23.04.2019, Rockhouse-Bar, Salzburg

EVERGREY + BLOODRED HOURGLASS + GENUS ORDINIS DEI

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 25.04.2019

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Ei der Daus, wir sind zur Abwechslung wieder einmal in der Rockhouse-Bar! Probleme beim Ticketkauf, Wochentag kurz nach Ostern und viel zu schönes Ausflugswetter sorgten dafür, dass sich gerade so knappe 50 Besucher in die Bar verirrten, trotzdem sich das Prog-Schlachtschiff EVERGREY samt zweier Supportbands angekündigt hatte. Hui, diese Kulisse muss man natürlich erst einmal sitzen lassen. Doch der ewige Geheimtipp EVERGREY, gewöhnlich schon etwas größere Clubs gewohnt, nahm es sportlich und zockte ohne Berührungsängste (in der Bar kann es schon einmal vorkommen, dass ein überschwänglicher Besucher aus Versehen auf die Bühne fällt) eine von sichtlicher Spielfreude geladene Show herunter.


Doch bevor der Bühnenvorhang für EVERGREY fallen sollte, gab es noch deren zwei Supports auf die Zwölf – hier wörtlich zu nehmen, da sich die Vorbands in deutlich härteren Gefilden tummelten. Den Auftakt machten GENUS ORDINIS DEI (kurz G.O.D.) aus Italien, die gleich einmal eine Symphonic-Death-Breitseite losließen. Das klang durchaus spannend, womit der Vierer da das Publikum beschallte – vielleicht hätte man die in der Tat etwas zuckrigen Symphonic-Samples etwas weniger dominant im Mix einstellen können (auf dem Album klingt das Ganze deutlich kerniger), damit die harschen Riffs etwas mehr Raum bekommen hätten, doch im Großen und Ganzen konnte man anhand der dargebotenen Qualität, die bei den wenigen Zuschauern auf reges Interesse und großen Zuspruch stieß, nicht meckern. Zumal die Italiener ihr Material auch auf höchst sympathische und einnehmende Weise rüberbrachten (inklusive goldigem MANOWAR-Cover "Hail And Kill"!) – im Falle des Sängers mit deutlichem Hang zu raumgreifender, theatralischer Gestik und großartigen Grimassen. Dass dieser dabei mehrmals aussah als ob er das Mikrofon gleich deepthroaten würde, sorgte beim Berichterstatter für Erheiterung – alles in Allem konnten GENUS ORDINIS DEI beim Publikum aber sehr gut landen und wurden mit in Relation zur Besucherzahl überraschend lautem Applaus bedacht.


Weniger Kleister und mehr Gitarre – bei BLOODRED HOURGLASS präsentierte sich der Sound dann schon deutlich ausgewogener. Wohl konnte man bei den Finnen eine gewisse stilistische Nähe zu CILDREN OF BODOM nicht wegdiskutieren, was sich vor allem im starken, aber etwas generischen Gesang des motivierten Frontschreihalses zeigte, doch dafür fanden BLOODRED HOURGLASS auch schnell den Draht zum Publikum, das sich von den Finnen eine ordentliche Breitseite mitgeben ließ. Epische Riffs und amtliches Geböller ließen eigentlich keine Wünsche offen, höchstens an der Lautstärke hätte man ein klein wenig herummäkeln können. Erneut zeigten sich die vielleicht zahlenmäßig nicht sehr starken, doch dafür umso hingebungsvoller brüllenden Salzburger Besucher von ihrer besten Seite und spendierten BLOODRED HOURGLASS für ihre mitreißende Performance kräftigen Jubel.


Zu EVERGREY bequemte sich dann noch ein kleiner Schub an Zuschauern in die Bar, doch wirklich voll wurde es auch nicht mehr. Dennoch gaben die Schweden unbeeindruckt von der mageren Kulisse alles und punkteten nicht nur mit vielen Songs von ihrer aktuellen Scheibe „The Atlantic“, sondern auch mit Witz und sympathischen, selbstironischen Ansagen. Der Draht zum Publikum stimmte, somit stand der allgemeinen Partystimmung, die von der Band gekonnt angeheizt wurde, nichts im Wege. Zudem waren EVERGREY, dafür, dass sie gerade am Ende einer ziemlich langen Tour (vorletzter Abend) standen, bestens in Schuss und zeigten keinerlei Ermüdungserscheinungen. Dass Tom Englund und Co. ihr Handwerk beherrschen, daran bestand auch an diesem Abend voller proggiger Hymnen kein Zweifel! Als kleiner Spielverderber erwies sich lediglich der Sound, der, wieder einmal einen Zacken zu laut, vor allem am Anfang des Sets durch deutlich zu dominante Bässe viele der Feinheiten der Schweden, inklusive Teilen des Gesangs, auffraß. Doch glücklicherweise besserte sich das im Laufe des Auftrittes, trotz ohrenbetäubender Lautstärke gerade so an der Grenze, deutlich, sodass man den Gig auch tatsächlich genießen konnte. Lediglich das Keyboardsolo im hinteren Drittel des Sets zog sich ein wenig und dämpfte die allgemeine Begeisterung etwas, doch spätestens mit dem Klassiker „A Touch Of Blessing“ gab es für die Zuschauer kein Halten mehr. Ja, doch - abgesehen von diskussionswürdiger Lautstärke und dürftiger Kulisse, lieferten EVERGREY einen saustarken Auftritt ab, der sich zu Recht in lang anhaltendem Schlussapplaus sonnen konnte. Danke, auch das kleine Schreiberlein ist für die tonale Katastrophe vor einigen Jahren in München versöhnt!

Weitere Fotos des Abends findet ihr bei Images Of Pain And Pleasure.


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