20.06.2019, Rockhouse-Bar, Salzburg

KEEP OF KALESSIN + SHADE EMPIRE + MALPHAS

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 30.06.2019

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Ja, normalerweise ist dieses Schreiberlein schneller mit seinen Berichten. Nein, es lag nicht an der gebotenen Qualität an jenem Donnerstag vor mehr als einer Woche, dass Fotos und Wortspende zu KEEP OF KALESSIN so spät erst bei euch ankommen. Denn es war ein wirklich famoses Dreierpaket an Blastbeatfetischisten, die in der Rockhouse-Bar die musikalische Hölle auf Erden zu entfachten suchten. Im Falle der Finnen von SHADE EMPIRE mit etwas Verzögerung, da diese Aufgrund einer Panne an ihrem Wohnmobil erst verspätet losfahren konnten und es beinahe nicht mehr rechtzeitig zur Show geschafft hätten. Und das, obwohl der Beginn um eine ganze Stunde nach hinten verschoben wurde, was die einigermaßen zahlreich erschienenen Besucher zum Glück (und dank des perfekten Biergarten-Wetters...) nicht störte.


So war es bereits bei MALPHAS von jenseits des großen Teiches, die auf diese Tour zum ersten Mal in Europa spielten, gut gefüllt in der Bar. Durchaus symphonischer Extreme Metal mit deutlichem Hang zum Griffbrettgewichse bot einen qualitativ hochwertigen Auftakt in den Blastbeat-Reigen. Größtenteils im Uptempo gehalten, bewies der batikbeshirtete Schlagwerker des Vierers flinke Extremitäten und prügelte das Drumset zum ersten Mal an diesem Abend ganz gewaltig durch. Die starken Gitarrenmelodien konnten bei den Zuschauern gut landen und auch der Sound, mit angenehm ihm Hintergrund gehaltenem Symphonik-Anteil entwickelte amtlichen Druck auf den Lauschlappen. Ein starker Opener, der sich über lauten Beifall freuen konnte!


Just als die letzten Takte von MALPHAS unter dem Applaus des Publikums verklangen, fuhren draußen gerade die Finnen von SHADE EMPIRE vor. Gerade so noch rechtzeitig. Und, wie das eben so ist bei den nordischen Gestalten, fackelten diese nicht lange, rissen ihre Instrumente aus dem Trailer und stürmten quasi direkt auf die Bühne um sich für ihren Auftritt einzurichten. Und, was soll man sagen – was bei anderen im Chaos endet, funktioniert bei den traditionell etwas chaotischen Finnen natürlich! Zwar brauchten SHADE EMPIRE durch den recht gehetzt wirkenden Start ein wenig länger, um mit ihrer durchaus wieder ein wenig symphonisch angehauchten Kost zu landen, doch gerade die sympathisch-verpeilte Performance (der Sänger kündigte schon einmal den falschen Song an) der augenscheinlich mit einem gewaltigen Hangover ausgestatteten Herren ließ das Eis schnell brechen. Zwar musste man sowohl bei einem der Gitarristen, als auch beim durch das knackig-flotte Liedgut schwer beschäftigten Schlagzeuger darum fürchten, dass irgend jemand ob der drückenden Luft in der Bar gleich von der Bühne kippen würde, doch, again: Es sind Finnen! Nachdem sich jeder Musiker on stage ein, zwei, drei Reperatur-Bier ins Gebälk gestellt hatte, lief die Maschinerie anstandslos und konnte sich den verdienten Applaus abholen.


Der Blastbeat-Orgie dritter Teil fand hernach mit KEEP OF KALESSIN seinen Höhepunkt. Dass die Herren dabei in den 25 Jahren ihres Bestehens zum ersten Mal überhaupt in Salzburg Station machten, war kaum zu glauben, wie auch Sänger/Gitarrist Obsidian Claw während des Auftrittes gleich mehrmals anmerkte. Dafür hatte es der Gig dann aber wirklich in sich – während der Großteil der Krawallfreunde wohl auf das morgige, ausverkaufte Stelldichein von CANNIBAL CORPSE im großen Saal wartete, fand das wahre musikalische Highlight der Woche an diesem Abend in der Bar statt. Anstatt tumben Geprügels führten die Norweger mit Exzellenz die feine musikalische Klinge und filetierten das Publikum damit nach allen Regeln der Kunst. Kompletter technischer Irrsinn, gepaart mit wahnwitziger Hochgeschwindigkeit zum kollektiven Schädelabschrauben. Nebst infernalisch-melodischem Geshredde der Saitenfraktion, kamen vor allem die Liebhaber der Schlagwerk-Kunst mit Wanja Gröger an der Schießbude voll auf ihre Kosten. Was KEEP OF KALESSIN da an technischer Perfektion und abartiger Geschwindigkeit, gepaart mit sympathischer, fannaher Bühnenpräsenz ablieferten, das war wirklich großes musikalisches Kino. Die Zeit verging wie im Fluge und trotz des Wochentags und überschrittener Datumsgrenze, blieben die von der einnehmenden Show gefesselten Zuschauer fast vollzählig anwesend und deckten die norwegischen Extrem-Progger mit lautem Applaus ein. Wahnsinnig gut!
 

Fotos des Abends findet ihr außerdem bei Images Of Pain And Pleasure.


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