18.5.2019, MarX (Markthalle), Hamburg

SLEEPING CHILD, FROM DAYS TO YEARS und TAPE SHAPES

Text: Jazz Styx
Veröffentlicht am 24.05.2019

Es begab sich zu einer Zeit, da das graue Hamburg aufgrund der Langen Nacht der Museen von allerlei Kulturinteressenten geflutet war, dass drei junge Maiden im Eingang der Markthalle standen, um verwirrte Seelen in ein Museum der Akustik zu locken. Nur das Personal an der Abendkasse weiß, wie erfolgreich sie darin waren, dem Hamburger Rock-Untergrund weitere Gäste zu bescheren. Vertreten wurde die Kunst des Rocks an diesem milden Abend des 18. Mais 2019 durch SLEEPING CHILD, FROM DAYS TO YEARS und TAPE SHAPES.

TAPE SHAPES fangen an. Leute? Hey, Leute! TAPE SHAPES fangen an! OK, da kommt das Publikum ja. Und zwar gar nicht so ein kleines! Das Marx – der kleinere Saal der Hamburger Markthalle – ist angenehm locker gefüllt. Es sind keine wirklichen Freiflächen übrig, aber jeder hat noch seinen eigenen Tanzbereich.

Während sich am Schlagzeug geradezu tranceartig eine ganz bei sich angekommene, halbnackte Version von Jesus angenehm einrockt, macht an der Front Sängerin Laura die Kollegin Sandra Nasić von GUANO APES zu ihrer besten Zeit neidisch. Der stimmliche Vergleich mag weit hergeholt sein und soll keineswegs beleidigen, aber ich kann auch nicht behaupten, dass der grunge-ige, semi-metallene Alternative Rock mit lässigem Southern-Rock-Feeling von TAPE SHAPES mein Fachgebiet wäre. Jedenfalls noch nicht! Denn so wunderbar, wie der Sound durch den Körper rauscht, sollte das dringend geändert werden!
Das außerordentlich gemischte Publikum muss erst noch aufwachen, nähert sich aber Bier für Bier, Riff für Riff, Schrei für Schrei einer entspannt-groovigen Atmosphäre an. Wenn jetzt noch der eine oder andere die neue Platte „Divine“ mitnimmt, dann dürfen TAPE SHAPES den Abend schon mal als Erfolg verbuchen. Prost die Damen und Herren!


(c) splashcut

Das zweite Kapitel im heutigen Konzertroman wird rougher. Die simple, aber korrekte Selbstbeschreibung von FROM DAYS TO YEARS lautet: „Metal“. Wenn man mir eine Pistole auf die Brust drücken würde, könnte man mir die Spezifizierungen Elemente des Alternative Metal und Aspekte des Modern Metal entlocken – letzteres aber fast gänzlich ohne Core-Elemente. Bleiben wir aber einfach bei Metal – pur, hart, aber nicht extrem.
Gerade die instrumentelle Ausgewogenheit macht wirklich Spaß und vor allem auch richtig Druck. Gerade treibt noch Niklas am Bass das Adrenalin durch die Blutbahnen, da spielen sich feinfühlig, aber direkt die Gitarren in die Gehörgänge. Das Schlagzeug erzeugt sowieso nicht einen Moment Langeweile und Sänger Lucas bleibt stets clean, aber auf eine großartig dreckige Weise. Diesen Hamburger Hafenstil präsentiert er dann auch stilsicher, lässig, dröge, rough und cool in seinen minimalistisch-derben Ansagen.
Ein faszinierender Act, der bitte schleunigst die erste Platte veröffentlichen darf! FROM DAYS TO YEARS – gerne auch to decades, wenn da regelmäßig Holz in den Ofen geworfen wird!


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Im Finale stehen dann SLEEPING CHILD auf der Speisekar... auf der Bühne. Richtig so. Ist ja auch ihre Release-Party für das Album „Rise Of The Astrophant“. Die zuletzt gemachte Steigerung in der Metalligkeit wird nun wieder zurückgedreht. Hatte eben noch der Headbanger eine Sternstunde, fährt die Musik nun groovend in die Beine. Wieder geht der Gesang sofort unter die Haut, nicht glatt, nicht sauber, sondern eher wie eine rostige Spritze. Kein schöner Vergleich? Aber ein treffender für den Stoner oder auch Desert Rock, den sie auf das gutgelaunte Publikum loslassen.
Etwas unterbrechend sind die kleinen Anekdoten der Frontfrau Jules, die aber angesichts ihrer starken Gesangsstimme, die eindeutig im Zentrum der Musik steht, gleich wieder in den Hintergrund rücken. Unter Einflüssen von Bands wie CLUTCH und DEEP PURPLE entführen SLEEPING CHILD in längst vergangene Jahrzehnte.


(c) splashcut

Das derbe Rauschen der Zeitreise, das kühle Bier in der Kehle und eine durchdringende Zufriedenheit repräsentieren die Stimmung dieses großartigen Abends. Der Dank dafür gilt SLEEPING CHILD und ihrer neuen Platte „Rise Of The Astrophant“. Aber nicht weniger danke ich auch FROM DAYS TO YEARS und TAPE SHAPES. Erstere hoffe ich irgendwann auf einem gemeinsamen Konzert mit TRAGEDY OF MINE und letztere an einem Abend mit THE WHISKEY HELL wiederzusehen.


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