich der Halle lichten sich die Reihen, vorne jedoch ist es noch vollgepackt und die Fans freuen sich über die Show, deren Setliste Klassiker wie "Buried Alive", "Countess Bathory", aber auch neuere Stücke wie "Long Haired Punks" und die Single "Bring Out Your Dead" vom aktuellen Album "Storm The Gates" umfasst. Letzteres klingt live dank des fehlenden Layering-Effeks der Vocals deutlich besser als auf dem Album. Die neueren Songs klingen alle sehr gut, mit Dante hat sich Cronos einen guten Schlagzeuger und mit Rage eigentlich auch einen guten Gitarristen an Bord geholt, die sich beide gerne in Szene setzten (sei es durch Spinnen der Drumsticks oder Hendrix-inspirierten Spielen der Gitarre mit den Zähnen). Aber gerade bei klassischen VENOM Tracks wie "Welcome To Hell" werden ihre Schwächen hörbar. Es fehlt der rumpelige Charme des Originals, der Gitarrensund ist viel zu steril. Rage hat einfach nicht den Ton von Mantas und es mangelt ihm und Dante auch an Ausstrahlung. Charisma hat man oder hat man nicht, im Fall der beiden ist es letzteres, egal wie sehr sie es versuchen. Unterhaltsam war die Show aber unterm Strich schon (nicht nur wegen Cronos' Reaktion, als ihm jemand eine CD zuwarf, der Versuch auf sich aufmerksam zu machen und die eigene Band zu promoten, ging nach hinten los. Als Zugabe gab es unter anderem noch "Black Xmas" - da ja Weihnachten ist.

In Puncto Merch war auf dem Festival überraschend, dass es am Freitag neben der eigenen Festivalmerch (inkl. alten vergünstigten Shirts) scheinbar nur welches von DEATH ANGEL, SODOM und EXODUS gab, nicht jedoch vom Headliner des Abends. 

Der zweite Tag hatte anfangs parallel stattfindende Shows zu bieten. Zum einen wie Freitag auf der größeren Ruhrpott Stage, zu anderen diesmal auf der etwas kleineren Flötz Stage, wo Century Media mit Auftritten vier ihrer Acts ihr 30-jähriges Jubiläum feierte: BEAST, ANGELUS APATRIDA, LACUNA COIL und DARK TRANQUILITY. Der weihnachtsbedingte Stau und Probleme mit den öffentlichen Verkehrsmitteln machten manchen die Anreise etwas umständlich. MOTORJESUS wurden leider zur Gänze verpasst und von BEAST nur noch die letzten eineinhalb Songs gehört, zu wenig um über den Auftritt ein aussagekräftiges Urteil fällen zu können.

SKÁLMÖLD aus Island spielen Viking Metal der epischen Art. Vielleicht war man vom Vortag zu verwöhnt, aber irgendwie bewegte der Auftritt überhaupt nicht. Zu aufgeblasen, zu langweilig. Der Gesang war ziemlich gewöhnungsbedürftig, die drei Gitarren auf der Bühne völlig überflüssig und wieso kam der Gesang der Keyboarderin teilweise vom Band? Ein paar Leuten schien es aber doch gefallen zu haben. Es war auch relativ kühl in der Halle (auch wenn einer der Band ohne Shirt auf der Bühne stand), also wurde immer wieder auf die Uhr geschielt und um 17:45 ging es auf zur Flötz Stage, wo der Auftritt der nächsten Band begann.

Die Halle zu wechseln war eine gute Idee, denn ANGELUS APATRIDA erwiesen sich genau nach meinem Geschmack. Erstklassiker Thrash, der auch in das Programm des Vortags gepasst hätte. Die Musiker spielerisch tadellos und die Songs knackig. Hinten schon recht gut gefüllt, gab es vorne in der Halle zunächst noch Lücken, die geradezu dazu einluden sich das Ganze aus der ersten Reihe zu geben. Das Einzige, das es zu bemängeln gibt ist, dass die Vocals zu leise im Mix waren. Wie schon angesprochen, war der Mix nicht immer perfekt, aber in so einem Fall ist es doch etwas störend. Während der Ansagen war das Rumgespiele mit Gitarrenfeedback auch nicht gerade verständnisförderlich, das könnte man sich abgewöhnen, aber ansonsten lieferten die Spanier, die heuer ihr neues Studioalbum „Cabaret De La Guillotine“ veröffentlicht haben, eine astreine Show ab.

Es bleibt thrashig, aber die „seriöseste Band der Welt“ (so Gerre) ist da doch ein Fall für sich. Manche können mit „Beer Metal“ nichts anfangen (zu TANKARDs Verteidigung, sie haben mehr zu bieten als nur Songs übers Saufen), aber man muss nicht einmal trinken um von TANKARD bestens unterhalten zu werden. Zwar fallen unzählige Bier Anspielungen, aber wie schon am Nord Open Air in Essen im Sommer dieses Jahres, zeigt sich auch hier Gerre wieder als ausgezeichneter Animateur (vom Rest der Band nimmt man ehrlich gesagt wenig Notiz). Wenn er sagt: „Ich will euch alle springen sehen!“, dann springt das Publikum. „Thrash Metal will never die!“ Amen!

Nach TANKARDs Set gingen sich noch die letzten vier Songs von LACUNA COIL aus. Die eigenen Songs („Heaven’s A Lie“ und „Nothing Stands In Our Way“) sind zwar ganz passabel. Das Keyboardgeklimper ist für jemanden, der kein großer Fan dieses Subgenres ist, doch etwas zu viel. Wirklich schlimm jedoch war die Coverrversion von DEPECHE MODEs „Enjoy The Silence“. Dass das Publikum mitgrölt wie an einem betrunkenem Karaokeabend – okay, aber was die Band aus dem Song machte war einfach nur fürchterlich. Die uninspirierte Musik, in der die originale Melodie unterging, wurde noch „getoppt“ von Cristina Scabbias völlig gefühllosem Gesang. Stimmumfang und Talent sind völlig egal, wenn das Feeling fehlt. Dave Gahan mag zwar nicht Scabbias Organ haben, aber er singt die Lyrics mit Gefühl. Scabbia hingegen scheint es nur darum zu gehen ihre ganzen Oktaven hineinzuquetschen, zu zeigen welch hohe Noten sie erreichen kann und wie lange sie „aaaaaaaaaaaaaaarms“ rausziehen kann. Worum es im Text geht ist dabei völlig egal, sie könnte genauso gut „Alle meine Entchen“ singen. Aber immerhin kann sie singen, im Gegensatz zu Andrea Ferro, den man kaum hören konnte und so überflüssig wirkte wie Bobby Farrell von Boney M (aber der konnte wenigstens tanzen). Theatralisch, aber langweilig. Genauso wie ihre the Munsters-meets-King Diamond-meets-Ghost Aufmachung.

Die Dänen D-A-D erwiesen sich als die größte Überraschung des Abends. Vermeintlich eine der „softesten“ Bands des Festivals, waren es gerade sie, die die Bude im übertragenen Sinne fast einrissen. Fetter Sound, gute Songs, tighte Band, grandiose Entertainer und die Symbiose zwischen Band und Publikum perfekt. Optisch ein recht eigenwilliger Anblick, besonders Bassist Stig Pedersen in seinem rosa Einteiler und seinen ausgefallenen Bässen (zweisaitiger „Roter Baron“ mit Kreuzkörper und Flugzeug am Kopf, oder transparent mit blauen Lichtern), die aber nicht nur als Gimmick taugen, sondern überraschenderweise auch gut klingen. Stig ist ein richtiger „scene stealer“, der stets die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken weiß. Aber auch Jacob Binzer ganz in schwarz und mit Zylinder an der Gitarre ist nicht zu übersehen und erst recht nicht sein Bruder und Frontmann Jesper. Lediglich der Schlagzeuger ging etwas unter, aber auf ihn machte Jesper Binzer immer wieder aufmerksam. Seine Ansagen in nicht besonders gutem Deutsch waren zwar bestenfalls belustigend, aber sonst saß alles. Mit Charisma und Charme verstand er das Publikum um den Finger zu wickeln. Als er sich dann noch zu einem kleinen Singspielchen in die Menge begab, waren auch die Letzten restlos begeistert. Jesper Binzers Stimme klang auch großartig. Der finale Song des Sets, „Sleeping My Day Away“, erwies sich als grandioser Kracher, bei dem das Publikum voll ab ging. „Bis jetzt das Beste, das ich gesehen habe“, sagt nach Ende jemand hinter mir und mit dieser Meinung war sie wohl nicht alleine.

Noch schnell zur anderen Stage, wo DARK TRANQUILITY ihre letzten Minuten spielen sollten, aber die Show ging dann doch etwas länger. Die Halle war voll, die Band nicht schlecht, aber trotzdem hat der D-A-D Auftritt vorhin dermaßen reingehauen, dass das, was man hier zu hören und sehen bekam, etwas steril und unterwältigend wirkte. Als einzige Band hatten sie statt einem Banner hinter sich Videoprojektionen laufen, die ihre Songs, wie „Ghost Town“ und „Lost To Apathy“, untermalten. Wie alle Bands auf der Flötz Stage an diesem Tag, bedankten sich auch DARK TRANQUILITY bei Century Media und hatten sogar eine persönliche Story, die sie teilten. Derjenige, der sie 1999 unter Vertrag nahm, wurde ihr Manager und ist vor kurzem verstorben, also soll es nicht nur eine Feier für Century Media, sondern auch „a celebration of his life“ sein.

Zurück zur Ruhrpott Stage, auf der nun ALESTORM mit ihrer riesigen, aufblasbaren Gummiente standen. Mehr Sauflieder und Songs, die den zahlreichen Betrunkenen im Publikum gewidmet wurden. TANKARD und ALESTORM am selben Festival, noch dazu am selben Tag, ist einfach zu viel. Wobei ALESTORM nicht nur die Arschkarte gezogen haben, weil sie später auf der Bühne standen, sondern ihnen fehlt auch ein Gerre der weiß wie man Stimmung macht. Da hilft auch keine Wall of Death. Aber es herrscht Ballermann-Stimmung. Es wurde brutalst geschunkelt und gnadenlos mitgegrölt, vor allem bei der Coverversion dieses grauenvollen Songs „Hangover“ (höre ich nicht freiwilllig? Woher kennen die überhaupt den Text?) Über eine Stunde sollte das Set dauern, das war nicht auszuhalten. Parallelprogramm gab es keines mehr, also folgte die Flucht zum Metalmarkt.

CHILDREN OF BODOM waren die Headliner des zweiten Tages. Es waren viele hier um sie zu sehen. Bei ihrer Signing Session gab es schon eine elendslange Schlange, die ein Indikator des großen Interesses war. Sehr professionell und routiniert wirkte die Show, aber auch etwas introvertiert. Eine emotionale Nähe zum Publikum wurde nicht gesucht, war aber auch egal, die Fans waren glücklich und moshten was das Zeug hielt. „Bodom!“ „Bodom!“ wurde zwischen den Songs immer wieder gerufen. “ Nach 14 Songs - darunter „Silent Night, Bodom Night“, „Lake Bodom“ und der vielleicht besten des Sets „Hate Crew Deathroll“ – gab es noch zwei Zugaben und danach viele zufriedene Festivalbesucher, die sich auf den Heimweg machten.

Die Veranstalter ließen sich nicht lumpen. Im Gegensatz zu anderen Festivals, wo Fans mit ein paar ganz großen Headlinern geködert werden und der Rest mit „preiswerten“ Acts oder AXEL RUDI PELL gefüllt wird, bekamen die Fans hier ein durchgehend hochkarätiges Line-Up geboten. Da freut man sich schon auf die nächste Ausgabe!


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