20.07.2019, Rockhouse-Bar, Salzburg

NOCTEM + RICHTHAMMER

Text: Anthalerero | Fotos: Anthalerero
Veröffentlicht am 24.07.2019

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Nach dem Underground-Highlight vom Vortag, ging es am nächsten Tag gleich nahtlos in der Bar weiter, mit Spaniens aktivster Extreme-Formation NOCTEM, die gerade auf Sommer-Festivaltour quer durch Europa tingelte und dabei auch auf einen kurzen Stopp in Salzburg vorbei schaute. Dabei hätten die Spanier um ein Haar mutterseelenalleine die Bar bespielen müssen, wenn nicht zwei Tage zuvor noch kurzfristig die niederösterreichischen RICHTHAMMER knapp vor ihrem Trip zum Metaldays in Slowenien auf den Zug aufgesprungen wären.


So wurde das durchaus erkleckliche Häufchen an Zuschauern zum Auftakt von RICHTHAMMER gleich einmal amtlich angebrüllt. Verschreckt zeigte sich dabei ob der düsteren Aufmachung der Niederösterreicher, die ausnahmsweise kein Höhenproblem ob des Rückengeweihs ihres Sängers befürchten mussten (kürzlich beim Böllerbauer sah das noch anders aus und bedurfte Millimeterarbeit), niemand, im Gegenteil wurde der Vierer bei seinem ersten Besuch in Salzburg mit offenen Armen empfangen. Die komplexen Songs mit kernig-deathiger Schlagseite, durchbrochen von stimmungsvoll-düsteren Sprechpassagen, konnten in der Bar vom Fleck weg gut landen und die ersten Zuschauer in den vordersten Reihen schraubten sich in den aggressiveren, schnelleren Passagen schon gepflegt die Schädel ab. Man konnte der Band auch ansehen, dass sie an diesem Abend ob des entspannten Drumherums richtig Spaß auf der Bühne hatte, was sich auch nahtlos aufs Publikum übertrug, welches RICHTHAMMER fleißig Applaus spendete.


Danach pfiffen NOCTEM (übrigens nicht zum ersten Mal in Salzburg zu Gast) auf die Atmosphäre und drückten das Gaspedal kurzerhand bis zum Anschlag durch. Die Bühne versank in Nebel, Rotlicht und wirbelnden Haaren, als die feschen Spanier mit rasendem Extremmetall die Wände zum Wackeln brachten. Einige neidige Blicke, speziell der Damenwelt, ob der langen, wallenden Haarpracht der Saitenfraktion waren wohl obligat, als sich die häufig propellerbangenden Spanier gekonnt in Szene setzten. Darüber hinaus glänzten NOCTEM aber mit technischer Finesse, die Hand in Hand mit irrsinnigen Geschwindigkeitsrausch einher ging. Die Zuschauer freute es, denn die gnadenlose, irgendwo zwischen kratzigem Black- und räudigem Death Metal angesiedelte Bolzerei bewies sich als perfektes Mittel, sich an einem Samstagabend wieder einmal so richtig das Genick zu ruinieren. Wohl konnte man über die komplette Dauer des Sets, durch den Fokus auf ausschließlich geschwindigkeitsintensive Songs, gewisse Abnutzungserscheinungen der mit Hingabe vorgetragenen Titel erkennen, doch wer zu diesem Zeitpunkt bereits vor hatte, seine Nackenwirbel wohlsortiert im Säckchen heimzutragen, der störte sich an der hinten raus ein Bißchen eintönigen Performance auch nicht mehr wirklich. Was NOCTEM boten, das war einfach ein Abriss wie er im Buche steht, ohne Pause und ohne Gnade, dass man danach mit angenehm bleischweren Gliedern wie ein geprügelter Hund aus der Bar schlich und das Gefühl auch noch genoss. So gehört sich das.

Mehr Fotos des Abends findet ihr bei Images Of Pain And Pleasure.


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