17.05.2019, Böllerbauer, Haag

Böller den Bauer - Tag 1

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 25.05.2019

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Was tut der geneigte Metalhead am Wochenende? Ganz klar, sich auf einem Festival richtig ordentlich die Kante geben! Der Garant für eskalative Stimmung am Wochenende fand beim Böllerbauer in Haag statt, wo die Metalheads Steyr (beim kürzlichen Veranstaltungsdebüt in der Zuckerfabrik waren wir auch dabei) unter dem klingenden Namen „Böller den Bauer“ ihr erstes zweitägiges Festival auf die Beine gestellt hatten. Die angemessen kultige Location bot einen passenden Rahmen für zwei Tage vielfältigen Krawall, Grillerei, Lagerfeuerstimmung und sogar ein Boccia-Turnier. Entsprechend ließ sich auch ein erkleckliches Häufchen an notorischen Konzertgängern nicht lange bitten und fiel beim Böllerbauer zwecks Nackenmuskeltraining ein.


Zwar musste die geplante Eröffnung mit RICHTHAMMER wegen beruflicher Verpflichtungen eines ihrer Bandmitglieder als Schlusspunkt in die späte Nacht verschoben werden, doch der somit nach hinten verschobene Beginn mit SCÄVENGER störte eigentlich niemanden. Zumal es mit den wieder ordentlich auf Krawall gebürsteten Buben aus Salzburg gleich zu Beginn genügend Gründe gab, die Nackenmuskulatur ohne Aufwärmprogramm hingebungsvoll zu strapazieren. Was die bereits anwesenden, hochmotivierten Zuschauer dann auch taten, während sie von den hysterischen Klängen der auf der Bühne wütenden SCÄVENGER einen ordentlichen Scheitel gezogen bekamen. Im Vergleich zu den letzten Begutachtungen der blutjungen Hochgeschwindigkeits-Junkies konnte eine deutliche Steigerung attestiert werden und auch die frühere Nervosität bei den Ansagen war wie weggeblasen – so konnten SCÄVENGER das Publikum mit ihren flotten, zwischen Thrash und Death mäandernden Klängen gut mitziehen. Mit so einem Schädelspalter ließ man sich doch gerne in Stimmung bringen und bat auch gleich noch um einen Nachschlag!


METAMORFF konnten mit ihren vielfältigen stilistischen Einflüssen anschließend nicht so ganz das Eskalationslevel halten, wenngleich sie auch ihre Stärken gerade in den wüsten Momenten richtig auszuspielen wussten. Mit großem Enthusiasmus groovten und schrien sich die vier Mannen durch ihr knackiges Set, konnten dabei aber nicht ganz so viele Zuschauer mobilisieren wie noch zuvor. Zwar sorgten die Posen des entfesselt agierenden bloßfüßigen Bassisten für optische Kurzweil, doch insgesamt wirkten METAMORFF, nach dem geradlinigen Haudrauf-Metal zuvor, gerade durch ihre große musikalische Bandbreite unterm Strich unzugänglicher, trotz technisch sauberer Leistung und starker stimmlicher Performance. Nichtsdestotrotz verlangten die Zuschauer auch von METAMORFF eine Zugabe, die auch mit Freuden in das Böllerbauer-Gewölbe gepfeffert wurde.


Die Opfer der sich sukzessive aufgebauten Verzögerung waren dann THIS LAST WORLD (mit ihrem kürzlich veröffentlichten Album „The Wasteland“ am Start), die als einzige Band des Festivals ihr Set um zwei (noch dazu die längsten) Songs einkürzen mussten – und da war aber die obligatorische, verlangte und auch gelieferte, Zugabe bereits inkludiert. Dass dann während des ersten Songs, dank kaputter Schraube, gleich noch ein Becken quer über die Bühne schoss, war so als Special Effect bestimmt nicht geplant, aber konnte die vier Mannen glücklicherweise nicht aus der Ruhe bringen. Wo gehobelt wird, da fallen eben Späne und wenn man musikalisch schon im kernigen Fahrwasser zwischen kantigem Metalcore und rummsendem Melodic Death fischt, dann darf es ruhig ein wenig rabiater abgehen. Rabiat auch der Sänger des Vierers, der ins Mikro brüllte als gäbe es kein Morgen und man fast Angst haben musste, dass der Gute gleich von der Bühne kippen würde. Die Besucher schüttelten zu THIS LAST WORLD ordentlich die Rüben und spendeten lauten Applaus – dass sich die Herren, obwohl nur marginal an der zeitlichen Verschiebung schuld, auch noch einen ordentlichen Rüffel des Headliners EPSILON einholten, dämpfte die Stimmung im Nachgang ein wenig.


Dafür knallten EPSILON den inzwischen etwas weniger gewordenen Zuschauern eine amtlich-todesmetallische Breitseite vor den Latz, dass das Gewölbe nur so wackelte. Zwar merkte man ab und an noch, dass sich die Niederösterreicher erst mit ihrem neuen Sänger zusammenfinden müssen, doch die professionelle Show und der ultrafette Sound, der einem bei vollem Bewusstsein (zugegeben, die Zurechnungsfähigkeit war abhängig vom jeweiligen Betankungszustand) schier die Beißerchen aus der Kauleiste meißelte, wog das hundertmal auf. Durchaus melodisch, aber mit ordentlichen Ecken und Kanten ausgestattet, konnten auch EPSILON begeisterte Reaktionen für sich verbuchen, auch wenn das Publikum gegen Ende aufgrund der fortgeschrittenen Stunde schon ein wenig Ausfallserscheinungen zeigte. Und wohlgemerkt, nach EPSILON, die bis etwa Ein Uhr Morgens hingebungsvoll auf der Bühne wüteten, standen noch die vom frühen Abend verschobenen RICHTHAMMER an...


Überraschenderweise stießen sich weder Band noch Zuschauer, die sich in diversen Aggregatszuständen noch einmal fast vollzählig vor der Bühne versammelten, an der extrem späten Spielzeit von RICHTHAMMER. Und diese dankten es den Besuchern dann auch mit einer starken Show, die zu vorgerückter Stunde noch Energien mobilisieren konnte, von denen man gar nicht dachte, dass man sie noch hätte. Wie sehr dabei Studioaufnahmen und Livesituation differieren können, das zeigte sich im Verlaufe des starken Sets aus Titeln vom Debüt „Ascheland“, welches in der Underground-Reihe zunächst nicht so gut wegkam. Doch dass man sich davon mitunter nicht täuschen lassen sollte, das bewiesen RICHTHAMMER mit ihrem stimmungsvollen, mitreißenden Gig. Dass der nicht unbedingt klein gewachsene Sänger dabei mit seinem auf den Rücken geschnallten Geweih mehrmals beinahe mit der niedrigen Decke des Gewölbes kollidierte sorgte für Schmunzeln, während einem das angemessen düstere Setting auf der Bühne (eine gehäutete Leiche – sehr romantisch!) einen wohligen Schauer über den Rücken jagte. Dass die Zuschauer dann, weit jenseits der Datumsgrenze, noch hartnäckig eine Zugabe forderten, die es in Form des Titeltracks „Ascheland“, inklusive wunderbar schiefem Publikumschor, auch gab, war dann eigentlich nicht mehr verwunderlich.
 

So ging ein ereignisreicher, von harten Klängen gefüllter erster Festivaltag beim Böllerbauer zu Ende... - doch halt! Zu Ende? Oh nein, die härtesten der Harten fanden sich noch am gemütlichen Lagerfeuer im Außenbereich zusammen, trotzten gemeinsam dem eisigen Wind und tranken und feierten noch bis in die Morgenstunden. Der eskalative erste Festivaltag ging somit erst zu Ende, als bereits der Morgen dämmerte – wie wir wissen, ist das Tageslicht ein Feind unserer finsteren Seelen, so verkrochen sich auch die letzten Unentwegten in den Morgenstunden in ihre Schlafsäcke, um noch ein kleines Mützchen Schlaf vor dem Abendprogramm zu ergattern.

Eine erweiterte Galerie des Abends gibt es bei Images of Pain And Pleasure! Und hier geht es weiter zum Bericht von Tag 2!


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