26.01.2019, Turbinenhalle, Oberhausen

PERSISTENCE TOUR 2019

Text: Lord Seriousface | Fotos: FiniMiez
Veröffentlicht am 01.02.2019

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Prolog

Die gute alte Persistence Tour ist immer wieder ein tolles Forum für namhafte Hardcore-Kapellen und ein patenter Szenetreff. Nachdem wir dieses alljährige Spektakel in den letzten Jahren irgendwie verschlafen hatten, haben wir uns dieses Jahr mal wieder blicken lassen und uns dazu in Oberhausen im Ruhrgebiet eingefunden. Nachdem wir einigermaßen staufrei dort angekommen waren und unsere sieben Sachen im Hotel abgelegt hatten, ging es erst einmal in die nahegelegene Burgerbude zum Aufladen der Energiespeicher. Dass ich zu dieser Gelegenheit in einem Lokal, das sich "Devils Burger" nennt, ausgerechnet meine BEHEMOTH-Weste mit dem "Republic Of The Unfaithful"-Aufdruck anhatte, war im Nachhinein doch ein wenig lustig. Vielleicht ging es da irgendwie mit dem Teufel zu, dass die große Gruppe hungriger Festivalgäste direkt nach und nicht vor uns kam. Nach dieser kleinen Stärkung ging es dann flotten Stiefels zur Turbinenhalle, einem 1909 erbauten Gebäudekomplex, der der Oberhausener Stahlindustrie (Gutehoffnungshütte) einst zur Produktion von Strom und Druckluft diente. Seit 1993 wird in dem historischen Gebäude in erster Linie zur Musik geschwitzt. Wir drücken pünktlich um 17 Uhr die Stechkarte und betreten das alte Maschinenhaus, in dem auch Festivitäten wie das Punk-im-Pott-Festival stattfinden. An den genieteten Stahlträgern sieht man, dass die Hütte tatsächlich alt ist. Beim Aufsuchen der Garderobe fällt mir auf, dass die alte Turbinenhalle heute fast wie ein Einkaufscenter hergerichtet ist - Futter- und Getränkestände aller Couleur, wohltätige Organisationen wie die Hardcore-Help-Foundation, Merchmeilen, in denen man ganze Monatsgehälter verheizen könnte...meine Güte, hier steckt Zeit und Mühe drin! Die Garderobe mit den vielen Stahlspinden lässt mich gegen ein kleines Entgelt unsere kiloschwere Winterausrüstung und die Promo-CDs (u. a. von IGNITEs Zoli Téglás Soloband) sicher verstauen, sodass wir uns ganz auf's Festivalprogramm konzentrieren können.

CUTTHROAT

Die Hardcoretruppe aus Los Angeles ist ein besonderer Gast, den die Besucher der Persistence Tour nur hier und heute zu Gesicht bekommen. Die Jungs befinden sich nämlich gerade mit BILLYBIO (Billy Graziadei, BIOHAZARD) auf Tour und machen heute mit eben jener Szeneikone einen exklusiven Halt in Oberhausen. Mit wenigen Minuten Verspätung entern CUTTHROAT die Bühne und legen einen umso gelungeneren Start hin. Erste Pogo-Aufrufe laufen zwar vorerst ins Leere, da vor dem Wellenbrecher noch überwiegend der blank geputzte Beton vorzufinden ist. Dieser Zustand währt allerdings nicht lange, denn der groovende, breakdown-lastige Hardcore der Halsabschneider zaubert umghehend ein fröhliches Zucken in die Beine. Neben schnellen Brechern wie "Intoxicated" ertönt mit "We All Bleed The Same" auch gleich die erste politische / gesellschaftskritische Ansage. Wie viele ihrer heutigen Bühnenkollegen lassen es sich CUTTHROAT nicht nehmen, sich entschieden gegen Diskriminierung aufgrund der Religion, Hautfarbe usw. zu positionieren. Das Publikum ist offensichtlich derselben Meinung und beginnt, langsam aufzutauen. Nach spätestens vier Songs ist die Hütte zu gut drei Viertel voll. Zustimmend nickende Fans und vereinzelte Freestyler tummeln sich in dem Rund, das später mal einen Moshpit bilden soll. Zum Ende des Sets gesellt sich Sänger Neil Roemer zum Publikum, kündigt noch zwei Songs mit "Beatdownshit" an und bekräftigt, dass er gefälligst jeden tanzen sehen will, bevor er die Bühne verlässt. Diesen Wunsch erfüllt das Auditorium ihm jedoch nicht ganz. Schade eigentich, denn taugen tut die Mucke dazu allemal und wurde auch kompetent mit ordentlich Dampf gezockt.

TAKE OFFENSE

Um Punkt 18 Uhr legen TAKE OFFENSE los - vom Auftreten und vom Gesang her kann man die Truppe ebenfalls im Hardcore verorten, musikalisch und besonders in der Gitarrenarbeit wird dazu eine saftige Portion Thrash Metal geboten. So kommt es wohl, dass man zu TAKE OFFENSE ausgezeichnet pogen und genauso gut headbangen kann. Sänger Anthony Herrera hüpft wie ein Flummi und muss sich nach zwei Liedern erst mal seines Sweaters entledigen. Anscheinend stecken seine Hummeln im Hintern an, denn es bilden sich bereits erste Anzeichen eines Moshpits, zwar meistens nur zwei bis drei Leute, aber besser als nix! In der Mitte des Sets muss dann auch noch das Longsleeve weg, hoffentlich wird Anthony nicht noch warm um die Beine! Nach einer höflichen Erinnerung des Gitarristen, dass zu solchen Anlässen ein zünftiger Zirkularpogo aufzuführen sei, fühlen sich spontan etwa 20 Mann an ihre Bürgerpflicht erinnert und schwingen das Tanzbein. Die Show ist kurzweilig und ehe man es sich versieht, denkt man sich "Echt? Schon vorbei?". Nach gefühlten zehn Minuten kündigen TAKE OFFENSE den letzten Song "Just Because You Believe" von ihrer aktuellen EP "Tensions On High" an und ziehen von dannen. Rechtzeitig, bevor Fronter Anthony seinen Strip vollenden kann. Die Crowd wird zwar allmählich wach, aber bis jetzt geht der beste Pogo immer noch auf Anthony Herrera, der sich mit einem gechillten "Peace out!" verabschiedet.

SIBERIAN MEAT GRINDER

Die dritte Band des heutigen Abends, SIBERIAN MEAT GRINDER aus Moskau, übt sich abermals im Kombinieren von Metal und Hardcore Punk. Das fällt auch visuell ins Auge, denn den mit einem prächtigen Bart gesegneten Gitarristen Maximillian könnte man glatt für Johan Heggs jüngeren Vetter halten (und hätte dann wohl eher eine Galeere statt eines Nightliners auf dem Parkplatz gesehen...) [...seit wann haben Wikinger Galeeren? Anm.v.Mike.]. Dagegen zeigt sich Sänger Vladimir mit seinem Holzfällerhemd eher hardcoremäßig-unauffällig gestylt (vielleicht mal abgesehen von seiner schwarzen Maske). Aber gerade wegen besagter Maske ist der Sänger, ein Mann wie ein Baum mit durchdringender Reibeisenstimme, neben dem Backdrop mit dem kultigen Bären-Zar, der eigentliche Hingucker. Um kurz nach halb sieben schleifen die Jungs los, leider streikt jedoch zunächst die Gitarre. Während man nach Abhilfe sucht, watschelt der maskierte Vladimir langsam, aber sichtbar ungeduldig hin und her. Nach dieser kurzen Unterbrechung bekommen die Anwesenden einen massiven Abriss vor den Latz geknallt, der breakdownlastigen Hardcore mit derbe drückendem Thrash verbindet. Nebenbei bemühen sich die Jungs um die Interaktion mit dem Publikum und sind auch für einen Schnappschuss aus dem Fotograben nicht verlegen. Die Halle füllt sich und die Stimmung steigt, allmählich werden erste größere Moshpits gestartet. Vor uns präsentiert ein halbnackerter Fan sein frisch erbeutetes SIBERIAN MEAT GRINDER-Shirt und mein Nachbar bekommt eine Bierdusche - keine Ahnung, was der arme Kerl angestellt hat, aber er nimmt's gelassen [Bierduschen sind Belohnung, keine Strafe! Anm.v.Mike]. Die Grinder heizen unbarmherzig ein und legen eine sehr energiegeladene Show auf's Parkett. Beim finalen Song kommt schließlich das Bandmaskottchen, der Bären-Zar, auf die Bühne. Es grenzt an Blasphemie, aber hey, wer braucht Eddie, wenn er einen wütend die Faust schwingenden, Luftgitarre spielenden Braunbären im Königsgewand haben kann? Bärenstark.

BILLYBIO

Bereits beim Soundcheck an den Drums erschüttert es Mark und Bein - die Soundtechnik ist heute in der Tat Wertarbeit. Um 19:15 Uhr betritt der zweite Gast, den die Persistencetourer exklusiv in Oberhausen zu Gesicht bekommen, die Bretter. Die ersten Fans stimmen zum Einmarsch PENNYWISEs Bro Hymn an, als die Band zum Intro in Dunkelheit gehüllt die Bühne betritt. Die blonde Matte von Billy Graziadei leuchtet trotzdem durch. Der namensgebende Fronter singt mit Headset und schafft sich damit eine ungeahnte Bewegungsfreiheit. Er flitzt kreuz und quer über die Bühne und über die Speakertower vor der Bühne. Damit huscht er auch über die Köpfe der dazwischen stehenden Fotografen hinweg, Betriebsunfälle bleiben glücklicheweise aus. Die Suche eines Fitnessstudios auf Tour kann er sich damit schon einmal sparen - hat er clever kombiniert, unser Bio-Billy. Anfangs ist der Meister noch etwas leise eingestellt, was er galant und fast unbemerkt während eines Breaks moniert. Der BIOHAZARD-Erfinder hat sichtlich Spaß, aber das Publikum gibt sich anfangs noch verhalten. Im Moshpit wird noch mehr nach Luft geschnappt und ab und zu gebangt. Trotzdem füllt sich die Halle stetig, die Jagd nach Gerstenschorle [Holla! Blasphemie! Weiche, Satan! Anm.v.Mike] wird zusehends schwerer. Später gibt CUTTHROAT-Shouter Neil Roemer einen Gastauftritt und singt mit dem Publikum in der ersten Reihe. In einer Ansage zum Ende des Sets stellt Billy fest, dass die Oberhausener ihm bestimmt 50% ihrer Pogoleistung vorenthalten haben und appelliert mit einem lauthalsen "Let's go Oberhausen!" an deren Fitness. Die Rechnung geht auf, bei der nachfolgenden Vollgasnummer fliegen wieder Füße und Iros durch die Gegend. Wie man sieht, kann Billy Graziadei auch mit seiner Soloband die Hütte abreißen. Ich glaube, ich werde seine Scheibe doch mal unter die Lupe nehmen...

BOOZE & GLORY

It's Tea...Pardon...Party Time! BOOZE & GLORY aus London sind waschechte Söhne ihrer Stadt und entern stilecht zu "Maybe It's Because I'm A Londoner" die Bühne. Die erste und einzige Oi!-Band der diesjährigen Tour feiert dieses Jahr ihren zehnten Geburtstag. Recht elegant in schwarz gekleidet laden die vier Mann zum Tanz und haben das Publikum mit ihrem flotten Oi!-Punk sofort auf ihrer Seite. Ihre eingängige Musik bringt einen angenehmen Schwung von alteingesessenem, englischen Punk. Dazu passt Sänger Marks typisch englische Aussprache. Seine tiefe Stimme ist, gerade für OI!-Verhältnisse, sehr angenehm anzuhören, viele Refrains werden treffsicher im Triumvirat vorgetragen. Basser Chema Zurita glänzt mit seinem schicken Doppel-Irokesen und haut leichtfüßig-melodische Bassspuren und flitzige Soli / Interludes aus dem Ärmel. Der flotte und partytaugliche Oi!-Punk der Londoner sorgt für ausgelassene Stimmung, vereinzelt singt man bereits lauthals mit. Passend zur Musik wird der Pogo freundlicher und fröhlicher. Ganz in diesem Sinne fordert Fronter Mark dazu auf, das Leben in vollen Zügen zu genießen und nicht auf die späte Erkenntnis zu warten, dass man Selbiges verschwendet hat. Beim letzten Song "Only Fools Get Caught" tobt die Crowd und die ganze Turbinenhalle singt leidenschaftlich mit, die ersten Nachbarn werden bereits heiser. Zum Abschied erklingen sanfte Klavierklänge, zu denen die Band noch schnell ein paar Plektren und sonstige Kriegsbeute unters Volk bringt.

WALLS OF JERICHO

Mit WALLS OF JERICHO gibt es dann Frauenpower par excellence. Die Hardcore-Veteranen aus Detroit prügeln ihren Fans aus dem Stand und mit hämmernder Doublebass "Relentless" um die Lauscher. Mit dem Brecher vom aktuellen Album "No One Can Save You From Yourself" herrscht sofortige Euphorie im Pit. Eine sichtlich gut gelaunte Candace flitzt, springt, tanzt, pogt, bangt und kreischt, als ginge es um ihr Leben. Die rothaarige Sportskanone beturnt jeden Winkel der Bühne und auch die Türme davor. Sie übt permanent den Kontakt mit dem Publikum und heizt die Menge pausenlos an, immer mit einem feschen Grinsen im Gesicht. Die Fans fressen ihr aus der Hand und man fürchtet, sie erleide jeden Moment einen Herzinfarkt, wenn nicht wirklich jeder mitfeiert. Ab und an haut sie ein paar Growls raus, bei denen NAPALM DEATHs Barney Greenway vor Neid grün anlaufen würde. Da wirkt es glatt paradox, wenn sie zwischen zwei Songs mit sanfter Stimme ein ergriffenes „Thank You So Much!“ zur Menge spricht. In einer Ansage erzählt die charismatische Frontfrau von ihrer Spendenaktion zu Gunsten von Opfern häuslicher Gewalt, macht auf die vor Ort befindlichen Charity-Organisationen aufmerksam und ruft zur Unterstützung auf. Im Moshpit beginnt man allmählich, vollends auszurasten. Die Bude ist brechend voll und die Stimmung erreicht ihren Höhepunkt. Wer hier mitmischt, der braucht Puste. Auch den Securities wünscht man nachträglich ein auskömmliches Frühstück, denn die Fracht an Crowdsurfern erreicht eine alarmierende Frequenz. Ein Fan schickt der Frontfrau ein Küsschen auf die Bühne, Basser Aaron Ruby zockt das vorletzte Lied auf den Schultern seiner Fans. Von der Crowd gefeiert verlassen WALLS OF JERICHO schließlich händeschüttelnd das Schlachtfeld. Mit diesem knüppelharten Gig haben sich die Detroiter den Arsch abgespielt. Soviel Leidenschaft nach so langer Zeit im Geschäft ist echt Hardcore und verdient den größten Respekt.

MUNICIPAL WASTE

Wer nach so einer intensiven Darbietung noch Luft hat, der durfte im Anschluss mit MUNICIPAL WASTE aus Richmond abschädeln. Deren räudiger Mix aus Oldschool Thrash Metal und Hardcore Punk, der nur allzu gerne alkoholische Themen besingt, lässt erneut Partystimmung aufkommen. Sänger Tony „Guardrail“ Foresta präsentiert zum Auftakt seinen Bierbauch, auf dem ein strahlendes Tattoo des Geißbocks von SLAYERs "Show No Mercy" prangt. Die anstrengende Show ihrer Vorgänger zollt allerdings ihren Tribut, weswegen die Stimmung zunächst ein wenig abkühlt. Immerhin wird den Securities damit eine verdiente Verschnaufpause gegönnt. Diese währt allerdings nicht lange, denn die bierselige und souveräne Darbietung der Amis reißt schlussendlich doch noch viele im Publikum mit. So dauert es nicht lange, bis uns einer der größeren Herren aus dem Pit direkt vor die Füße fällt und auf seinem Weg dorthin gefühlte 10 Headbanger mit sich reißt. Zum Ende des Sets fordert die Band ihre Meute dazu auf, nach vorne zu kommen (...wie bitte?! Hier ist nicht mal mehr Platz, um den Geldbeutel gemopst zu bekommen!). Nach einer kurzen Instruktion übt die Crowd die etwas unorthodoxe "Wave of Death" aus, bei der zur Musik gecrowdsurft werden soll. Auch mal was Neues - und das Ende der Pause für die Securities. Tony Foresta kickt fröhlich seinen geleerten Becher in die Crowd, und mit dem abschließenden Duett aus "The Art Of Partying" und "Born To Party" demonstriert die wohl versoffenste Band des Abends, wie man zünftig feiert und zieht verdientermaßen in den Feierabend. "MUNICIPAL WASTE is gonna fuck you up!"

IGNITE

In der Umbaupause läuft HATEBREEDs "Destroy Everything", die Fans warten ungeduldig auf den ersten Headliner. IGNITE betreten die Bühne und stimmen "Poverty For All" an. Die Fans geben sich textsicher und sind sofort am Start. Nach dem Opener geht es direkt mit "Veteran" knapp 20 Jahre zurück in die Vergangenheit. Ein gut gelaunter Zoli Téglás begrüßt seine Crowd und bedankt sich herzlich für die volle Hütte. Er fasst sich bewusst kurz, denn die Zeit ist knapp. Weiter geht es mit einem regelrechten Hitfeuerwerk, bei dem besonders die jüngsten Alben "Our Darkest Days" und "A War Against You" ausgiebig gefeiert werden. IGNITE verzaubern die Massen mit ihrem melodischen Westküsten-Hardcore. Fronter Zoli, einer der wenigen tatsächlich singenden Fronter im Hardcore, begeistert besonders live mit seinen Gesangskünsten. Bei "This Is A War" übt er sich im Duett mit Gitarrist Nik Hill. Trotz der knapp bemessenen Timetable nimmt sich der Fronter bei der Ansage zu "My Judgement Day" etwas Zeit, lässt sich über all die geld- und machtgierigen Drecksäcke auf dieser Welt aus und äußert die Hoffnung, dass es so etwas wie Karma gibt, das diese Herrschaften mit einem saftigen Arschtritt abstrafen möge. Die Halle platzt inzwischen aus allen Nähten, die Ränge sind voll, alle Hände sind oben und alle Kehlen singen lauthals mit. "Know Your History" wird mit durchgetretenem Gaspedal gezockt. Als sich der Gig dem Ende nähert, hauten IGNITE noch schnell ein Cover von BAD RELIGIONs "We're Only Gonna Die" an, wozu sich noch einmal BILLYBIO persönlich zum Duett einfindet. Nach den "elektrisch und laut" gespielten letzten Versen von "Live For Better Days" gönnen die Kalifornier ihren Fans noch einen letzten Tanz zu ihrem Hit "Bleeding" und hinterlassen zufriedene Gesichter.

Setlist IGNITE (ohne Gewähr):

  1. Poverty For All
  2. Veteran
  3. Fear Is Our Tradition
  4. Let It Burn
  5. This Is A War
  6. My Judgement Day
  7. Know Your History
  8. Slowdown
  9. A Place Called Home
  10. We're Only Gonna Die (BAD RELIGION Cover feat. BILLYBIO)
  11. Descend
  12. Live For Better Days
  13. Bleeding

SICK OF IT ALL

Um 23:33 Uhr lichtet sich der Vorhang für die neunte und letzte Band des Abends: die New York Hardcore-Institution SICK OF IT ALL. Ein brüllender Drache, Helikopter, Sirenen und Maschinengewehre ertönen, bis ein angepisster Lou Koller mit einem lauten "OOOOOBEEERHAAAUUUUSEEEEN!" den Opener "Take The Night Off" ankündigt. In der nächsten Stunde feuern die New Yorker einen bunten Mix aus alt und neu auf die Massen ab. Dabei wird neben Klassikern wie "My Life" oder "Injustice System!" auch eine Menge neuer Stoff, besonders vom aktuellen Album "Wake The Sleeping Dragon!", gespielt. Sänger Lous Bruder Pete Koller ist noch immer derselbe Muskelmann, den ich bei meinem ersten SICK OF IT ALL Konzert vor etwa 15 Jahren erlebt habe. Der umtriebige Saitenmeister ist permanent am Rennen und Springen, die Klampfe bedient er scheinbar nebenbei und entpuppt sich als undankbares Ziel für die Fotografen. Fronter Lou zeigt mit seinem AGNOSTIC FRONT Shirt Flagge und kündigt den Social-Media-Verriss "Self Important Shithead" mit dem ironischen Satz "Lets take a little selfie!" an. SICK OF IT ALL geben alles und erweisen sich besonders vor ihrem Hintergrund als eine der dienstältesten Hardcorebands äußerst ausdauernd. Nach einem so anstrengenden Tag sind viele im Publikum schon sichtbar müde, trotz Spielfreude und ungebrochener Leidenschaft fällt es den alten Hasen immer schwerer, ihre Fans zu mobilisieren. Lou Koller versucht sehr charmant, die Zombies im Moshpit noch einmal aus der Reserve zu locken und provoziert zu "Machete" noch einen kräftigen Circle Pit, aus dem die Crowdsurfer regelrecht über den Wellenbrecher geworfen werden. Das Publikum investiert seine letzten Energiereserven und die Koller-Brüder führen unentwegt ihre Pogomoves auf. Offenbar haben einige Bandmitglieder ihre Kids mitgebracht, von denen manche mit Tretrollern über die Bühne cruisen. Während dem instrumentalen "Braveheart" wird zu einer allerletzten Wall of Death geladen, die interessanterweise nicht nur vor der Bühne, sondern auch auf der Bühne stattfindet - BOOZE & GLORY-Basser Chema mit eingeschlossen ("every shitty band does this, but we invented it"). Mit dem Gassenhauer "Step Down" wird schließlich das Set und die Persistence Tour in Oberhausen beendet. Lou Koller demonstriert seine geschätzte Fannähe und gröhlt die letzten Zeilen in der Crowd. Nach ausgiebigem Händeklatschen verlässt schließlich ein nassgeschwitzter Shouter das Feld und hinterlässt ein biergetränktes Trümmerfeld.

Setlist SICK OF IT ALL (ohne Gewähr):

  1. Take The Night Off
  2. Inner Vision
  3. Us Vs. Them
  4. Self Important Shithead
  5. Clobberin' Time
  6. Machete
  7. Road Less Travelled
  8. Black Venom
  9. That Crazy White Boy Shit
  10. Sanctuary
  11. Wake The Sleeping Dragon!
  12. Call To Arms
  13. The Snake (Break Free)
  14. My Life
  15. Bull's Anthem
  16. Uprising Nation
  17. Injustice System!
  18. Good Lookin' Out
  19. Busted
  20. Scratch The Surface
  21. Step Down

Epilog

Die Persistence Tour 2019 begeisterte mit neun starken, motivierten und energiegeladen Acts. Mit CUTTHROAT und BILLYBIO waren sogar noch zwei zusätzliche Gäste am Start. Der Sound war von Anfang an super und die Pausen angenehm kurz. Trotz der vollen Hütte fanden wir eine angenehme Atmosphäre vor, umgeben von netten Leuten. Die freundlichen Securities machten einen tollen Job und bewiesen sowohl Augenmaß (der Nietenschmuck mancher Gäste zauberte mir glatt ein Lächeln ins Gesicht) als auch einen geschulten Blick (oft sprangen die Helfer bereits in die Crowd, lange bevor sich jemand etwas antun konnte). Nicht zuletzt zeigt sich die Hardcoreszene durch ihre zahlreichen Wohltätigkeitsaktionen wieder von ihrer gutherzigen Seite. So wurde aus der Persistence Tour letztlich mehr als eine reine Abrissparty.

So packen wir unsere sieben Sachen, schnappen uns ein letztes Bier und ziehen los. Auf dem Weg zu unserer Bleibe treffen wir am Hinterausgang der Turbinenhalle auf Pete Koller, der mit einem kleinen Mädchen (womöglich seiner Tochter?) in Richtung Nightliner schlendert. Wir verabschieden uns mit einem anerkennenden "Good night!", erhalten als Antwort ein freundliches "See you later!" und ziehen weiter in die kalte Nacht von Oberhausen.


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