13.04.2019, Tilburg,

Roadburn Festival 2019 - Tag 3 - SLEEP + SUMAC + WOLVENNEST...

Text: Werner Nowak | Fotos: Werner Nowak
Veröffentlicht am 04.05.2019

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Am dritten Tag führte mich mein Weg zuerst ins Het Patronaat. Dieses stand den ganzen Tag im Zeichen des niederländischen Black Metal. WITTE WIEVEN machen den Opener. Der Name steht im Holländischen für “Weise Frauen”, die ihren Ursprung wohl in den Kräuterfrauen und Heilerinnen im Mittelalter hatten, in der Mythologie aber auch als “Weiße Frauen” - Geisterwesen oder Feen - ihren Niederschlag fanden. Das direkt aus Tilburg stammende Duo wurde 2014 gegründet und spielt Atmospheric Black Metal. Für die Live-Performance holte man sich noch zwei Mann Verstärkung. Dass dies das Live-Debut war, merkte man dem Vierer nicht an. Die Frontfrau, optisch unter "Goth-Lady" einzuordnen, und ihre Kollegen brachten ihren Sound tadellos an die bereits zahlreich erschienene Fangemeinde.

Sehr mystisch angehaucht war auch die nächste Band, die mich in der Main Hall erwartete. WOLVENNEST hatte ich bereits beim “House of the Holy” und in der Arena Wien erlebt, beide Male aber auf weit kleineren Bühnen. Hier hatte die Band nun reichlich Platz zur Verfügung. Vor Sängerin Shazzula war ein kleiner Altar mit Totenkopf, Knochen und Räucherwerk aufgebaut und auch das Theremin hatte sie natürlich mit dabei. Die Band spielte das komplette “Void” Album aus dem letzten Jahr, die sechs Songs bringen es immerhin auf eine Spielzeit von über 70 Minuten! Mit reichlich Gitarren wird von den Musikern ein hypnotisierender, psychedelischer Heavy-Doom-Sound aufgeschichtet, instrumentale Passagen werden immer wieder von männlichen und weiblichen (Sprech-)Gesangspassagen unterbrochen. Verstärkt durch die Visuals war das ein sehr intensives Liveerlebnis!

GORE in der Kuppelhalle war mir dann etwas zu viel Geschreddere, zu dem ich einfach keinen Zugang fand. Angeblich sind die Niederländer aber eine Kult-Formation, die bereits 1986 gegründet wurde und mit ihrem instrumentalen Hardcore-Punk-Metal-Noise-Rock-Crossover viele nachfolgende Musiker beeinflusst haben soll. Die Band löste sich 1997 auf und reformierte sich dieses Jahr neu. Gut, wusste ich jetzt wohl nicht so richtig zu schätzen.

Besser gefielen mir da schon SUMAC, die in der Mainhall ihren Post Metal auf die Besucher prügelten. Kopf des Projektes, Aaron Turner, spielte auch am Sonntag mit OLD MAN GLOOM am Festival und wollte den Samstag nicht ungenutzt verstreichen lassen. Und so hat er sich seine obercoole Plexiglas-Gitarre geschnappt und haut einem mit seinen Bandkumpels Bryan Cook (RUSSIAN CIRCLES) and Nick Yacyshyn (BAPTISTS) und krächzender Stimme das Album “Love in Shadow” um die Ohren, dass einem Hören und Sehen vergeht. Mehr heavy geht nicht. Echt nicht!

Langsam artete das in einen Wandertag aus, denn in der Kuppelhalle wartete der nächste Programmpunkt: das Projekt GLERAKUR (isländisch für “Feld aus Glas”) des Komponisten Elvar Geir Sævarsson. Er hatte das Album “The Mountains Are Beautiful Now” ursprünglich für die Aufführung des Dramas “Fjalla-Eyvindur & Halla” am Isländischen Staatstheater geschrieben. Das Projekt wurde gegründet, um seine Musik auch live zu performen. Zwei Drummer und vier Gitarristen sorgen somit in der Kuppelhalle für einen intensiven, sehr atmosphärischen Sound mit Einflüssen aus Ambient, Drone, Post-Rock, aber auch Doom und Black Metal.

Kurz vor Ende der Performance ging’s wieder zurück ins Zentrum, in der Großen Halle war nun SLEEP angesagt! Und die nicht gerade kleine Halle war bereits so rappelvoll, dass einige Besucher gar nicht mehr reingelassen wurden! Der erste Auftritt der Band stand im Zeichen ihres Albums “Holy Mountain” und es wurde somit anlässlich des 27-jährigen Jubiläums in voller Länge performt. Das Trio in klassischer Rock-Besetzung mit Bass-Gitarre-Schlagzeug lässt es dann auch ordentlich krachen und Matt Pike (bekannt dafür, immer mit nacktem Oberkörper aufzutreten), spaziert lässig vor seinen Amp-Türmen auf und ab und posed mit seiner Gitarre. Auf der linke Seite, statisch und fest verwurzelt im Bühnenboden, würgt Al Cisneros seinen Bass und ab und zu die Vocals hervor und in der zweiten Reihe sorgt Schlagwerker Jason Roeder dafür, dass der schwere und zähflüssige Sound noch ordentlich Rums bekommt. Da gab’s definitiv nix zu meckern!

Einen Abstecher musste ich dann aber auch noch nach nebenan in den Green Room machen, denn hier hat sich LOUISE LEMON angesagt. Rein von der Optik würde man nicht erwarten, dass die junge Dame und ihre Musiker hier einen derart intensiven und düsteren Sound vom Stapel lassen. Von “Death Gospel” hab’ ich hier als Bezeichnung gelesen, die Songs teils rockig, etwas bluesig, Erinnerungen an Nick Cave oder PJ Harvey werden wach. Für mich eine interessante Neuentdeckung!

Im Anschluss musste ich dann noch kurz checken, ob die Black Metaller vielleicht im Laufe des Tages das Het Patronaat abgefackelt haben. Aber nein, es war noch ganz und bereit für den letzten Programmpunkt “Maalstrom”. Etwa ein Dutzend Musiker der niederländischen BM-Szene, und somit von Bands wie LASTER, VERWOED, WITTE WIEVEN, TURIA und mehr, bringen ein kommissioniertes, konzeptionelles Stück auf die Bühne. Thematisch geht es um das Nebeneinander von Stadt- und Landleben, optisch unterstützt von passenden Visuals, die städtische Architektur und Landschaften zeigen. Zum Glück konnte ich dann dem alles verschlingenden Black Metal Strudel entkommen und mir noch kurz die spezielle Obskurität in der Main Hall ansehen.

URAN GBG aus Schweden stehen mit 11 Mann hoch auf der Bühne. Alle in weiße Jogginganzüge oder Ähnliches gewandet. Tja, und nachdem dann alle ihren Platz gefunden hatten, bricht der Psychkrautspacegroove (frei nach Thomas Lindberg, der die Band eingeladen hat) los. Bei manchen Typen ist nicht ganz klar. was genau sie zum Sound beitragen, aber so ca. vier Bassisten sind dabei, etliche Leute hinter Keyboards oder Controllern und ein “Sänger”, der ab und zu in sein Mikrofon grummelt.
Schon sehr schräg, aber ich hab’ das 50-Minuten-Set dann nicht bis zum Ende erlebt. Und so ging’s dann nach einem Absacker bettwärts. Denn es wartet ja noch der Sonntag mit einem umfangreichen Programm!

Mehr Fotos auf stills.eraserhead.at


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