09.04.2019, Technikum München, München

THE NEAL MORSE BAND

Veröffentlicht am 11.04.2019

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Manchmal macht man Fehler im Leben. Auch musikalisch. Einer davon scheint gewesen zu sein, das Solo-Schaffen des NEAL MORSE nach seinem Ausstieg bei SPOCK'S BEARD eher stiefmütterlich bis gar nicht zu würdigen. TRANSATLANTIC und FLYING COLORS  sind sicherlich tolle Projekte/Bands, aber irgendwie ging das Solo-Werk von NEAL MORSE doch bislang etwas an mir vorbei. Das änderte sich mit den letzten beiden Werken "The Similitude of a Dream" sowie "The Great Adventure" aber ziemlich abrupt, gehören diese beiden Doppeldecker so ziemlich zum allerstärksten, was der Prog-Gemeinde die letzten Jahre vorgesetzt wurde. Entsprechend groß war dann das Verlangen, die Band auch einmal live zu erleben.

Das Technikum in München liegt mitten im neu gestalteten "Werksviertel" in München, welches derzeit aus dem Boden gestampft wird. Wer den "Kunstpark Ost" in der (für Franken) verbotenen Stadt kennt, weiss wo das Ganze liegt. Mitten in dem Gebiet strahlt einen erst einmal ein nagelneues Riesenrad an. Auch nicht schlecht. Das Technikum ist unmittelbar neben der größeren Tonhalle gelegen.

                                                              

Die Location war mir bislang neu, entstanden aus der ehemaligen "Kultfabrik" am Pfannigelände, haben die Macher eine wirklich tolle Konzertstätte hergerichtet, mit schnieker Einrichtung und etwas gewöhnungsbedürftigem Blaulicht. Fassungsvermögen geschätzt 1000 Leute. 

Bei THE NEAL MORSE BAND war es zwar nicht "sold out" aber dennoch für einen Dienstag abend sehr gut besucht, was aber zu erwarten war, nachdem "The Great Adventure" bei uns gute Chartpositionen erreicht hat.

Dass man alt wird, merkt man daran, dass die besuchten Konzerte pünktlich zu der Zeit  beginnen, die auf der Karte aufgedruckt ist. So auch hier: Kurz nach 20 Uhr gab sich die Truppe um Namensgeber NEAL MORSE die Ehre, die lechzende Prog-Gemeinde (es waren sogar Frauen im Publikum - alter und immer guter Progger-Gag!) einen traumhaften Abend zu servieren.

Die Setlist ist relativ einfach beschrieben: Die beiden Teile des "Great Adventure" Albums wurde in voller Länge zelebriert. Natürlich in der Reihenfolge wie auf Tonträger, handelt es sich doch um ein Konzeptalbum, da wird das Durchwechseln der Songs dann doch eher schwierig. Was vielleicht etwas langweilig klingen mag, entpuppte sich als absolutes Feuerwerk von Konzert. NEAL MORSE und seine nicht minder prominenten Mitstreiter, allen voran natürlich sein "Partner in Crime" MIKE PORTNOY, waren in absoluter Spiellaune und wer denkt, ein Prog-Konzert besteht aus ernst dreinschauenden älteren Herrn, die strikt darauf achten, sich nicht zu verspielen, der wurde eines Besseren belehrt. Ich hatte NEAL MORSE gar nicht mehr so agil in Erinnerung (letztmals gesehen habe ich ihn vor ein paar Jahren mit FLYING COLORS). Er war ständig in Bewegung (trotz Keyboard und Gitarre) und es gab sogar Outfitwechsel gemäß den Themen einzelner Songs. Darüber hinaus wurden per Beamer auch hochwertige Einspielungen auf die Leinwand zur Untermalung der jeweiligen Stücke eingesetzt.

Der Sound im Technikum war erste Güteklasse, druckvoll und laut aber nicht übersteuert, jedes Instrument war einzeln klar zu vernehmen. Neben den Künsten eines MIKE PORTNOY, die man ja nicht mehr extra erwähnen muss, war es vor allem Gitarrero ERIC GILETTE, der getreu seines Nachnamens messerscharfe Soli auf seiner Gitarre abfeuerte und zudem auch noch gigantisch gesungen hat. Ebenso wie der Keyboarder BILL HUBAUER, der entgegen seines eher grimmigen Aussehens mit einer Engelsstimme gesegnet ist.

               

Die mehrstimmigen Chöre saßen (ohne technische Unterstützung!) ebenfalls, und die teils sehr komplexe (wenn auch dennoch eingängige) Musik wurde in einer Leichtigkeit gespielt, als ob es sich um einfachste Songs handeln würde. RANDY GEORGE ist einer der coolsten Basser aller Zeiten. Mit einer stoischen Ruhe zockte er die wildesten Läufe rauf und runter und sein Minenspiel war oftmals zum Schmunzeln.

Die Band war angesichts der euphorischen Publikums-Reaktionen ziemlich gerührt, vor allem der Meister selber schien zum Ende hin sogar die eine oder andere Träne zu verdrücken. Die emotional tiefgehenden Songs haben wohl auch alle im Auditorium erreicht und selbst wenn man mit der Lupe danach suchen würde, könnte man keinen auch noch so kleinen Kritikpunkt an diesem grandiosen Konzert finden.

                

Der durch eine kurze "Intermission" zweigeteilte "Great Adventure" -Teil wurde mit einem knapp halbstündigen Medley aus älteren Solo-Werken von NEAL MORSE ergänzt, bei denen die Cover auf der Leinwand eingeblendet wurden. Sehr gut für Leute wie mich, die sicherlich in nicht allzu ferner Zukunft ihre Sammlung um weitere CDs ergänzen werden.

Das Merchandise war ebenfalls sehr amtlich: Neben (mit 20 Euro fair bepreisten) T-Shirts gab es etliche CD's (Doppeldecker teilweise für 5 Euro!) und allerlei sonstige Goodies wie Bass-Saiten, Boxsets etc. 

Alles in allem ein in allen Belangen epischer Abend, den man auch als Konzert-Veteran nicht so schnell vergessen wird. Ein Dank gebührt auch noch Wizard-Promotions für die reibungslose Abwicklung der Akkreditierung. Da können sich manch andere (kleinere) Companies, die Onliner eher von oben herab beäugen, eine Scheibe von abschneiden.

 


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