05.06.2019, Wiener Stadthalle, Wien

TOOL

Veröffentlicht am 10.06.2019

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Ein TOOL Konzertbericht aus der Sicht eines Oberösterreichers, der im Jahr 2007 nach Wien auszog und 10 Jahre später wieder in seine Heimat zurückkehrte. Er war deshalb im Jahr 2006 nicht beim TOOL Konzert dabei, hatte dazwischen einige hundert Konzerte und über 1000 Bands gesehen, was es ihm schwierig macht, das gehypte TOOL-Konzert im Jahr 2019 in seine Konzertlaufbahn einzuordnen. Bestes Beispiel: JAG PANZER, eine nicht minder geniale Metalband die vermutlich keiner kennt und am Vortag in der Linzer KAPU gastierten und ca. 50 Besucher zum kollektiven Abfeiern animierten. Einen Tag darauf feierten in der ausverkauften Stadthalle ca. 15.000 Kartenbesitzer auch eine Band ab, die eigentlich so weit weg vom Mainstream ist wie Helene Fischer vom Underground. Zwei Welten, die für sich eine Berechtigung haben und die Analyse der Erfolgsfaktoren ein Doktorarbeitsthema wäre.

Um den folgenden Bericht im Rahmen zu halten, soll nun aber der Abend des TOOL Konzerts in ein paar Absätzen geschildert werden. Der Oberösterreicher, der schon mehrere Stadthallenkonzerte besucht hatte, zuletzt A PERFECT CIRLCE im Dezember 2018 mit ca. 4.000 Besuchern, erlebte selten so einen Menschenauflauf, dessen Individuen auf ein Durchschnittsalter von ca. 30-40 Jahren geschätzt werden kann. Also vermutlich Musikliebhaber, die die Band bereits vor über 15 Jahren kennengelernt haben. Er vermutet außerdem, dass in dieser Zeit sehr viele „Mitläufer“ rekrutiert wurden, die sich TOOL auch ansehen müssen.

Der Konzertberichterstatter hatte zum ersten Mal die Ehre einen Sitzplatz mit guter Sicht zur Bühne zu besetzen und aus dieser die Menschenmasse im Stehplatzbereich zu beobachten. Während der Supportband FIEND war noch reichlich Platz vor der Bühne. Recht zu interessieren und zu begeistern schien die Band, die durchaus Parallelen zur letzten TOOL-Supportband MASTODON hatten, nur wenige.

Aus der Sitzplatzsicht konnte die Begeisterung des Publikums sehr stark wahrgenommen werden, die Stimmung war großartig, als die Bandmitglieder die Bühne für den ersten Song „Ænema“ betraten. Ähnlich wie beim A PERFECT CIRCLE-Konzert platzierte sich Sänger Maynard James Keenan links vom Schlagzeuger und zelebrierte sein Kunst mehr für sich als fürs Publikum. Gesanglich leistete Maynard Großartiges und Danny Carey spielte auf seinem Schlagzeug in einer eigenen Liga. Vor allem der Drumsound war wuchtig und differenziert wie selten in der Stadthalle.

Beim zweiten Song „The Pot“ brillierte Bassist Justin Chancellor mit seinem markanten Spiel und als dann Adam Jones mit seinen Gitarrenriffs einsetzte, gab es kein Halten mehr im Publikum. Zu diesem Zeitpunkt waren die Bandmitglieder noch hinter transparenten Leinwänden versteckt, auf denen psychedelische Visuals das Publikum in andere Sphären treiben ließen. Die aufeinander aufbauenden „Lateralus“-Songs „Parabol“ (ruhig-meditativ) und „Parabola“ (abgespaced-fetzig) versetzten die Hardcorefans in eine Ekstasezustand.

Danach ging es aber erst so richtig mit den überlangen Songs los und das Publikum wurde mit den neuen Werken „Descending“ und „Invincible“, unterbrochen von einer beeindruckenden Live-Version des Klassikers „Schism“, herausgefordert. Komplexe Rhythmen und komplizierter Songaufbau machten es diesem nicht unbedingt leicht, durchgehend zu folgen. Dafür gab es Visuals satt, um die fast als introvertiert zu bezeichnende Show auch für Otto-Normalverbraucher unterhaltsam zu gestalten. Ganz weit zurück in der Diskografie verschlug es TOOL danach mit „Intolerance“ vom 1993er Debüt-Album „Undertow“. Mit „Jambi“ und „Forty Six & 2“ beendete die Band aber auch schon den Hauptteil der Show nach über einer Stunde.

Es folgte eine ziemlich unnötige Intermission, die zwar viele Besucher für einen Klobesuch nutzten, aber der Show ordentlich an Fahrt nahm. (Merke: Intermissions funktionieren selten, Ausnahme beim „Ixnay On The Hombre“-Album von THE OFFSPRING). Selbst die Band tat sich nach dieser ca. 15 minütigen selbstauferlegten Pause schwer mit dem Einstieg in die Zugabe. Ein Schlagzeugsolo mit darauffolgenden Syntheffekten namens „CCTrip“ half dann auch nicht wirklich, die zu spürende Ungeduld bei Teilen des Publikums wettzumachen.

Erst der groovige „10,000 Days“-Track „Vicarious“ erlöste die Fanschar und mit der im Jahr 1996 Aufsehen erregenden Single „Stinkfist“ entließen TOOL am Ende ein elektrisiertes Publikum, das dann bei diesem letzten Song aufgrund des aufgehobenen Smartphoneverbots (wie auch bereits bei APC-Konzert) der Social-Media Gemeinde mitteilen konnte, auf welch geilem Konzert sie doch waren. Für manche war es sogar das Konzert des Jahres.


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