23.02.2019, Rockhouse, Salzburg

OBSCURA + FALLUJAH + ALLEGAEON + FIRST FRAGMENT

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 27.02.2019

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Ja hoppla, was ist denn dieses Jahr im Salzburger Rockhouse los? Da weilte man zum ersten Mal in diesem Jahr auf offizielle Weise im großen Saal des altehrwürdigen Gemäuers und dann gab es gleich die fetteste Krawallwalze voll auf die Birne! Viermal technisch-progressives Todesblei mitten in die Fresse, das haut den stärksten Metaller um! Bezugnehmend auf die teils durchaus heftige Moshpit-Action im etwa halb vollen Rockhouse, in einigen Fällen sogar wortwörtlich. Dass hier die technische Elite am Werk war, merkte man nicht nur an der exorbitanten Saitenanzahl der Äxte, sondern auch an den extrem zackigen Umbaupausen und der peniblen Einhaltung des Zeitplans, was für einen angenehmen Fluss des Abends sorgte.


Weniger „angenehm“ dafür die Klänge, vorausgesetzt man verirrte sich an diesem Abend als Normalo ins Rockhouse – denn es regierten derbes Gerülpse und Highspeed-Geshreddere bis der Arzt kam. FIRST FRAGMENT aus Kanada eröffneten den Reigen des technischen Irrsinns gleich eimal im Hochgeschwindigkeitsbereich und fiedelten die Griffbretter ihrer Instrumente rauf und runter, während sich der Johann-Hegg-Lookalike an der Schießbude zu den brutalen Klängen dauerbangend schier den Schädel abschraubte. Wenn der Bass einmal genauso viele Saiten wie die Gitarre hat (also sechs), dann bist du erstmal platt, wenn du das Ganze auch noch als Linkshänder-Variante siehst und der Wahnsinnige auch noch sämtliche Bünde durchackert, dann weißt du was die Stunde geschlagen hat. Shred it, baby! Dazu noch eine Handvoll Tempowechsel und ein herrlich angepisst ins Publikum keifender Fronter und fertig war der Opener, nach dem die Birne des geneigten Besuchers bereits bis zum Anschlag gefüllt war. Und das war erst der Anfang.


Keine Müdigkeit vorschützen, denn auf der Bühne gab es auch keine Gnade. ALLEGAEON zogen zwar „nur“ fünf Saiten am Bass auf, fuhren damit mit Sieben- und Achtsaitigen Gitarren ähnlich schwere Geschütze auf. Zwar schien kurz der Funk des Bassisten ein wenig beleidigt zu reagieren, doch das bremste den Fünfer aus den U.S. of A. nicht ein. Mit etwas weniger Geschwindigkeit, doch mit deutlich mehr Groove als die Vorgänger ausgestattet, schüttelten die Besucher in den ersten Reihen zu ALLEGAEON bereits ausgiebig die Matten, während sie von einem sehr bewegungsfreudigen Sänger in regelmäßigen Abständen grantig angehustet wurden. Einige ziemlich derbe Moshpits in der Halle sorgten kurz für Schnappatmung bei der Security, doch bis auf  einige quer durch den Raum fliegende Personen gab es nichts zu beanstanden. Vielleicht hätte man den Sound, genau wie auch bei der ersten Band, einen kleinen Ticken leiser stellen können, doch was solls – wann hat man schon einmal eine gratis Rückenmassage von dergestalt alles zersägenden Klängen? Eben.


Weiter mit dem Schlachtfest – FALLUJAH wollten auch noch ein Stück vom Kuchen! Und zwar das abwechslungsreichste und wahrscheinlich derbste des Abends. Die Herren aus San Francisco wussten sich dabei mit atmosphärisch-stimmiger Lichtshow zu inszenieren (Warnhinweis für Epileptiker: Um diese Band einen großen Bogen machen!) und präsentierten sich als musikalisches Chamäleon – zwischen atmosphärischen Einsprengseln, technischem Tempogebolze und derbem, Breakdown-geschwängertem Deathcore-lastigem Groove (lest das noch einmal und entknotet eure Zunge wieder!) bekamen die Besucher ein weiteres Brett um die Ohren geschlagen, dass diese nur so schlackerten. Zwar machten es die, dem kürzlichen Stilwechsel der Band geschuldeten stilistischen Sprünge den Zuschauern nicht immer einfach, doch eine richtige Rampensau von Fronter, die an diesem, letzten Abend der Tour so ziemlich entfesselt agierte, konnte die schön langsam ein wenig schwächelnden Besucher bravorös bei der Stange halten.


Denn, sind wir uns ehrlich, das Gros der Zuschauer wartete ja doch nur auf OBSCURA, die mit Salzburg-Beteiligung am Schlagzeuger bei ihrem ersten Headliner-Gig im Rockhouse auf überraschend zahlreiches Publikum zählen konnten. Entsprechend hieß es dann auch nur noch: Einmal mit alles bitte, zum Mitnehmen! Warum während der Show Papierflieger auf die Bühne flogen, die von der am letzten Tourabend bestens aufgelegten Band mit Grinsen im Gesicht zurückgeschossen wurden, konnte zwar nicht eruiert werden, dafür konnte sich die Vorstellung der vier Prog-Death-Heroen aber mehr als sehen lassen. Wer als Hobbymusiker die Rhythmusfraktion von OBSCURA am Werk sieht, der kommt unweigerlich zu der Erkenntnis, seines Basses oder seines Schlagzeugs nicht würdig zu sein und jene fortan nicht mehr angreifen zu wollen. Wie pervers ist es bitte, einen sechssaitigen Bass fretless (!) zu spielen und diesem Höllending dann auch noch mit derart traumwandlerischer Sicherheit die mörderisch drückende Gitarrenwand zu untermalen? Wer angesichts dessen nicht zur Salzsäule erstarrt war, der gab sich zu den einnehmenden Klängen noch einmal so richtig die Kante – die hartnäckig geforderte Zugabe war dann natürlich Ehrensache! Man konnte der Band ansehen, dass sie – wie der gesamte Tourtreck – von der Tour bereits sichtlich geschlaucht war, doch das hielt an diesem Abend niemanden davon ab, noch einmal mit sichtlicher Freude an der Sache so richtig Vollgas zu geben! Was. Für. Ein. Brett.
 

Der einzige kleine Wermutstropfen des Abends versteckte sich in der stilistischen Ausrichtung – zwar kohärent und sehr stimmig, waren deren vier derart technisch orientierte Knüppelkapellen am Stück vielleicht doch ein klein wenig viel für einen einzigen Abend. Ohne musikalisches Fachwissen und eine gewisse Freude an ausgiebigster Griffbrett-Wichserei hatte man nach diesem gnadenlosen Vierer-Paket vermutlich einen bis zum Platzen gefüllten Schädel. Durchatmen, sacken lassen – geiler Scheiß!

Weitere Fotos findet ihr bei Images Of Pain And Pleasure.


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