02.02.2019, GEI, Timelkam

WE BLAME THE EMPIRE + COUNTERWEIGHT + STREET TO THE OCEAN

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 07.02.2019

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#aufgussbitte - Ganz aus Versehen trat ein kleines Schreiberlein im Vorjahr bei der bereits legendären Saunaparty am Burn Down The District XXL einen Running Gag los. Wie hätte es wissen sollen, was es auslöste? Niemand konnte erahnen, dass die beiden unschuldigen Worte, im tropfenden Schweiße des Angesichts hingerotzt, dereinst zum Leitspruch einer ganzen Veranstaltungsreihe werden sollten. "Burn Down The District – die Weekender-Tour" machte unter eingangs erwähntem Motto Station im Timelkamer Kult-Schuppen Gei und markierte damit gleichzeitig die Rückkehr der heimischen Metalcore-Senkrechtstarter WE BLAME THE EMPIRE an den Ort ihres Live-Debüts. Um sich nicht lumpen zu lassen, brachten die Burschen rund um Front-Brülläffchen Borsti auch noch zwei weitere abrisshungrige Bands zur Party mit – da konnte doch eigentlich gar nichts schiefgehen...


Konträr zu den liebsten Gesichtern des Abends von STREET TO THE OCEAN (mei sind die jung – das Schreiberlein kriegt Muttergefühle!) startete der Abend mit selbiger Band gleich einmal mit den wahrscheinlich brachialsten Klängen des Abends. Bereits auf Konserve mit angemessenem Druck unterwegs, spielten die jungen Wiener ihre Nähe zum Deathcore live noch ein Stück weit mehr aus, was vor allem an Schreihals Daniel lag, der herzerfrischend derb ins Mikrofon rülpste. Es kommt wie es kommen muss - der Lieblingsspruch des Berichterstatters findet erneuten Einsatz: Wie kann man nur so unschuldig ausschauen und dann so abgrundtief garstig grunzen?! Das bereits ziemlich zahlreich anwesende Publikum goutierte die starke Vorstellung der jungen Truppe sichtlich und ließ sich schnell mitreißen. Alsbald entstand auch schon dank dreier hochmotivierter Besucher der erste Circlepit des Abends rund um die mit Glitzersteinen beklebte Disco-Säule mitten im Besucherraum des Gei und Fronter Daniel ging auf Tuchfühlung mit den Zuschauern um sie Aug in Aug anzublöken. Starke Vorstellung einer jungen Truppe, die uns bestimmt noch viel Freude und Nackenschmerzen bescheren wird!


Als gänzlich unbekannt konnte man die nächste Band des Abends, COUNTERWEIGHT, nun auch nicht mehr bezeichnen, wiewohl sich die Wege des kleinen Schreiberlings und dieser Truppe bis dato überraschenderweise noch nie kreuzten. Was angesichts der überzeugenden, extrem starken Performance der Kärntner Metalcoreler durchaus verwunderlich war, rappelte es doch bei COUNTERWEIGHT erst so richtig im Karton, pardon, im Gei. Klar, denn wenn dich so ein Vieh wie Fronter und Rampensau Markus anbrüllt, dann machst du auch gefälligst mit, bevor du zerrissen, mit Haut und Haaren gefressen und anschließend wieder ausgekotzt wirst! Eine gewisse stilistische Nähe zu HEAVEN SHALL BURN war zwar nicht wegzudiskutieren, doch nebst Sound im ähnlichen Fahrwasser, mit satten, wunderbar bratenden Gitarren (Kompliment an dieser Stelle auch an den Soundmenschen, der im Gei einen Sound klöppelte, dass die Wände nicht nur sprichwörtlich wackelten!), schenkten sich die Kärntner auch von Seiten der mitreißenden Bühnenperformance absolut nichts. Das elektrisierte, fuhr mitten ins Gebein und animierte die Meute in Timelkam zu ausgiebiger Bewegung, von brutalen Moshpits bis hin zu einer amtlichen Wall Of Death. Als schließlich im sich immer stärker aufheizenden Gei (wir erinnern uns an #aufgussbitte – die Temperaturen näherten sich schön langsam der letztjährigen Sauna im OKH an...) Publikum und Band im Verein eskalierten, brachen die letzten Dämme. Die Instrumentalisten samt Äxten stürzten sich mitten in den Moshpit oder spielten auf der Bar weiter, während der Schreihals die Bude konsequent in Grund und Boden plärrte und auch noch den letzten Schweißtropfen aus den Zuschauern quetschte. Aufguss! Sofort!


Solcherart vorbereitet, brauchten WE BLAME THE EMPIRE den Sack nur noch zuzumachen. Die zahlreichen Besucher im Gei gingen vom Fleck weg steil, fraßen Borsti und Konsorten quasi aus der Hand, brüllten laut, fallweise falsch, aber immer voller Begeisterung mit und lieferten heftigste Moshpits ab, bei denen glücklicherweise niemand mit der glitzernden Discosäule kollidierte. WE BLAME THE EMPIRE ließen keine Sekunde ungenützt, um sich bei den vielen Erschienenen wieder und wieder zu bedanken und ihnen ein ums andere Mal ihre brechenden Songs mit mitsingtauglichen Refrains mitten in die Fresse zu knallen. Viel brauchte es nicht, um die brodelnde Stimmung eskalieren und sich in einer heftigen Wall Of Death und einigen todesmutigen Crowdsurfern entladen zu lassen. Von ruhigen, von Smartphonelichtern der Zuschauer beschienenen Songs bis hin zu derbsten Brechern, wie den beiden aktuellen Singles „Silent Throne“ und dem ultrafetten „Silhouette“ (der Berichterstatter der dazu ausgiebigst die Matte kreisen ließ, hat wohl einen neuen Lieblingssong der Band...), zogen WE BLAME THE EMPIRE alle Register und ließen Stimmung und Thermometer schlichtweg durch die Decke gehen. Tropfnass wurde die Band zu zwei Zugaben genötigt, die vom Publikum, das Fronter Borsti schlussendlich sogar auf Händen trug, begierig aufgesogen und abgefeiert wurden. Mehr ging dann aber wirklich nicht mehr: Band und Zuschauer platt – geil wars! Aufguss, und dann bitte das gleiche Programm nochmal! Wer soll WE BLAME THE EMPIRE in dieser Form eigentlich noch stoppen?


Nach einem schweißtreibenden Abend, dessen Eskapaden der alternde Kadaver des Berichterstatters am nächsten Tag bitter bereute (Keine Witze jetzt! Es ist tragisch genug!), bleibt die Erkenntnis: Wo Kulturverein AMH draufsteht, ist Sauna drin. #aufgussbitte

Mehr Abbildungsversuche aus der Dunkelkammer Gei findet ihr bald bei Images Of Pain And Pleasure.


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