12.04.2019, Tilburg,

Roadburn Festival 2019 - Tag 2 - TRIPTYKON + AT THE GATES + ANNA VON HAUSSWOLFF...

Text: Werner Nowak | Fotos: Werner Nowak
Veröffentlicht am 01.05.2019

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Nach einem fulminantem Auftakt ging es am Tag 2 auch mit einigen Highlights weiter!

Bereits vor 14:00 Uhr versammelte sich eine beachtliche Menschenschar im Het Patronaat, um dem Auftritt der niederländischen GOLD beizuwohnen. Die Musiker um Frontfrau Milena Eva spielten großteils Stücke aus ihrem Anfang April erschienen Album „Why Aren’t You Laughing“ und konnten das Publikum mit ihrem Sound irgendwo zwischen Post Punk und Dark Rock auch zu dieser für ein Konzert doch sehr frühen Stunde begeistern!

Ein Ausflug in die Kuppelhalle stand dann am Programm und beim Betreten der Location fällt einem sofort ein überdimensionales schwarzes Schwert mit Flammengriff ins Auge. Dieses sollte den Ankerpunkt für THROANE und ihrem “Rite of the Torch” darstellen. Denn die vier Musiker postierten sich im Quadrat um das Symbol und peitschten und schrien ihr Black Metal Ungetüm in dessen Richtung. Vor allem Sänger und Kopf des Projektes Dehn Sora schien komplett in der Performance aufzugehen.

Ein weiteres Highlight des diesjährigen Roadburns wurde bereits von vielen sehnsüchtig erwartet. Das kommissionierte Werk “Requiem”, performt von TRIPTYKON und dem niederländischen METROPOLE ORKEST, welches das einzige noch bestehende klassisch besetzte Rundfunk-Tanzorchester in Europa ist.

Den Grundstein zu dem Werk legte Tom Gabriel Warrior noch mit CELTIC FROST im Jahr 1987 und dem ersten Teil “Rex Irae” auf dem Album “Into the Pandemonium”, der dritte Teil landete unter dem Titel "Winter (Requiem, Chapter Three: Finale)" auf dem 2006 veröffentlichten Release “Monotheist”. Und der fehlende zweite Part “Grave Eternal” erblickt nun Dank Roadburn das Licht der Welt. Und hier werden jetzt ordentliche Geschütze in der Main Hall aufgefahren! Ein Vorhang verbirgt vorab noch die komplett vollgestellte Bühne und nachdem der Sichtschutz verschwindet, weiß man gar nicht, wohin man zuerst seinen Blick bzw. die Kamera richten soll! In der ersten Reihe zu linker Hand Tom und die Bassistin Vanja Šlajh, zentral die Pauken und das Drumset, auf der anderen Seite die Sängerinnen, Gitarrist V.Santura und noch allerlei metallenes Schlagwerk. Die zweite Reihe war den restlichen Orchestermusikern vorbehalten und auf einem kleinen Ausleger bei der Bühne war dann auch noch der Dirigent positioniert! Natürlich ist “Symphonic Metal” heutezutage nicht mehr besonders innovativ, aber dennoch sind derartig bombastisch dargebotene Musikstücke immer noch etwas Besonderes und vor allem kommt man nicht oft in den Genuss der Live-Darbietung eines derartigen Spektakels. Aus diesem Grund wurde das Konzert auch aufgezeichnet und erscheint voraussichtlich Ende das Jahres auf Koserve!

Nach einer etwas längeren Umbaupause ging es dann in der Haupthalle weiter mit ANNA VON HAUSSWOLFF. Das war nun bereits meine vierte Begegnung mit der jungen Dame und es ist immer wieder beeindruckend, welche Präsenz und Intensität diese zierliche Frau mit ihrer Musik auf die Bühne bringt. War sie zu Beginn noch hinter ihrem Keyboard verschanzt, wo sie sang und schrie und zappelte, war sie später dann auch mit Mundharmonika (!) unterwegs Richtung Bühnenrand und ging quasi auf Tuchfühlung mit dem Publikum. Gerade mal sechs Stücke der Alben "Dead Magic" und "The Miraculous" passten in den verfügbaren Zeitslot und soundmäßig lag das Ganze dann irgendwo zwischen Ambient, Drone, Post Rock und Dark Wave. Für mich eines der besten Konzerte am Roadburn!

Für FAUNA ging es dann wieder zurück ins Patronaat. Der Black Metal der Amerikaner steht in der Tradition von Bands wie WOLVES IN THRONE ROOM mit Ambient- und Folk-Einflüssen. Dementsprechend war die Live-Performance dann auch eher ein Ritual als ein herkömmliches Konzert - die Musiker waren nur in fetzenartige Kleidung gehüllt und hatten am Körper und im Gesicht Farbe aufgetragen. Räucherwerk wurde verheizt, Kerzen entzündet und offensichtlich Beschwörungen oder Huldigungen durchgeführt. Untermalt von Konservensound dauerte dies dann doch etliche Minuten, bevor die Musiker dann zu dem Gitarren griffen und der BM-Sturm losbrach. Naja, mal was anderes...

Der diesjährige Kurator Tomas Lindberg steht natürlich auch mit seiner Band AT THE GATES live auf der Bühne. (Melodic) Death Metal gehört nun nicht unbedingt zu meinen Lieblingsgenres, daher bin ich jetzt auch nicht so mit dem Werk der Band vertraut. Das Konzert war aber auch für mich durchaus interessant und abwechslungsreich. So stand natürlich auch der Song “The Burning Darkness” auf der Setlist, aber auch Covers von KING CRIMSON, TROUBLE (mit Matt Pike / SLEEP) und gar das Stück ‘Koyaanisqatsi” des amerikanischen Komponisten Philip Glass. Unterstützung gab’s hier auch noch von ANNA VON HAUSSWOLFF. Und sichtlich hatte Thomas riesigen Spaß an der Show! Er lief permanent von einer Bühnenseite auf die andere und hielt das Mikro immer wieder in Richtung der Fans. Aber da ich auch ein paar Fotos der nächsten Band im Patronaat schießen wollte, konnte ich leider nicht bis zum Ende bleiben und verpasste einen weiteren Auftritt von JO QUAIL und ihren Mitmusikern.

Das Interesse am Auftritt von MESSA ist groß, wie die elendslange Schlange vor der Ex-Kapelle beweist. Da ist der Fotopass von Vorteil, man hat dadurch jederzeit Zutritt zu den Venues. Der Nachteil ist, man muss sich trotzdem durch die Massen an Menschen im Inneren nach vorne quetschen und es gibt dann leider auch keinen Fotograben. Aber die Leute sind meist cool drauf, und lassen die Knipsfraktion für ein paar Fotos vor. Danke dafür! Die italienische Band hatte ein einmaliges Set ihrer beiden Alben “Feast for Water” und “Belfry” angekündigt. Unterstützt wurden sie dabei von Lorenzo De Luca am Tenor Saxophone, welcher auch eine wichtige Rolle am zweiten Longplayer spielt. Und die Leute, die es ins Innere der Venue geschafft hatten, wurden mit einer intensiven und heavy Mischung aus Doom, Jazz, Psychedelic und Rock belohnt. Auch hier erneut eine Powerfrau am Mikro, die immer wieder headbangend ihre rote Mähne durch die Gegend wirbelte.

Einen kurzen Abstecher machte ich dann noch in den “Green Room” zu BOSSE DE NAGE aus San Francisco und ihrem rohen Blackgaze-Post-Wasweißich. Konnte mich live jetzt nicht so begeistern, daher noch schnell in die Haupthalle, um dort ein paar Fotos der gerade gestarteten Band zu schießen.

Auch LOOP spielen an dem Abend (bzw. eigentlich Nacht, es war inzwischen bereits deutlich nach Mitternacht) unter dem Kurator-Thema “The Burning Darkness”. Mitte der 1980er in London gegründet, hat sich die Band nach der Auflösung 1991 im Jahr 2013 wieder neu formiert und bereits 2014 schon einmal am Roadburn gespielt. Das Werk der Band umfasst gerade mal vier Alben, irgendwo zwischen Krautrock und Psychedelic und daraus boten die Engländer einen Querschnitt bei ihrer Performance. Passend dazu auch die sehr farbenfrohen, abstrakten Visuals. Genau das Richtige, um den Abend noch “gemütlich” ausklingen zu lassen...

Mehr Fotos auf stills.eraserhead.at


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